Museum Brot und Kunst
: Was der Mensch von der Biene lernen kann – Ausstellung in Ulm

In „Honig für Kunst und Gesellschaft“ stellt das Museum Brot und Kunst das Insekt als vielseitige Materiallieferantin und Inspirationsquelle vor.
Von
Marcus Golling
Ulm
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Museum Brot und Kunst: Pressegespräch zur Ausstellung "Honig für Kunst und Gesellschaft – Wie Bienen uns inspirieren"

Eine Ausstellung in Honiggelb: Direktorin Isabel Greschat an der Installation „Golden Treasures“ von Stephanie Lüning. Im Hintergrund zu sehen sind Arbeiten von Maximilian Prüfer (links) und Jeanette Zippel.

Matthias Kessler
  • Ulmer Museum Brot und Kunst zeigt „Honig für Kunst und Gesellschaft“ mit Fokus auf Bienen.
  • Fotografien und Multiples zu Joseph Beuys bilden den Kern – ohne laufende Honigpumpe.
  • Zeitgenössische Installationen: Wachs- und Honigarbeiten von Lüning, Rothhaar, Zippel und anderen.
  • Themen reichen von Sinneserlebnis bis Artenschutz, u. a. Prüfers „Fruits of Labour“ aus Sichuan.
  • Eröffnung am Mittwoch, 29. April 2026, 19 Uhr; Laufzeit bis 20. September 2026, Rahmenprogramm geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die berühmteste künstlerische Beitrag zum Thema Honig ist nicht im Museum Brot und Kunst zu sehen, hören und riechen. 1977 realisierte Joseph Beuys auf der Documenta 6 in Kassel seine Installation „Honigpumpe am Arbeitsplatz“, die 100 Tage lang 150 Kilogramm des klebrigen Saftes durch das Fridericianum pumpte, während der Künstler selbst mit dem Publikum diskutierte. „Die menschliche Fähigkeit ist nicht, Honig abzugeben, sondern zu denken, Ideen abzugeben. Das wird jetzt parallel gesetzt“, erklärte er seine Intention.

Für Beuys stand Honig für Energie – und das Verhalten der Biene für die Möglichkeit, etwas gemeinsam zu erreichen. Und er war und ist bei weitem nicht der einzige Künstler, der von dem nützlichen Insekt lernen wollte. Einige wichtige Positionen hat nun das Museum Brot und Kunst in Ulm zusammengetragen: „Honig für Kunst und Gesellschaft. Wie Bienen uns inspirieren“ heißt die Ausstellung, die dem Publikum Inspirierendes, Faszinierendes und bisweilen auch Irritierendes bietet.

Joseph Beuys ist auch ohne Pumpe präsent

Für Letzteres ist natürlich Beuys mitverantwortlich, der sich bei anderer Gelegenheit („Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“, 1965) auch schon Blattgold mit Honig ins Gesicht geklebt hatte. Denn auch wenn im Salzstadel keine Pumpe läuft, sind die Documenta-Installation und weitere seiner Aktionen trotzdem präsent: in Form von Fotografien und Multiples aus der Sammlung des Kölner Mediziners Hartmut Kraft. Diese bilden laut Museumsdirektorin Isabel Greschat den „Nukleus“ der Ausstellung, weitere Arbeiten rund um die Biene eingeschlossen. Die Kuratorin hat diesen Kern um zeitgenössische Exponate ergänzt, vor allem installative.

Diese beziehen sich teils sogar auf Beuys: Gereon Krebbers Keramikobjekt „Tnösis (orange)“ sieht aus wie ein aufgerollter Honigschlauch, kann aber auch als Bienenstock verwendet werden. Und im Video von Matthias Danbergs „Bees“ laufen die Leitungen nicht durch das Fridericianum, sondern durch menschenleere Zukunftsarchitektur, die in etwa so einladend ist wie ein Borg-Raumschiff bei „Star Trek“. Diese Spezies ist kollektiv organisiert wie ein Bienenvolk, allerdings weit weniger sympathisch.

Von der Schwärmerei für die Honigbiene und ihre Verwandten lässt man sich hingegen in der ziemlich honiggelben Schau gerne anstecken. Bärbel Rothhaar stellt Wachsobjekte in Bienenkörbe, die dann von den Arbeiterinnen mit Waben erweitert werden – faszinierend, wie menschliches und tierisches Schaffen hier ineinandergreifen. Ein sinnliche Komponente bringt die Installation „Wachsfacetten“ in den Raum. Jeanette Zippel, die derzeit auch im Kunstmuseum Oberfahlheim ausstellt, hat dafür rund 2000 Honiggläser am Rand mit Bienenwachs überzogen: Der Duft verbreitet sich auf der gesamten Ausstellungsfläche.

Flüssiger Honig und heißes Wachs

Verblüffend, was für vielseitiges Arbeitsmaterial die Bienen der Kunst liefern: Blake Little hat für seine Serie „Preservation“ seine Modelle mit Honig übergossen (was gar nicht süß aussieht), Stephanie Lüning schüttete für ihre amorphen „Golden Treasures“ heißes Wachs in fließendes Wasser. Andere Künstlerinnen und Künstler ließen sich von den Formen des Bienenreichs inspirieren, etwa Hede Bühl für ihre „Wabenköpfe“: Einer davon streckt die Besuchern am Eingang Einstein-like die Zunge entgegen. Alexandra Daisy Ginsberg versucht in ihren knallbunten Fotos die Welt durch die (Facetten)augen von Bestäuberinsekten zu sehen.

Übergossen mit Honig: zwei Arbeiten aus der Serie "Preservation" von Blake Little.

Übergossen mit Honig: zwei Arbeiten aus der Serie „Preservation" von Blake Little.

Blake Little

Es lohnt sich, in dieser Ausstellung auszuschwärmen. Denn die Biene ist in ihr nicht nur Materiallieferant und Metapher, es geht auch um den Fortbestand dieser in seinen Wildformen bedrohten Insektenfamilie. Es wäre viel erreicht, wenn die Menschheit von der Biene lernen würde, dass Kooperation mehr Erfolg verspricht als Eigensinn und Rücksichtslosigkeit. Auch deren Folgen kann man in der Ausstellung sehen, auf Maximilian Prüfers Fotodruck: Der Künstler reiste für sein Projekt „Fruits of Labour“ in die chinesische Provinz Sichuan, wo die Menschen selbst die Obstbäume bestäuben müssen. Sieht originell aus, aber: Die Biene kann es besser.

Bis 20. September 2026

„Honig für die Gesellschaft“ wird am Mittwoch, 29. April 2026, 19 Uhr, im Museum Brot und Kunst eröffnet. Bei der Vernissage sprechen Direktorin Isabel Greschat und Sammler Hartmut Kraft, für die musikalische Umrahmung sorgen Markus Munzer-Dorn (Gitarre) und Jochen Anger (Klarinette). Die Ausstellung läuft danach bis 20. September 2026.

Das Rahmenprogramm umfasst Führungen im Botanischen Garten zu Bienen-Themen, Filmabende im Mephisto-Kino, Workshops und mehr. Daneben stehen im Salzstadel weitere Veranstaltungen an, unter anderem eine Matinee zum 100. Geburtstag des Museumsmitgründers Hermann Eiselen (10. Mai) und das neue Kennenlern-Format „Game Night“ (20. Mai). Mehr dazu auf museumbrotundkunst.de.