Theater Ulm: Nachtkritik: „Der Kaufmann von Venedig“ ohne Happy End

"Der Kaufmann von Venedig" im Theater Ulm: Markus Hottgenroth (Shylock).⇥
Marc LontzekIn Shakespeares Originaltext jubilieren am Ende die reichen Venezianer — und der Jude Shylock liegt am Boden. Nicht nur das Ende von „Der Kaufmann von Venedig“ ist heute kaum mehr zu ertragen, das ganze Stück strotzt vor antisemitischen Klischees. Und ist deshalb eine echte Herausforderung für das Theater.
Schauspieldirektor Jasper Brandis hat in seiner Inszenierung von „Der Kaufmann von Venedig“, die am Mittwochabend im gut gefüllten Großen Haus des Theaters Ulm Premiere feierte, wenig übrig gelassen von der zynischen Komödie.
Bei ihm ist Shylock (eindrucksvoll: Markus Hottgenroth, im Bild) ein Mann mit Prinzipien, der von einer gelangweilten linksliberalen Oberschicht verhöhnt wird, sich aber weigert, ein Opfer zu sein.
Ein kluges, aber etwas kühles Stück darüber, wie antisemitische Denkmuster fortbestehen — ohne Happy End. Das Premierenpublikum applaudierte freundlich.

