Staatstheater Stuttgart
: Das bieten Schauspiel, Ballett und Oper in der Saison 2026/2027

Viele Zukunftsfragen – aber auch die Familienoper „Die drei ??? und das Spiegelkabinett“. Die Intendanten stellen ein Riesenprogramm vor.
Von
Otto Paul Burkhardt
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
Staatstheater-Intendanten: Stuttgart, Fototermin mit den vier Staatstheater-Intendanten Viktor Schoner, Tamas Detrich, Burkhard Kosminski und Marc-Oliver Hendriks - das traditionelle Gruppenfoto-Shooting zur Jahres-PK mit Saisonvorschau

Vor/im Kammertheater

Tatkräftiges Männer-Quartett: die Intendanten der Staatstheater Stuttgart (von links) Tamas Detrich (Ballett), Marc-Oliver Hendriks (Geschäftsführung), Burkhard Kosminski (Schauspiel) und Viktor Schoner (Oper).

Max Kovalenko/dpa
  • Staatstheater Stuttgart plant trotz Kürzungen die Saison 2026/27 mit großem Programm.
  • Schauspiel startet mit einer Arendt-Erkundung, setzt auf Koproduktionen und prominente Regie.
  • Ballett ehrt Cranko, Béjart und Haydée – mit Onegin, Romeo und Julia und Modern Elegies.
  • Oper kündigt sieben Premieren an, darunter drei Übernahmen und zwei Uraufführungen.
  • Familienoper „Die drei ??? und das Spiegelkabinett“ sowie „Atatürk“ stehen auf dem Programm.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Weißt du, wie das wird? Ähnlich wie die Nornen aus Wagners „Götterdämmerung“ fragen sich das auch die Staatstheater Stuttgart angesichts massiver Kürzungen. Die Zukunft war „noch nie so ungewiss“, sagt der Geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks. Gut, dass das Haus „ein historisches Einnahmeergebnis“ vorweisen kann, zum dritten Mal in Folge. Mehr noch: Publikumsrekorde und Topauslastung in allen Sparten. Die vier Intendanten – neben Hendriks sind das Burkhard C. Kosminski (Schauspiel), Tamas Detrich (Ballett) und Viktor Schoner (Oper) – gehen  „mit Zuversicht“ in die Saison 2026/27 und wollen Spareffekte abmildern. Das Spielzeitbuch? Wieder kiloschwer und ideenreich. Was wird geboten?

Beginnen wir mit dem Schauspiel, das derzeit in der Bestenauswahl beim Berliner Theatertreffen gastiert. Kosminskis Team hat viel vor. In diese Zeiten, sagt er, passe als Spielzeitmotto „Mut, wenn ringsum jedem der Mut zusammenstürzt“, eine Wendung aus Elfriede Jelineks „Totenauberg“. In Kosminskis Regie eröffnet die Saison mit einer „theatralen Erkundung“ zu Hannah Arendt. Ein Projekt, bei dem auch Daniel Cohn-Bendit mitwirkt, Exponent der Studentenbewegung.

Geplant sind zudem kostensparende Koproduktionen wie Thorsten Lensings „Tanzende Idioten“, die von den Berliner Festspielen in Starbesetzung mit Ursina Lardi nach Stuttgart wandern. Ähnlich „Sacred Monsters (Parts of Medea)“ mit der Elbphilharmonie Hamburg – von und mit Nino Haratischwili. Weitere prominente Regisseure sind angesagt, so Andreas Kriegenburg, der Shakespeares „Richard III.“ realisiert, den Titelschurken gibt Max Simonischek. Calixto Bieito nimmt sich Dürrenmatts „Versprechen“ vor, und David Bösch kümmert sich um Schillers „Kabale und Liebe“. Zum Saisonende steigt das Projekt „Stammheim-Protokoll – Der Gerichtsprozess gegen die RAF“, inszeniert vom Regiekollektiv Dead Centre. Im Kammertheater überwiegen Uraufführungen, etwa eine Romanadaption von Manuel Butt mit dem Titel „Zierfische in Händen von Idioten“.

