Dirndl, Lederhose und Co., wohin man auch schaut. Ganz versteckt im Laden von Trachten Krüger am Stuttgarter Marktplatz hängt sie: die „Schwabentracht 1818“, die auf württembergischen Traditionen beruht und extra fürs 200-Jährige aufgelegt wurde.
Meine Wahl fällt auf das grün-rote Modell: die Cannstatter Tracht (299 Euro). Passend zum Dirndl gibt es zwei Schürzen und eine Bluse mit langen Ärmeln und hochgeschlossenem Kragen. Ab in die Umkleidekabine: Schon beim Anziehen der Bluse stockt mir der Atem. Sie sitzt eng, sehr eng. Die Knöpfe, die bis oben zugemacht werden, machen das Atmen nicht gerade leichter. „So war das früher. Man hat so wenig Haut wie möglich zeigen wollen“, erklärt Trachtenxperte Wulf Wager. Er ist mit der Idee der Schwabentracht auf die Firma Krüger zugekommen – um einen Kontrapunkt zu setzen zur „alpinen Folkloremode“ in den Bierzelten. Regelmäßig schimpfen Traditionalisten über die Invasion „bayerischer“ Trachten auf dem Wasen.

Stuttgart

Am besten nicht viel essen

Weiter geht es mit dem Dirndl. Anders als bei modernen Modellen muss die traditionelle Tracht vorne geöffnet werden. Einmal drin, wird schnell klar: Viel essen sollte man beim Wasenbesuch nicht. „Da gewöhnt man sich schnell dran“, sagt die Verkäuferin und lächelt. Sie packt aus einem Tütchen eine silberfarbene Kette aus und beginnt sie in die aufwendig verzierten Haken zu ziehen.  Das Dirndl wird enger und enger. „Ein normales Band wäre nicht so stabil. Mit einer solchen Kette kann es richtig festschnürt werden“, sagt Wager.
Ein wichtiges Detail fehlt jetzt noch: die Schürze. Deren Farbe signalisiert den Beziehungsstatus. Die farbige bedeutet „verheiratet“, die weiße „ledig“.  Eine weitere Besonderheit: Die Schleife wird immer – wirklich immer – in der Mitte gebunden. „Eigentlich gehören jetzt noch Ballerinas mit einer Spange und einem kleinen Absatz dazu“, verrät Wager.
So fühlt sie sich also an, die Schwabentracht. Die männliche Variante gibt es natürlich auch: Die Dreiviertel-Kniebundhose ist länger als bei den bayerischen Varianten.
So fühlt sie sich also an, die Schwabentracht. Das Fazit: auf jeden Fall etwas Besonderes und ganz sicher ein Blickfang für den Wasenbesuch.

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