Neuer Comic-Band: Gibt's hier keine Wildsão? So ist „Asterix in Lusitanien“

Überall Kacheln und Kabeljão: Das Olisipo in „Asterix in Lusitanien“ ähnelt dem Lissabon von heute.
ASTERIX® OBELIX® IDEFIX® / © 2025 HACHETTE LIVRE / GOSCINNY – UDERZO- Neuer Asterix-Band „Asterix in Lusitanien“ spielt im heutigen Portugal mit typischen Klischees.
- Die Gallier helfen dem Lusitaner Schnurres, seinen Freund Schãoprozes aus einem römischen Kerker zu befreien.
- Kulinarische Bezüge wie Bacalhau und Pastéis de nata prägen die Handlung – Obelix vermisst Wildschwein.
- Klischees über Portugals „Saudade“ und Fado sorgen für humorvolle Anspielungen auf die Gegenwart.
- Zeichner Didier Conrad und Texter Fabcaro setzen das Erbe der Asterix-Schöpfer erfolgreich fort.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Portugal von heute würde sich Obelix vermutlich wohler fühlen. Leitão, also Spanferkelbraten, ist ein beliebtes Gericht in dem Land am Atlantik, meistens verkauft in speziellen Imbissen. Die übliche Portionsgröße dürfte den hungrigen Hinkelsteinlieferanten zwar nicht zufriedenstellen, aber die Portugiesen sind bekanntermaßen gastfreundliche Menschen. Sie sollten es auch sein, derzeit strömen jährlich rund 30 Millionen ausländische Touristinnen und Touristen in den 10,4-Millionen-Einwohner-Staat. Darunter viele „Foodies“.
Im Jahr 50 vor Christus war es im damaligen Lusitanien mit der kulinarischen Vielfalt offenbar nicht so weit her, wenn man „Asterix in Lusitanien“, dem am 23. Oktober 2025 veröffentlichten, sehr unterhaltsamen 41. Band der französischen Comic-Serie, glaubt. Hart für Obelix, der durch den heimischen Fischhändler Verleihnix aber auch traumatisiert ist: ständig nur Bacalhau, also eingesalzener Kabeljau. Oder Kabeljão, wie die Lusitaner den Fisch selbst nennen in dem Comic. So wie sie in der deutschen Übersetzung auch „Lagerhãos“ und „Tãosend Dank“ sagen, wenn sie nicht gerade ihrer „Emoçion“ freien Lauf lassen.
„Asterix in Lusitanien“ ist der siebte Asterix-Band des Zeichners Didier Conrad und der zweite im Duo mit dem Texter Fabcaro. Und wie schon im Vorgänger „Die weiße Iris“ führen die beiden das Erbe der Ur-Gallier René Goscinny (1926–1977) und Albert Uderzo (1927–2020) mustergültig fort, wenn auch inhaltlich nicht übermäßig originell: Die Story hat man so oder so ähnlich schon in früheren Heften erlebt. Aber das ist für Fans nicht unbedingt eine schlechte Nachricht.
Asterix, Obelix und Idefix müssen wieder einmal einem Unschuldigen vor den bösen Römern retten. Der Lusitaner Schnurres kommt mit dem phönizischen Händler Epidemais ins gallische Dorf, um die Bewohner um Hilfe zu bitten: Sein bester Freund Schãoprozes sitzt im Olisipo (Lissabon) im Kerker und soll den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. Der Garum-Hersteller, dessen Fischsoße Cäsars bevorzugte Marke ist, soll versucht haben, dem römischen Diktator mit seinem Würzsud zu vergiften. Was natürlich eine „Desinformaçion“ ist. Klar, dass die Freunde dem Lusitaner, der das Opfer einer vom Präfekten Fetterbonus abgezettelten Intrige geworden ist, in dessen Heimat folgen und Schãoprozes raushauen. Wortwörtlich und im übertragenen Sinn.
Alle verkaufen Kacheln und Kabeljau
Die Rahmenhandlung ist egal, der Witz liegt vor allem in den Bezügen zur Gegenwart, die in der fabelhaften Übersetzung von Klaus Jöken auch auf Deutsch bestens funktionieren. Wie die Gallier in „Der Arvernerschild“ in Gergovia allesamt Wein und Kohlen verkauften, besteht das Sortiment in Olisipo nur aus Kacheln und Kabeljau, was ziemlich nah an der Lissabonner Unterstadt von heute ist. Obelix ist zwar mit dem kulinarischen Angebot eher unzufrieden („Gibt's hier keine Wildsão?“), aber der Vinho Verde mundet selbst ihm. Ebenso die süßen „Pastéis de nata“, die aber auch als Wurfgeschosse gegen Römer taugen.
Das Spiel mit Klischees, das schon frühere Asterix-Reisehefte auszeichnete (man denke nur an die putzwütigen Helvetier) beherrschen Fabcaro und Didier Conrad: Ihre Lusitaner sind freundliche Menschen mit Hang zu Schwermut und Defätismus („Irgendwann kehrt er nicht wieder, so ist das Leben, daran ändert man nichts“), die ihre „Saudade“ gerne mit tieftraurigen Liedern ausdrücken. Der Fado von heute hat offenbar jahrtausendealte Wurzeln. Und über den Spruch „Der ist blau wie eine Kachel“ können nicht nur erfahrene Portugal-Touristen lachen. Apropos: Ein reifes Wohnwagen-Urlauber-Paar mit Hang zum Wutbürgertum, das die Helden an der „Essão“-Heustelle treffen, hat tolle Auftritte in dem Heft. Und Cäsar ist persönlich anwesend.
Prügeln, wo andere Urlaub machen: Die Reise-Comics mit Asterix und Obelix gehören nicht umsonst zu den bei Fans beliebtesten Heften. In Conrads Zeichnungen steckt einiges an Portugal-Kolorit, wenn auch ausgerechnet die „Azulejos“, also die berühmten blauen Kacheln, leider kaum eine Rolle spielen. Dafür bekommt man Lust auf die portugiesische Küche. Die übrigens, das dürfte dem Wildsão-Fan Obelix gefallen, für Vegetarier eher kein Reisegrund ist.
Gallier auf Reisen
Mehr als 15 Länder haben die gallischen Helden in 66 Jahren Asterix-Geschichte bereist: Sie ließen sich unter anderem Frittiertes in Belgien und Wildschwein in Pfefferminzsoße in Britannien vorsetzen, kämpften in einer spanischen Stierkampf-Arena und gerieten im Nahen Osten zwischen die Fronten verfeindeter Völker. Warum die Wahl auf Lusitanien/Portugal fiel, erklärt Szenarist Fabcaro: Er habe Lust auf ein Album mit viel Licht und Sonne gehabt, das nicht zu weit entfernt ist und an Urlaub erinnert. „Lusitanien war also naheliegend. Ich war ein paar Mal im Urlaub dort und fand es toll. Die Portugiesen sind sehr herzlich.“

Fabcaro und Didier Conrad: Asterix in Lusitanien. Egmont Comic Collection, 48 Seiten, 7.99/13.50 Euro.
Egmont Ehapa