John Cranko wird gefeiert

Das Stuttgarter Ballett baut unter Tamas Detrich seinen internationalen Ruf weiter aus. Für Fans, so Detrich, seien Auswärtsspiele der Compagnie oft eine Mitreise wert. Nächste Saison geht es, erstmals seit 1973 wieder, nach Australien (Melbourne) und nach Kalifornien (Costa Mesa). Die Spielzeit hier ist von Geburtstagen geprägt: 2027 wäre Stuttgarts Ikone John Cranko 100 Jahre alt geworden, ebenso Maurice Béjart. Und Ex-Chefin Marcia Haydée feiert ihren Neunzigsten.

Stichwort Cranko: Dazu rückt Detrich dessen Handlungsballette „Onegin“ (zum Auftakt) sowie „Romeo und Julia“ ins Programm. Zudem ermöglicht der Abend „Unser Cranko“ eine Wiederbegegnung mit Stücken wie „Opus 1“ und „Poème de l’extase“. Als Hommage an Béjart wird „Für Maurice“ gezeigt, inklusive „Bolero“. Der Abend „Modern Elegies“ umfasst Signaturwerke von George Balanchine und Jiři Kylián sowie eine Uraufführung von David Dawson zu Musik von Kirill Richter. Im April 2027 folgt die nächste Ausgabe der Reihe „Creations“ mit neuesten Arbeiten von Vittoria Girelli oder Demis Volpi, im Juli zum Saisonfinale eine Gala für Marcia Haydée.

Die drei ??? in der Oper

Sparzeiten, Personalabbau? „Nein, wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, sagt Viktor Schoner, der Intendant der Staatsoper, „aber wir müssen fleißig bleiben“. Ja, erstaunliche sieben Premieren kündigt Schoner an, mehr als in der aktuellen Saison. Aber der Trick dabei sind drei Übernahmen, Stuttgarter Premieren auswärtiger Inszenierungen: „Lucia di Lammermoor“ von der Royal Opera Covent Garden in London (Regie: Katie Mitchell), „La traviata“ vom Theater Basel (Benedikt von Peter) und Glucks „Alceste“ als regelrechte Koproduktion mit den Wiener Festwochen (Milo Rau).

Gleichzeitig herrscht, so Schoner, Aufbruchsstimmung: mit Nicholas Carter als neuem Generalmusikdirektor und auch Jeremy Bines als neuem Chordirektor (er kommt prominent von der Deutschen Oper Berlin). Carter dirigiert zwei Neuproduktionen: „Lady Macbeth von Mzensk“ von Dmitiri Schostakowitsch (in der Regie von Ulrike Schwab) und den „Rosenkavalier“ von Richard Strauss. Ein neuer „Rosenkavalier“? Stefan Herheims gefeierte Inszenierung sei zu aufwändig, sagt Schoner, ziehe mehrere Schließtage nach sich. Jetzt führt Axel Ranisch Regie.

Auch zwei Uraufführungen stehen auf dem Programm. Und zwar eine Oper für die ganze Familie, auch für „Erstbesucher“: ein vertonter neuer Fall der beliebten Jugendbuchreihe „Die drei ???“. Gordon Kampe hat für Stuttgart „Die drei ??? und das Spiegelkabinett“ komponiert; Anna Weber bringt diesen Krimi auf die Bühne. Und eine zeitgenössische Grand operà hat Schoner in Auftrag gegeben: „Atatürk“ von Bassem Akiki, der auch die Uraufführung dirigiert – ein geschichtsträchtiges Werk über den Begründer der türkischen Republik.

Das „JOiN“ mit junger Oper

Auch in der vierten Saison unter der künstlerischen Leitung von Keith Bernard Stonum und Martin Mutschler soll das „JOiN“ der Staatsoper „ein Ort zwischen Kunsttempel und Community Center bleiben, an dem Oper für junges Publikum räumlich neu gedacht, gewohnte Definitionen erweitert und Selbstverständlichkeiten hinterfragt werden sollen“. Zu den Neuproduktionen zählen „Der Miesepups“ (eine Koproduktion mit der Münchner Biennale) nach dem gleichnamigen Kinderbuch sowie „Gōsuto Haus“ – eine „Geisterbeschwörung mit Musik von vielen toten Komponist*innen“ ab 12 Jahren.