„Mitz“ von Sigrid Nuñez: Dieses Äffchen schrieb Literaturgeschichte

Sigrid Nuñez: Mitz, das Pinseläffchen. Übersetzt von Annette Grube. Aufbau, 141 Seiten, 20 Euro.
Aufbau Verlag- Sigrid Nuñez‘ Roman „Mitz“ erzählt von der Beziehung der Woolfs zu einem winzigen Affen.
- Mitz, das Pinseläffchen, lebte vier Jahre bei Virginia und Leonard Woolf.
- Der Roman basiert auf Briefen und Tagebucheinträgen, enthält aber auch fiktive Elemente.
- Die Geschichte spielt kurz vor dem Zweiten Weltkrieg und thematisiert politische und persönliche Nöte.
- Mitz wurde aus Südamerika verschleppt und zeigt die Grausamkeit gegenüber Tieren.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit dem Erfolg ihres Romans „Der Freund“, dieser so klug imaginierten Geschichte einer New Yorker Literatur-Dozentin, die eine riesige Dänische Dogge und mit ihr jede Menge Probleme erbt, ist die US-Amerikanerin Sigrid Nuñez auch in Deutschland eine viel gelesene Autorin. Vor allem auch bei Tierfreundinnen und -freunden: In „Die Verletzlichen“ spielte ein Papagei eine wichtige Nebenrolle.
Der Aufbau Verlag gibt den Nuñez-Fans gerne mehr: Mit „Mitz, das Pinseläffchen“ liegt nun die Neuübersetzung eines im Original bereits 1998 erschienen Romans vor, der 2001 schon einmal auf Deutsch („Das Krallenäffchen“) veröffentlich worden war. Mitz ist nicht irgendein Affchen, sondern lebte bis zu ihremTod vier Jahre lang bei Virginia Woolf und ihrem Mann Leonard in London und auf dem Landsitz in Sussex: geliebt, gepflegt, manchmal auch gelitten.
Die Äffin ist eifersüchtig auf Virginia Woolf
Eine Äffin, sei sie auch nur westentaschengroß, ist eben eine kapriziöse Mitbewohnerin. Die auf Leonard Woolf fixierte Mitz ist dazu noch eifersüchtig auf die Hausherrin (mit der sie manches gemeinsam hat), freundet sich dafür schnell mit Hündin Pinka an. Nuñez erzählt entzückend vom Miteinander von Mensch und Tier, manchmal frei erfunden, meistens aber beruhend auf Briefen und Tagebucheinträgen des Künstlerehepaars.
„Man sah sie an und dachte: Wie grotesk. Um im nächsten Augenblick: Wie bezaubernd.“: Über das winzige Äffchen, das Leonard Woolf oft in seiner Weste mit sich herumträgt, bekommt man ungewöhnliche Einblicke in das Privatleben der beiden Schriftsteller und Verleger, man begegnet ihren illustren Freunden aus dem Bloomsbury-Kreis und lernt von ihren Nöten.
Die sind gesundheitlicher Natur, Virginia Woolf leidet an einer bipolaren Störung, fällt manchmal geradezu aus der Welt. Sie sind aber vor allem politisch: Das Buch spielt kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, die Lage in Hitlers Reich beunruhigt den Juden Leonard Woolf. Trotzdem fahren die Eheleute auf einer Reise durch Deutschland. Dort erspart ihnen ausgerechnet Mitz einmal sogar Ungemach: „Das liebe, kleine Ding!“, ruft der zuvor unfreundliche SA-Mann, als sie im Auto erblickt – und lässt die britischen Besucher passieren.
Mitz war eine angekettete Attraktion
Auch wer Tiere liebt, ist nicht unbedingt ein guter Mensch. Mitz ist auch eine Zeugin dafür, was Menschen mit anderen Kreaturen anstellen. Vor ihrer Rettung durch die Woolfs wurde sie aus Südamerika verschleppt, war die angekettete Attraktion eines Trödelladens. Hinter der wunderbar leichten Geschichte entfaltet sich eine dunkle Realität. Auch davon erzählt Sigrid Nuñez in diesem außergewöhnlichen Roman.

