Neues Album vom Superstar
: Taylor Swift und der große Herzschmerz

Ein Doppelalbum als das Pop-Ereignis des Jahres: Taylor Swift hat „The Tortured Poets Department“ veröffentlicht. Es steckt voller Anspielungen auf ihre Liebesbeziehungen: „Tränen in Form von Tinte“, nennt das die Sängerin.
Von
Lisa Forster, dpa
Ulm
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Taylor Swift, aktuell der größte Popstar der Welt.

Danish Ravi/Zuma Press/dpa

Liebeskummer ist das große Thema des neuen Albums von Taylor Swift, das der Superstar am Freitag veröffentlicht hat. Auf der Höhe ihres Erfolgs hat die 34-Jährige ihr vielleicht persönlichstes Album geschaffen. „The Tortured Poets Department“ widmet sich mit teils ruhigem, keyboardlastigen Retro-Pop, teils mit Indie-Folk verschiedenen Phasen einer Trennung und enthält zahlreiche Bezüge zu Swifts Leben und ihren Ex-Partnern.

Zwei Stunden, nachdem die erste Version des neuen Albums mit 16 Liedern auf dem Markt war, brachte die Musikerin eine weitere Version mit dem Zusatz „The Anthology“ heraus – mit insgesamt 31 Titeln. „The Tortured Poets Department“ sei ein Doppelalbum, schrieb Swift. Auf Instagram ergänzte sie: „Diese Autorin ist der festen Überzeugung, dass unsere Tränen in Form von Tinte auf einem Blatt heilig werden. Wenn wir unsere traurigste Geschichte ausgesprochen haben, können wir uns von ihr befreien. Und dann bleibt nur noch die gequälte Poesie zurück.“

Fans hatten schon vor der Veröffentlichung gemutmaßt, dass sich Swift in den Texten auf ihren Ex-Partner Joe Alwyn beziehen könnte, mit dem sie bis 2023 einige Jahre zusammen war. Am Freitag brachten einige Beobachter auch den britischen Musiker Matty Healy ins Spiel, mit dem Swift 2023 eine kurze Verbindung pflegte.

Im titelgebenden Track singt die Erzählerin von einem Ex-Lover, mit dem sie eine kurze intensive Phase durchlebt hat. Sie beschreibt ihn als „tätowierten Golden Retriever“, der raucht – mutmaßlich ist damit Healy gemeint. Im Song „But Daddy I Love Him“ heißt es: „Ich würde lieber mein ganzes Leben niederbrennen, als noch eine Sekunde diesem Gezicke und Gejammer zuzuhören / Ich erzähle dir etwas über meinen guten Namen / Ich allein darf ihn beschmutzen.“ Healys provokantes Auftreten und seine Drogensucht hatten Swifts Image kurzzeitig angekratzt.

Und noch ein Ex

Das Album ist gespickt mit metaphernreichen Wortspielen. Der Song „So Long, London“ dürfte eine Anspielung auf den Briten Alwyn sein. 2019 brachte Swift das Lied „London Boy“ heraus, in dem Swift über ihre Liebe zu einem Briten sang. Damals war sie mit dem Schauspieler noch liiert. „Und du sagst, ich hätte das Schiff verlassen, aber ich bin mit ihm untergegangen“, singt sie nun.

Seit mehr als einem Jahr ist Swift auf der erfolgreichsten Tour der Musikgeschichte unterwegs, sie ist seither vom Superstar zum größten Popstar der Welt geworden. Die 34-Jährige hat inzwischen ein solches Level von Berühmtheit erreicht, dass jeder Schritt, den sie öffentlich tut, eine große Nachricht ist. Auch darauf nimmt sie im neuen Album Bezug. In „Clara Bow“ singt sie sinngemäß: „Wenn dein mädchenhafter Glanz gerade besonders flackert / Lassen sie dich wissen / Es ist die Hölle auf Erden, himmlisch zu sein“.

Während der erste Teil des Albums von keyboardlastigem Retro-Softpop und der seit Jahren erfolgreichen Kooperation mit dem Popmusiker Jack Antonoff geprägt ist, hat der zweite Teil stärkere Folk-Anleihen. Dafür hat Swift wie auf den Corona-Alben „Folklore“ und „Evermore“ wieder mit Aaron Dessner von der Indie-Band The National zusammengearbeitet. Der Ton wird zwischenzeitlich optimistischer, die Erzählerin hat eine neue Liebe gefunden. Anspielungen wie „Du kannst mit Bällen umgehen, ich mit Aristoteles“ lassen an ihren aktuellen Partner denken: Travis Kelce ist Footballstar.

Der letzte Song des Albums, „The Manuscript“, liest sich wie der Entwurf zu einer Autobiografie von Swifts Leben. Und so ist „The Tortured Poets Department“ am Ende wohl zu verstehen: weniger als musikalischer Wurf, sondern als Grundstein für die Karriere einer großen Erzählerin.

Gegen Ende ihres neuen Albums spielt Swift auf Begegnungen aus ihrer Vergangenheit an. Es geht um eine mysteriöse „Aimee“, die die Erzählerin früher gemobbt habe. In „Cassandra“ scheint Swift eine alte Fehde mit Kanye West aus dem Jahr 2016 anzusprechen – ohne Namen zu nennen. Es geht um beleidigende Behauptungen über die Musikerin.