Open Air Cannstatter Wasen
: Iron Maiden feiern vor 45.000 die alten Hits

Heavy Metal vor 45.000 Fans in Stuttgart: Iron Maiden wühlen tief in der eigenen Geschichte.
Von
Christoph Alexander Schmidberger
Stuttgart
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 Iron Maiden begeistert auf dem Cannstatter.

Iron Maiden begeistern auf dem Cannstatter Wasen.

Ferdinando Iannone
  • Iron Maiden begeisterten 45.000 Fans in Stuttgart mit Klassikern der Bandgeschichte.
  • Hits wie „The Trooper“ und „Fear Of The Dark“ sorgten für mitreißende Stimmung.
  • Wetterprobleme blieben aus, trotz einem kurzen Wolkenbruch am Nachmittag.
  • Maskottchen Eddie und Videoanimationen machten das Konzert zum Erlebnis.
  • Kritik: überteuerte Getränke und unzureichende Sanitäranlagen auf dem Gelände.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Wasen bebt, als Iron Maiden im Zugabenteil mit ihren drei Gitarristen Murray, Smith und Gers das einprägsame Riff von „Fear Of The Dark“ in immer dramatischere Höhen katapultieren. Der abrupte Wechsel zu einem schnelleren Tempo lässt gestandene Männer wie Flummis herumhüpfen – zumindest in den hinteren Ausläufern des Areals, wo es noch ein Durchkommen zu den Bier- und Pommesbuden gibt.

„Fear Of The Dark“, erschienen auf dem gleichnamigen Album von 1992, ist ein valider Beweis für die Fähigkeit Iron Maidens, auch dann Weltklasse abzuliefern, wenn sich auf Albumlänge erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar machten. Für so eine Hymne würden Nachwuchsbands dem Teufel ihre Seele verkaufen.

Zum Glück kein Unwetter

Mit dem Wetter war immerhin letzten Endes in Stuttgart am Samstag (26. Juli 2025) alles gut gelaufen. Das Zittern der 45.000 Fans, ob ein Unwetter das heiß ersehnte Konzertereignis zur ungemütlichen Zitterpartie machen würde oder gar einen vorzeitigen Abbruch nach sich zöge, löste sich nach dem Wolkenbruch gegen 18 Uhr allmählich in Wohlgefallen auf. Die Setlist hatte die Band bereits vorab auf ihrer Homepage veröffentlicht. Ein hohes Maß an Professionalität. Überraschungen und Spontanität: Fehlanzeige.

Wie angekündigt, schafften es für die „Run For Your Lives“-Tour ausschließlich Hits und Fanlieblinge der klassischen Phase ins Programm, also von den ersten beiden Studioalben mit Paul Di'Anno ab 1980 bis hin zur letzten Scheibe vor Sänger Bruce Dickinsons (66) vorläufigem Abschied im Jahr 1993.

Kurz vor 19 Uhr ging es auf dem Wasen mit den Schweden Avatar los. Die haben nichts mit James Camerons fantastischem Kinoepos um den Planeten Pandora gemeinsam, sondern entstammen der Göteborg-Szene. Auf den ersten Blick erinnert Sänger und Frontmann Johannes Eckerström an Marilyn Manson oder – für die Älteren – an Alice Cooper, der den Schockrock schließlich aus der Taufe hob. Der Sound von Avatar ist laut, eingängig, verzichtet aber auch nicht auf gelegentliche Growles, wie die gutturale Gesangstechnik im Metal bezeichnet wird.

Funktionierte Avatar als Anheizer für die mächtigen Maiden? Nur bedingt. „Nicht so mein Fall“, raunt ein Besucher beim Rausgehen seinen Freunden zu. Die Fans stehen auf Maidens musikalische DNA: mit Steve Harris' (69) galoppierendem Bass, die von Wishbone Ash beeinflussten Zwillings- oder gar Drillingsgitarren – noch besser mit diesem mysteriösen Keyboardgewaber in „Seventh Son Of A Seventh Son“ von 1988 unterlegt, und Dickinsons Sirene. Die 1975 im Londoner Stadtteil Leyton von Bassist und Songschreiber Steve Harris gegründeten Iron Maiden sind wie Metallica oder AC/DC eine jener wenigen Konsensbands des Heavy Metal, die auch Jahrzehnte später noch Stadien füllen, nur wenige Stunden vor dem Auftritt eingeflogen werden.

Für Altfans und den Nachwuchs

Erst Wegbereiter der rauen New Wave of British Heavy Metal um 1980, findet sich auf jüngeren Alben eher progressive Epen, die mit Lauflängen selten unter sieben Minuten historische Begebenheiten zum Leben erwecken. Anders nun die aktuelle Tour, für die Iron Maiden eigentlich nur das tun, was andere Gruppen längst zum Standard erhoben haben: für Altfans und den Nachwuchs tief in der eigenen Geschichte wühlen und vor allem die Hits abfeiern. „The Trooper“, „Aces High“, „Number Of The Beast“, „2 Minutes To Midnight“ demonstrieren die Textsicherheit des Publikums.

Dazwischen immer wieder Maskottchen Eddie auf der Bühne, der mit einigen ausgefeilten Videoanimationen die Geschichten der Songs zum immersiven Konzerterlebnis werden ließ. Die fast vierzehn Minuten des Prog-Epos „Rime Of The Ancient Mariner“ wurden mit Seeabenteuern illustriert, für „Powerslave“ gab es eine Variation von Derek Riggs legendärem Pyramiden-Schallplattencover anno 1984. Keine „Wasted Years“ für die Fans, so der Rausschmeißen aus dem Jahr 1986.

Die Kehrseite des Jung wie Alt begeisternden Abends: lacke, ungekühlte Cola für sieben Euro, schier überlaufende Dixiklos, die Besucher vor Ekel den Kopf schütteln ließen, Menschenmassen auf den Straßen.

Auf Welttour

Die britische Band Iron Maiden, 1975 gegründet, spielt ihre aktuelle „Run For Your Lives“-Tou weltweit. Top-Locations in Europa haben sie schon beglückt, bis hoch ins norwegische Trondheim. Nach dem Open Air in Stuttgart treten sie am 29. und 30. Juli auf der Berliner Waldbühne auf. Danach geht es nach Warschau und dann in die Staaten: Denver, Salt Lake City . . .