Nick Cave und „Wild God“: Auf der Reise ins Licht

Das neue Album von Nick Cave und The Bad Seeds: "Wild God"
Ian Allen/Megan Cullen/PIAS/dpaMusikalisch strotze das neue Album „Wild God“ vor Leben und Kraft und sei von einer Art Verzückung durchdrungen, sagt Nick Cave, der mit der musikalischen Verarbeitung des tragischen Todes seines Sohnes Arthur zum Hohen Priester des Pop-Pathos wurde und auf Alben wie dem 2019 veröffentlichten „Ghosteen“ alle Geister anflehte. Und nun also nach „Idiot Prayer“ — Cave allein am Flügel im Londoner Alexandra Palace. ebenso intensiv wie emotional — das mittlerweile 18. Album „Wild God“ (Pias) der The Bad Seeds. Und ein Nick Cave, der trotz seiner schmerzhaften Verluste wieder das Licht des Lebens und vor allem die Freude gefunden hat.
„Joy“ lässt die Götterfunken dieser Wiederauferstehung blitzen, aufgetürmt mit der Vokalkraft eines Chors. Dieser treibt das in „Conversion“ in Richtung eines ekstatischen Gospelsongs auf die Spitze. Ja, der 66-Jährige und seine vor 40 Jahren gegründeten The Bad Seeds haben viele Wandlungen durchlebt, doch gerade auf „Wild God“ kann man hören, dass nicht nur die Stimmungslagen des Sängers und Songwriters, sondern auch jedes einzelnen Bandmitglieds und Gastes die Farbe verändern können.
Da ist zum Beispiel Colin Greenwood, der Bassist von Radiohead, der einigen der Songs „eine melodiöse Energie“ verlieh, die Martyn Casey, der eigentliche Bassmann, trotz seiner individuellen Stärken nicht hätte beisteuern können. Und Drummer Thomas Wydler, gesundheitsbedingt zuletzt live nicht mehr am Schlagzeug, spielte im Studio laut Cave bisweilen, „als ob er von der Leine gelassen worden wäre“. Natürlich ist auch dieses Album kein schlichtes Rock ’n’ Roll-Album der Versöhnung mit dem Leben, doch die ergreifende Dramaturgie der Songs und die Lust an satten, üppig orchestrierten Arrangements wie im Opener „Songs of the Lake“ und vor allem die Texte machen "Wild God" zum Durchhör-Album ohne Hänger.
Etliche der zehn Songs der The Bad Seeds würden „einfach ein verdammt breites Lächeln auf mein Gesicht zaubern“, freut sich Cave, und am Ende der Produktionsphase habe er diese „pure viszerale Emotion“ gespürt. Wie Nick Cave und die Band die neuen Songs live zelebrieren werden, darf man unter anderem auch live in der Münchner Olympiahalle am 18. Oktober 2024 erleben.