Lost Place in Ulm
: Der Mensch geht, die Natur kommt – Kunstaktion an Pfingsten

Die Griesbadgalerie hat drei Künstler eingeladen, ein verlassenes Haus am Stadtrand zu erkunden. Was sie gefunden haben, wollen sie nun teilen.
Von
Marcus Golling
Ulm
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Ein leerstehendes Haus als Kunstort in Ulm: das Projekt "Green House" der Griesbadgalerie

Drei Künstler am „Green House“: (von links) Franziska Klose, Sean Roy Parker und Vojtech Liebl.

Matthias Kessler
  • Kunstaktion „Green House – die Stadt als Habitat“ zeigt ein verlassenes Haus in Ulm.
  • Am Pfingstwochenende, 23. und 24. Mai 2026, starten Radtouren ab der Griesbadgalerie.
  • Teilnehmende machen Fotos, schauen Mikroben an und probieren Brennnessel-Cracker.
  • Vier Stationen sind geplant, je zwei vormittags und nachmittags – ein zweiter Besuch lohnt.
  • Ort bleibt geheim: Die Adresse wird erst während der etwa 15-minütigen Tour bekannt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vojtech Liebl geht voraus, durch das Gestrüpp, von dem das Haus umwuchert ist. „Es ist ein Dschungel“, sagt der Künstler über das, was einmal ein Garten war. „Vorsicht, hier gibt es Zecken!“, wird einem noch hinterhergerufen. Nein, diesen Weg sollten Besucherinnen und Besucher nicht gehen, der ins Gebäude ist sowieso tabu. Viel zu gefährlich, schiefe Wände, morsche Böden, Sporen in der Luft: eine Szenerie wie in einem Videospiel, sogar ins Wohnzimmer ist die Botanik vorgedrungen. Aber das verlassene Haus steht nicht im postapokalyptischen Nirgendwo, sondern am Rande Ulms.

„Green House – die Stadt als Habitat“ heißt die Aktion, mit der die Ulmer Griesbadgalerie den Blick auf das lenken möchte, was passiert, wenn der Mensch einen Ort (warum auch immer) unbewohnt zurücklässt und die Natur übernimmt; im Subtext geht es auch um Wohnraum in der Stadt. Am Pfingstwochenende, 23. und 24. Mai 2026, jeweils um 11 und 14 Uhr, lädt der Projektraum am Seelengraben Interessierte dazu ein, gemeinsam an diesen „lost place“ zu radeln und sich ein eigenes Bild und eigene Gedanken zu machen. Diese sollen danach in ein künstlerisch gestaltetes Magazin zum Projekt einfließen.

In Ulm gibt es mehrere verlassene Wohnhäuser

Die Idee zu „Green House“ stammt von Ex-Griesbad-Kurator Martin Leibinger, der nach mehreren Jahren in den USA und Hannover im vergangenen Jahr nach Ulm zurückgekehrt ist. Er habe in seiner neuen Nachbarschaft am Kuhberg ein überwuchertes Haus gefunden, „das war die Inspiration“. Daraufhin habe er die jetzige Galerie-Co-Chefin Adela Knajzl ins Boot geholt. Das Haus bekam man nicht, aber es habe sich herausgestellt, dass es in Ulm einige solcher Objekte gibt. Bei einem klappte es dann.

Leibinger trommelte für „Green House“ drei Künstlerinnen und Künstler zusammen, die er von früheren Aktivitäten kannte. Neben dem Tschechen Liebl noch den Briten Sean Roy Parker und die Leipzigerin Franziska Klose. Alle drei machen sich in ihrer Arbeit Gedanken über das Zusammenleben von Menschen und anderen Lebewesen: Klose fotografiert Flora in urbanen Umgebungen, Parker sucht dort nach essbaren Pflanzen, Liebl lässt sich von Schleimpilzen beim grafischen Gestalten unterstützen.

In Ulm geht es ihnen vor allem um den Kontakt mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die können unter anderem selbst Fotos machen, Mikroben unter dem Mikroskop betrachten oder selbstgebackene Brennnessel-Cracker probieren. Es wird vier Stationen geben, jeweils zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag, so dass sich ein zweiter Besuch lohnt. Wo das Haus liegt, erfährt man erst auf der etwa viertelstündigen Radtour, die an der Griesbadgalerie startet: Dieser verwunschene Ort soll verwunschen bleiben.