Roman „Hannah“: Collage einer queeren Liebe zwischen Dada und Hitler

Miku Sophie Kühmel: Hannah. S. Fischer, 304 Seiten, 24 Euro.
S. Fischer Verlag- Roman „Hannah“ beleuchtet 1922–1936 das Leben der Künstlerin Hannah Höch.
- Fokus: Kampf um Eigenständigkeit, Liebe zu Til Brugman, Widerstand gegen Männerbünde und Nazis.
- Kühmel verbindet fiktionale Szenen mit Original-Quellen und wagt dadaistische Sprache.
- Begegnungen mit Zeitgenossen wie Kurt Schwitters und Magnus Hirschfeld prägen das Buch.
- Thema: Kunst, queere Liebe und Krisenjahre der Moderne.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Hannah Höch ist sogar anwesend, aber das schert Raoul Hausmann nicht. Wenn er, der große Dadaist, von der Kunst redet, ist natürlich er das Schöpfergenie. Dass er die Technik der künstlerischen Fotomontage zusammen mit seiner Ex entwickelt hat – er geht darüber hinweg. Die siebenjährige Liebesbeziehung? Offenbar kein Grund, ihren Beitrag zu würdigen. Frauen in der Kunst? Für Typen wie ihn nur schmückendes Beiwerk.
Dieses Gefühl ist das Grundrauschen in Miku Sophie Kühmels starkem Roman „Hannah“, der dem Leben der Künstlerin (1889-1978) von 1922 bis 1936 folgt. Eine wichtige Phase für Höch, die um ihre Eigenständigkeit und öffentliche Wahrnehmung kämpft, gegen die Männerbünde von Dada oder Bauhaus, gegen den heraufziehenden Nationalsozialismus, in dem auch ihre Kunst als „entartet“ gilt. Sie tut es mit einer Frau an ihrer Seite: der niederländischen Schriftstellerin Til Brugman (1888-1958).
Fiktion vermischt mit Original-Quellen
Kühmel, die wie Höch aus dem thüringischen Gotha stammt, gelingt die einfühlsame Schilderung einer lesbischen Liebe auf Augenhöhe, die irgendwann an den Zeitläuften, an gesellschaftlichen Widerständen, an künstlerischen Krisen und ganz normaler Ge- und Entwöhnung scheitert. Sie wählt die Form der Collage: Die Autorin vermischt fiktionale Passagen mit Original-Quellen und Gegenwartsfetzen, wagt sich sprachlich auch selbst auf Dada-Terrain: „Tils Hand liegt wie ein warmes Pferdemaul in Hannahs Nacken.“
Seine einzigartiges Kolorit bekommt dieses Buch, das vor allem in Den Haag und Berlin spielt, durch die vielen Begegnung mit berühmten Zeitgenossen: Kurt Schwitters, Theo van Doesburg, Piet Mondrian, aber beispielsweise auch der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, der als feminine „Tante Magnesia“ auftritt.
Miku Sophie Kühmel nimmt sich Freiheiten, kommt aber genau dadurch diesem Künstlerinnenleben und den Krisenjahren der Moderne ganz nah.

