Neues Buch „Reisen“: Felicitas Hoppe, die Reisende, die niemals Urlaub macht

Felicitas Hoppe hat das Buch "Reisen" veröffentlicht.
Jens Kalaene/dpa, Hanser Berlin- Felicitas Hoppe veröffentlicht den Essay „Reisen“ in der Reihe „Das Leben lesen“.
- Sie beschreibt sich als ständig unterwegs, aber seit dreißig Jahren nicht im Urlaub.
- Ihre Karriere knüpft an eine Containerschiffreise an, die sie 1997 als Gast unternahm.
- Hoppe zweifelt am Reiseboom und kritisiert Kreuzfahrten sowie Social-Media-getriebene Ziele.
- Das Buch greift Themen wie Flüsse, Ozeane und Gipfelstürmer auf – stets mit Grundsatzfragen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Man muss sich Felicitas Hoppe als Dauerreisende vorstellen, allzu sehr beneiden sollte man sie darum aber nicht. Denn eigentlich sei sie „schüchtern und träge“, und wenn sie gefragt werde, ob sie dienstlich oder privat reise, nennt sie gewöhnlich erstere Möglichkeit. „Denn Fakt ist, dass ich zwar permanent unterwegs bin, aber seit dreißig Jahren nicht mehr auf Urlaub war“, schreibt sie in ihrem klugen und unterhaltsamen Essay „Reisen“. Der ist nun in der Reihe „Das Leben lesen“ von Hanser Berlin erschienen, für die auch Elke Heidenreich über das „Altern“ oder Doris Dörrie über das „Wohnen“ Bücher verfassten.
Natürlich ist die 1960 geborene Hoppe die perfekte Wahl für das Thema, denn sie reist nicht nur, wie andere Autorinnen, für Vorträge oder Lesungen durch die Lande, sondern hat gewissermaßen ihre Karriere auf dem Reisen aufgebaut: Ihr Debütroman „Pigafetta“ (1999) erzählte von der Weltreise einer Frau an Bord eines Containerschiffs.
Als zahlender Gast auf der „Lavagna“
Hoppe hat selbst eine solche Fahrt unternommen, 1997 als zahlender Gast auf dem „Contship Lavagna“, im Buch berichtet sie noch einmal davon, mit schöner Selbstironie: „Ich wollte (…) auf dem Meer unterwegs sein und dabei, eitel genug, in die Fußstapfen der großen Entdecker und Eroberer treten, die Jahrhunderte vor mir die Welt bereist hatten.“ Allerdings mit weit geringerem Komfort an Bord.
Die Büchner-Preisträgerin zweifelt heute selbst daran, dass solche Trips mit Block in der Hand (oder sogar öffentlich finanziert) tatsächlich „Reisen“ sind. Sie wundert sich aber auch, wie die moderne Urlaubsgesellschaft ihr Erholungsbedürfnis auf dem Rücken anderer Arbeitnehmender auslebt und/oder digital verwalten und zum Wettkampf um die besten Plätze pervertieren lässt.
Bei aller Begeisterung für das Bereisen ferner Länder, das zwischen den Bonmots durchblitzt, bleibt ein Fremdheitsgefühl über die Menschen, die sich von sozialen Medien an Orte locken lassen, wo alle andere schon längst sind, oder auf Kreuzfahrten gehen, „deren Anbieter bis heute vor allem damit beschäftigt sind, ihre Gäste vergessen zu lassen, dass sie tatsächlich auf See sind“.
Hoppe fliegt in dem Buch nur so durch die Themen, erreicht in den Kapiteln „Flüsse“ und „Ozeane“, trifft „Gipfelstürmer“ und steigt auf „Fliegende Teppiche“. Dabei stößt sie auf grundlegende Fragen. Reisen bildet? „Der einzige weiße Fleck, nach dem wir bis heute suchen, sind ja wir selbst. Und auf der Suche nach sich selbst bleibt man lieber zu Hause.“ Wäre irgendwie doch schade. Es sind Ferien!

