Obstwiesenfestival 2026: „Are you ready to kunstrock?“ – so war der OWF-Samstag

Headliner am Samstag: Maxïmo Park mit Sänger Paul Smith.
Armin Buhl- OWF-Samstag in Dornstadt: Sonne, volle Plätze und ein gemeinsames Fest am Lerchenberg.
- Maxïmo Park als Headliner lieferten energiegeladenen Indie-Rock mit alten Hits.
- Teen Jesus & The Jean Teasers und Punchbag setzten frische, feminisierte Indie- und Elektropop-Akzente.
- Somebody's Child wirkten gedämpfter – Itchy trafen mit Pop-Punk den Nerv des Publikums.
- Emotionaler Höhepunkt: „Oh Boy“ für den 2022 verstorbenen Freund Tobias „Bobbes“ Schmid.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Für Menschen wie Paul Smith wurde Elastan erfunden. Wenn man wie der Sänger von Maxïmo Park über die Bühne tanzt, springt, in die Luft kickt, den Mikrofonständer über seinem Kopf kreisen lässt und dabei trotzdem noch elegant aussehen will, braucht man dehnbare Texilien. Ein bisschen Kunstfaser-Anteil für 100 Prozent echte Indie-Schwerarbeit, wie man sie so prominent noch nicht einmal in Dornstadt jedes Jahr bekommt, entsprechend ist die Kulisse. „Guten Abend, Obstwiesenfestival!“, schreit Smith den Tausenden Besucherinnen und Besuchern entgegen, auch Rockstars lernen mit Duolingo. „Are you ready to kunstrock?'“
Ob jetzt alle auf die Kunst aus sind, sei mal dahingestellt, man darf schon auch nur der Gaudi wegen kommen, aber der OWF-Samstag löst das ein, worauf Fans und Veranstalterteam gehofft hatten: Er ist das große Fest, das alle am Lerchenberg zusammenbringt. Das hat mit dem Wetter zu tun, endlich Sonne, endlich keine Regenwolken mehr. Und Maxïmo Park haben daran auch ihren Anteil: Die Band aus dem nordenglischen Newcastle, eine der Bands der britischen Indie-Rock-Welle der Nuller-Jahre, wäre vor 20 Jahren eine Sensation in Dornstadt gewesen.
Ein bisschen mehr Lautstärke
2026 sind sie noch immer ein Ereignis, weil die Indie-Generation von damals sich gerne erinnert, weil die Gruppe nichts von ihrer Schärfe verloren hat. Und Hits wie „Apply Some Pressure“ oder „Books From Boxes“ noch immer erstaunlich frisch klingen. Zumindest wenn man nah an der Bühne steht, ein bisschen mehr Lautstärke hätte der Show nicht geschadet.
Die krachende Gitarrenmusik, bei manchen OWF-Ausgaben vergangener Jahre eher das Programm fürs reifende Publikum, scheint gerade ein kleines Revival zu erleben – weiblicher, queerer, weniger weiß. Die Australierinnen von Teen Jesus & The Jean Teasers, die am frühen Abend ihren punkigen Riot-Grrrl-Rock auf der Hauptbühne präsentieren, sind angesichts der da schon guten Kulisse bereits fröhlich aufgedreht und hätten das europäische Publikum auch ohne ihr Cover von „All The Things She Said“ von t.A.T.u. gewonnen.
Und im Zelt machen beispielsweise Punchbag aus London Eindruck, die Indie mit dem Power-Elektropop von Charli XCX auftunen.

Indie trifft Elektropop: Punchbag im Zelt.
Armin BuhlAuch eine Feststellung: Schnell, laut und geradeaus funktioniert am besten. Da fühlen sich die Iren von Somebody's Child mit ihrem melancholischen Rock, der nach The National, The Cure und sogar dem „Boss“ Bruce Springsteen klingt, schon wie eine Zwischenlandung auf der großen Bühne an.
Itchy aus Eislingen/Fils treffen mit ihrem Pop-Punk eher den Nerv des OWF-Publikums. Schon ein kleiner Triumph, wie die Lokalhelden – die zuletzt vor 22 Jahren auf dem Festival spielten, damals noch als Itchy Poopzkid – den halben Lerchenberg zum Pogen bringen („Dornstadt, alle in Bewegung!“), wie Sibbi Hafner sich spielend auf dem Gitarrenkoffer tragen lässt, das ist großer Rock'n'Roll-Sport, für ihn und die Träger.

Großer Rock'n'Roll-Sport: Sibbi Hafner von Itchy.
Armin BuhlUnd als das Publikum zum neuen Song „Oh Boy“ die Feuerzeuge und Handys für den 2022 verstorbenen Band-Freund Tobias „Bobbes“ Schmid zum Himmel leuchten lässt, schenken Itchy dem OWF 2026 auch noch den emotionalsten Moment. Klar, es geht um Musik, um Spaß, aber vor allem um Freundschaft.


