Literatur hat Hochsaison: In Neu-Ulm startet „Nu:Lit“, in Ulm der Lyriksommer

Drei Schriftsteller, die nach Ulm und Neu-Ulm kommen: Ella Carina Werner, Patrick Holzapfel und Büchnerpreisträger Oswald Egger.
Julia Schwendner, Frau Herweg, Andreas Reeg- Neu-Ulm startet "Nu:Lit" vom 14.-22. Mai mit humorvoller Literatur, auch in weniger kulturellen Stadtteilen.
- Ulm beginnt Lyriksommer, startet am 15. Mai mit Büchnerpreisträger Oswald Egger und weiteren namhaften Autoren.
- Patrick Holzapfel führt durch Neu-Ulm auf Spazierlesung, Martina Hefter kehrt ins Einsteinhaus zurück.
- Workshops und Events bieten vielfältige kulturelle Erlebnisse.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Hinter einer Formulierung wie „Mal was Anderes“ steckt am Esstisch oft versteckte Kritik. In der Literatur ist das Ungewohnte aber ein Qualitätsmerkmal, schließlich sollen literarische Texte ihre Leserinnen und Leser dem Üblichen entreißen, ihnen andere Perspektiven aufzeigen, ihnen neue Einsichten ermöglichen. Wie wunderbar, wenn sie dabei auch noch Freude verbreiten. Und das sei in diesen Zeiten, wo überall nur Niedergang und Katastrophe zu lauern scheinen, umso wichtiger, findet Florian L. Arnold.
Deswegen ist „Nu:Lit“, das von ihm begründete und von der Stadt Neu-Ulm veranstaltete „Festival für ungewohnte Literatur“ auch ein Festival für humorvolle Literatur. Das gilt auch für die zweite Ausgabe, die vom 14. bis 22. Mai 2025 an besonderen Orten in Neu-Ulm über die Bühne geht. Und besonders heißt hier: außerhalb der Innenstadt, in den Stadtteilen, die sonst kulturell zumeist im Hintertreffen sind.
Fünf Veranstaltungen umfasst das Festival, zum Start geht es zu Blumen Weimar nach Finningen. Doch statt botanisch wird es zoologisch: Ella Carina Werner, bekannt auch als Mitherausgeberin des Satire-Magazins "Titanic", trägt feministische Tiergedichte vor (Mittwoch, 14. Mai, 19 Uhr). Dabei kommen Verse heraus wie: „Von der Wiege bis zur Bahre/ trägt die Löwin Achselhaare“. Negative Vibes aus der Hauptstadt bringt Björn Kuhligk mit, der ein ganzes Buch der „Berlin-Beschimpfung“ gewidmet hat, über das es sich aber auch (oder erst recht) in der Provinz gut lachen lässt, genauer gesagt: auf dem Verkehrsübungsplatz Ludwigsfeld (Freitag, 16. Mai, 19 Uhr).
Auf dem Weg durch die Wiener Bezirke und durchs Wiley
Patrick Holzapfels „Hermelin auf Bänken“ hat dem Autor viel Aufmerksamkeit beschert. Der in Augsburg geborene Wahl-Wiener schreibt in seinem Debütroman vom Flanieren durch die Bezirke und von den Bänken am Wegesrand. In Neu-Ulm kann man ihn auf eine Spazierlesung im Wiley-Sportpark begleiten (Sonntag, 18. Mai, 19 Uhr). Das deutsch-schweizerische Schauspielduo Elisabeth Hart und Rhaban Straumann alias „Hart auf Hart“ präsentiert in der Erlöserkirche Offenhausen ein „gelesenes Schauspiel“ nach Franz Hohler: „Das Zugsunglück“ (Dienstag, 20. Mai, 19 Uhr).
Zum Abschluss von „Nu:Lit“, wieder bei Blumen Weimar in Finningen, stellt der Schweizer Gion Mathias Cavelty seine Version der Heiligen Schrift vor: In „Die Bibel“ offenbart Cavelty, wie es damals wirklich war, inspiriert durch eine angebliche göttliche Eingebung (Donnerstag, 22. Mai, 19 Uhr).
„Nu:Lit“ ist so etwas wie der Neu-Ulmer Literaturfrühling. Gleichzeitig startet auf der anderen Donauseite schon der Ulmer Lyriksommer, der im Jahr der Brückenbaustellen unter dem Motto „Überbrücken – Über Brücken“ steht. Dieser soll, so heißt es von den Organisatoren, „Gedanken zum Glühen bringen und sich ins Gedächtnis des Publikums brennen“. Die meisten der Veranstaltungen finden im Sommer und Herbst statt, vorgeglüht wird aber schon früher: Der aktuelle Büchnerpreisträger Oswald Egger eröffnet die Reihe am Donnerstag, 15. Mai, 19.30 Uhr, in der Galerie der SÜDWEST PRESSE. Der Abend „Landschaft als Sprache“ wird moderiert von der Lyriksommer-Kuratorin Christine Langer und Udo Eberl.
Martina Hefter kehrt ins Einsteinhaus zurück
Die kommenden Monate bringen noch viel Namhaftes und Interessantes: So liest der Schauspieler Stephan Clemens (Theater Ulm), begleitet von Bernhard Sinz am Flügel, im Kunstverein Ulm aus Rainer Maria Rilkes „Mir zur Feier“ (5. Juni, 19.30 Uhr). Nach ihrer ausverkauften Lesung im Februar kehrt Buchpreisträgerin Martina Hefter ins Einsteinhaus zurück, präsentiert neben ihrem Bestseller-Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ diesmal aber auch Lyrik (4. Juli, 19.30 Uhr).
Nach „Lyrik & Tango“ (11. Juli) und „Lyrik & Klang“ (25. Juli) in der Neu-Ulmer Petruskirche geht es nach den Ferien unter anderem mit „Lyrik & Jazz“ mit Katrin Avison (Gesang) und Tizian Jost (Klavier) im Kunstverein weiter (25. September). Ebenfalls im Schuhhaussaal bringt ein literarisches Fest mit dem Titel „Wortakrobaten“ die deutschen Lyrik-Stars Nora Gomringer und Jan Wagner mit den Musikern Dieter Kraus (Saxofon) und Uwe Lange (Gitarre) zusammen (23. Oktober). Zur 4. Ulmer Lyriknacht im Einsteinhaus kommen Daniela Danz, Mirko Bonné und Levin Westermann (24. Oktober). Seinen Abschluss findet der Lyriksommer kurz vor dem Winterbeginn mit einem Brecht-Abend mit Julia Moßburger und Benedikt Ofner im Club Orange (21. November). Auch Bekanntes lässt sich neu entdecken.
Lyrik-Werkstatt im Einsteinhaus
Zum Programm des Ulmer Lyriksommers gehört auch ein Lyrikworkshop mit Mirko Bonné am 24. Oktober, 14 bis 17 Uhr, im Atelier des Einsteinhauses. In der Werkstatt sollen Bausteine, Möglichkeiten, Grenzen und Wurzeln des Gedichts ausgelotet werden. Je zwei eigene Gedichte sollen mitgebracht werden. Eine Anmeldung per E-Mail an projektleitung@ulmer-lyriksommer.de ist erforderlich.

