Ulmer Zelt 2026: Marlo Grosshardt setzt auf sanfte Agitation

Live-Performance als Bewältigungsstrategie: Marlo Grosshardt im Ulmer Zelt.
Julika Nehb- Marlo Grosshardt tritt im Ulmer Zelt auf – rund 300 Besucherinnen und Besucher singen mit.
- Seine Texte sind direkt und politisch: gegen AfD in „Geschichte schreiben“, gegen Wehrpflicht in „Krieg ohne mich“.
- Der Hit „Oma“ wurde 2025 unter „Nie wieder, das ist jetzt“ in sozialen Medien viral.
- Live-Performance dient ihm als Bewältigungsstrategie, die Botschaften verpackt er in melodischen Pop.
- Cello, Klavier, Geige, Saxofon und Posaune prägen den Sound, das Publikum ist schnell begeistert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Socken sind ja zu Generationenmarkern geworden — Millennials können sich einfach nicht von ihren Füßlingen trennen und für die Gen Z müssen es in Abgrenzung dazu hohe Tennissocken sein. Die dicken Wollstrümpfe, die der 24-jährige Hamburger Marlo Grosshardt in ausgelatschten Sneakern am Donnerstagabend (18. Juni 2026) bei 30 Grad im Ulmer Zelt auf der Bühne trägt, sind da womöglich einfach die nächste Eskalationsstufe. Vielleicht wurden sie ihm von seiner Großmutter gestrickt, die er in seinem Hit „Oma“ besingt. Dieser war 2025 kurz vor der Bundestagswahl auf Social Media unter dem Hashtag „Nie wieder, das ist jetzt“ viral gegangen.
Mit Vorschusslorbeeren und fünfköpfiger Band im Rücken stand Grosshardt vor rund 300 Zuschauerinnen und Zuschauern, darunter viele junge Menschen und Familien. Laut Anne Mann, Referentin für Öffentlichkeit beim Zelt, bringe er nämlich „nicht nur politische Haltung gegen Rechts, sondern auch hoffnungsvolles Gemeinschaftsgefühl und tanzbare Grooves mit, die wir in Zeiten wie diesen gut gebrauchen können“.
Manchmal nervös vor den Songs
Grosshardts schnörkellose und direkte Texte stehen eindeutig im Zentrum. Sie lesen sich wie psychosoziale Zustandsbeschreibungen der von Polykrisen und Zukunftssorgen gebeutelten Gen Z. „Krieg ohne mich“ arbeitet sich an der Wehrpflichtdebatte ab, in „Geschichte schreiben“ ruft er zum Widerstand gegen die AfD auf. Er sei noch immer manchmal nervös vor diesen Songs, weil er wisse, wie kompliziert diese Inhalte seien. Doch die Live-Performance wird zur Bewältigungsstrategie, zu seinem persönlichen Kanal für sanfte Agitation.
Musikalisch verpackt er seine Botschaften in simple, melodiegetriebene Pop-Arrangements, melancholisch und orchestral wird es durch Cello, Klavier und Geige, dank Saxofon und Posaune geht es aber auch oft dynamisch in Richtung Balkan-Beat. Innerhalb kürzester Zeit reißt er das Publikum damit komplett mit. Mit rauer, kraftvoller Stimme stimmt er „Nananana"-Passagen und eingängige Refrains an, die das textsichere Publikum enthusiastisch aufgreift. Nach 85 kompakten, aber hochintensiven und sehr gemeinschaftlichen Minuten ist Schluss — und die Wollsocken sitzen noch.
