Roman „Wilde Häuser“: Wo die schwachen Gauner hausen

Colin Barrett: Wilde Häuser. Steidl Verlag, 256 Seiten, 25 Euro.
Steidl Verlag- Debütroman „Wilde Häuser“ zeigt Kleinstadtkriminelle in Ballina als armselige Figuren.
- Dev lebt allein nach dem Tod der Mutter und wird Mitwisser einer Geiselnahme.
- Die Ferdia-Brüder entführen Doll, weil dessen Bruder ihrem Boss Geld schuldet.
- Nicky sucht ihren verschwundenen Freund und verkörpert Aufbruch aus der Provinz.
- Barrett erzählt lakonisch und mit Witz – Longlist für den Booker-Preis dieses Jahr.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Plötzlich hat Dev einen neuen Mitbewohner. Allerdings einen, der nachts gefesselt wird, damit er nicht gleich wieder stiften geht. Und dazu lungern die kriminellen Ferdia-Brüder Gabe und Sketch saufend in seinem Wohnzimmer herum. Wie er in diese Situation geraten ist? Schwer zu sagen, Menschen wie Dev, der nach dem Tod seiner Mutter alleine auf einem abgelegenen Anwesen bei Ballina im Westen Irlands lebt, widerfährt das Leben eher, als dass sie es selbst in die Hand nehmen könnten. Und da wird ein Typ wie er auch mal zum Komplizen einer Geiselnahme.
In seinem lesenswerten Debütroman „Wilde Häuser“, der 2024 auf der Longlist für den renommierten Booker-Preis stand, beschreibt der bisher für Kurzgeschichten bekannte irisch-kanadische Schriftsteller Colin Barrett ein Milieu, für das sich die Literatur selten interessiert: das der Kleinstadt-Gauner, der gefährlichen Loser, die gerne den großen Macker heraushängen lassen, aber eigentlich ein Leben in dümmlicher Barbarei führen. Zigaretten, Weed, Bier, Mikrowellenfraß. Und Gewalt als Zerstreuung. Bedrohlich, vor allem aber armselig.
Sie ziehen andere hinein in ihr Mist-Leben
Aber die schwach-starken Männer ziehen eben andere hinein in ihr Mist-Leben, so wie den psychisch angeknacksten Dev oder den Teenie Donald „Doll“ English. Den haben die Ferdias kurzerhand auf einer Party gekidnappt, weil dessen Drogendealer-Bruder Cillian ihrem Chef viel Geld schuldet. Könnte übel ausgehen für den ziemlich wehrlosen Doll, wären da nicht Devs sanfte Passivität – und Nicky, die sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Freund macht.
„Wilde Häuser“ setzt die beiden Realitäten neben- und gegeneinander: Auf der einen Seite die Männer, die sich, mehr schlecht als recht, in der Ballina-Tristesse eingerichtet haben, die keine existierenden Väter und keine Ideen für die Zukunft haben. Kaputte Familien, kaputte Menschen. Auf der anderen Seite Nicky, sie will die Provinz-Ödnis verlassen, sie will studieren, sie sieht Möglichkeiten. Sie will erwachsen werden. Aber erst einmal muss sie Doll retten.
Ganz schön mutig für eine „beoir“, wie die Gauner abschätzig in ihrem Slang sagen würden. Ganz schön stark von Colin Barrett, wie er mit lässiger Sprache und liebevollem Witz diese denkwürdige Geschichte erzählt.

