Museum Frieder Burda: Entfaltung in Farbe und Licht – Simon Hantaï in Baden-Baden

Eine „Tabula“ von Simon Hantaï aus dem Jahr 1980 in Baden-Baden. Das Werk stammt aus einer britischen Privatsammlung.
Courtesy Timothy Taylor © Archives Simon Hantaï / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Museum Frieder Burda/Jigal Fichtner- Museum Frieder Burda zeigt „Entfaltung der Farbe“ mit Simon Hantaï – erste große Schau seit 25 Jahren.
- Rund 40 Werke aus vier Jahrzehnten, Leihgaben u. a. von Fondation Louis Vuitton und Musée d’Art Moderne.
- Lichtdurchflutete Hängung stellt Besucher in die Werke; Unterstützung durch Archives Simon Hantaï.
- Fokus auf „Pliage“: gefaltete Leinwände, Serien von „Mariales“ bis zu wandfüllenden „Tabulas“.
- Ausstellung läuft bis 10. Januar 2027, Di bis So 10–18 Uhr; Katalog im Museum günstiger als im Buchhandel.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist die erste große Präsentation seines Werks in Deutschland seit 25 Jahren: Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden präsentiert seit diesem Wochenende die Ausstellung „Entfaltung der Farbe“ mit Werken des einflussreichen Künstlers Simon Hantaï (1922-2008). „Diese Ausstellung wird schöner als alles, was wir in Paris gesehen haben“, sagten die Söhne des Künstlers, Jérôme und Daniel, zu Kurator Daniel Zamani. Dies hänge mit der lichtdurchfluteten Architektur zusammen, erläutert Zamani bei der Vorbesichtigung der Schau: Von allen Seiten strahlten die Farben der monumentalen Werke auf die Gäste ein und tauchen sie in ein spirituelles Licht.
Die Schau umfasst rund 40 Werke aus vier Jahrzehnten seines Schaffens. Zu den Leihgebern zählen renommierte Institutionen wie die Fondation Louis Vuitton und das Musée d’Art Moderne de Paris. Unterstützt wird die Ausstellung von den Archives Simon Hantaï in Paris.
Geist sakraler Kunst
Durch die installative Hängung stehen die Betrachtenden mitten im Kunstwerk und werden Teil von ihm. Eine solche Präsentation hätte der Künstler wohl als ideal empfunden. Laut Katalog begeisterte er sich 1968 für die „Chapelle Matisse“ in Vence - einen in farbiges Licht getauchten Raum, den er als Gesamtkunstwerk begriff. Eigene Ausstellungen gestaltete er folglich so, dass sie an den Besuch einer Kathedrale erinnerten, wie etwa 1981 im CAPC in Bordeaux.
Seine Malerei wurde aus dem Geist sakraler Kunst geboren. Eine Reise führte ihn 1948 nach Florenz, Ravenna und Rom, wo er sich für die Darstellungen der Schutzmantelmadonna begeisterte. „Der Schutzmantel wurde von den Künstlern der Renaissance mit kostbarsten Pigmenten gestaltet“, erklärt Zamani die Bedeutung dieses Bildelements. Zudem wuchs der Künstler in einem katholisch geprägten Elternhaus auf.
Gefaltete Hände, gefaltete Bilder
Seine Besonderheit besteht darin, die spirituelle Essenz des Sakralen zu filtern und in die moderne Kunst zu übersetzen. So wie Gläubige den Rosenkranz beten, faltete Hantaï seine Bilder – eine Methode, der er seine Bekanntheit verdankte: Er knitterte die Leinwand, bemalte nur die offen liegenden Stellen und entfaltete sie anschließend wieder.
Diese als „Pliage“ bekannten Arbeiten bilden den Kern der Schau. In sieben Kapiteln zeigt sie die Vielfalt dieser Technik: Neben den „Mariales“ genannten Schutzmantel-Bildern sind Werke mit wurstartigen Formen zu sehen. Im Zwischengeschoss verbinden sich organische Formen zu einer an Matisse erinnernden Girlande, während wandfüllende „Tabulas“ mit unzähligen kleinen Rechtecken den krönenden Abschluss bilden. Letztere haben einen biografischen Bezug: Als Kind musste der Künstler die Schürze seiner Mutter falten und bügeln, sodass sie nach dem Entfalten von einem Raster aus Rechtecken geprägt war.
Beeindruckt vom „Action Painting“
Der Künstler war der Sohn schwäbischer Eltern, die nach Ungarn ausgewandert waren – „wahrscheinlich, um dem Antisemitismus zu entfliehen, da Hantaï vermutete, dass seine Eltern Juden waren“, erklärt Zamani. So wurde der Nachname Handl ins ungarische Hantaï übertragen. 1948 emigrierte der Künstler nach Paris, wo er sich zunächst im Umfeld der surrealistischen Avantgarde bewegte.
Ab 1960 wandte er sich – beeindruckt vom US-amerikanischen Action Painting – seinen „Pliages“ zu. 1980 erhielt Hantaï den renommierten Grand Prix National des Arts Plastiques. Zwei Jahre später bespielte er mit 18 Arbeiten als Einzelkünstler den französischen Pavillon auf der Biennale von Venedig. Große Ausstellungen im Centre Pompidou (2013) und in der Fondation Louis Vuitton (2022) würdigten schließlich seinen herausragenden Beitrag zur Kunst der Moderne.

Simon Hantaï in seinem Atelier in Meun, 1976.
Édouard Boubat/VG Bild-Kunst, Bonn 2026Bis 10. Januar 2027
„Entfaltung der Farbe“ ist bis 10. Januar 2027 im Museum Frieder Burda in Baden-Baden zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung jeweils Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, außer an Heiligabend und Silvester. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (Hirmer Verlag, 180 Seiten). Er kostet im Museumsshop 39 Euro, im Buchhandel 50 Euro. In der Kunsthalle nebenan läuft, ebenfalls bis 10. Januar, die große Landes-Sonderausstellung „Bloom up! Die Sprache der Blumen“.
