„Liebe! Ein Aufruf“ von Daniel Schreiber: Diese Liebe geht zuerst durch den Kopf

Daniel Schreiber: Liebe! Ein Aufruf. Hanser Berlin, 160 Seiten, 22 Euro.
Hanser Berlin- Daniel Schreiber thematisiert in „Liebe! Ein Aufruf“ die Liebe zur Welt und deren Bedeutung.
- Inspiriert von Hannah Arendt, Erich Fromm und weiteren Denkern sucht er nach Wegen zur Veränderung.
- Der Essay verbindet persönliche Erlebnisse mit Reflexionen über globale Konflikte.
- Schreiber fordert eine „Politik der Liebe“ und ruft zu Gemeinsinn und Verbundenheit auf.
- Konkrete Ansätze für die Praxis liefert das Buch jedoch nicht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Selbst beim Spaziergang im Sommerwald stellt sich bei Daniel Schreiber die Liebe nicht ein. Nicht die Liebe zu einem Menschen, mit der ist es ohnehin kompliziert, auch davon handelte sein Bestseller „Allein“. Der Schriftsteller meint die Liebe zur Welt. „Ich war vom Glauben an die Menschen abgefallen, an die Menschen in meinem Leben, an das Land, in dem ich lebte (…). Ich hatte die Gewissheit verloren, dass (…) Menschen überhaupt etwas anderes als Chaos, Gewalt, Krieg und Zerstörung produzieren könnten.“
Woher also diese selbstlose Liebe nehmen? Wer frühere Schreiber-Bücher kennt, zuletzt „Die Zeit der Verluste“ (2023), weiß: Für ihn geht der Weg über die Lektüre. Im Fall seines neuen, wieder lesenswerten Werks „Liebe! Ein Aufruf“ vor allem von Hannah Arendt (1906-1976), speziell ihrem „Denktagebuch“, und von Erich Fromm (1900-1980), der mit „Die Kunst des Liebens“ einen sozialwissenschaftlichen Klassiker zum Thema verfasst hat.
Das Globale wird persönlich
Wichtig für Schreibers Essay-Methode ist, dass er die Erkenntnisse aus seiner Lektüre mit persönlichen Erlebnissen verschränkt, dieses Mal mit einem von ihm geleiteten Schreib-Workshop auf dem Lande – in dessen Idyll sich freilich nicht die globalen Konflikte spiegeln. Dazu kommen Betrachtungen der entmutigenden Weltlage, denen der Autor durch das Präteritum seiner Ausführungen jedoch ihre empfundene Dauerhaftigkeit nimmt.
Die Umstände sind veränderbar. Doch dafür braucht es die Liebe als Antrieb. Schreiber findet bei Arendt und Fromm, aber beispielsweise auch im Neuen Testament, bei Eva Illouz und Thomas Mann Denkanstöße. Dabei verschränken sich Leben und Recherche Schreiber-typisch eng: „Während ich zu meinem Laufrhythmus fand, musste ich angesichts des satten Grüns, des Lebens des Waldes, wieder an Albert Schweitzers Konzept der Ehrfurcht vor dem Leben denken.“
Daniel Schreiber ist eben ein Kopfmensch, selbst bei einem Herzensthema. Doch am Ende von „Liebe!“ schlägt er den Weg zum Handeln ein. Das Schlusskapitel ist der angekündigte Aufruf, eine Rede an die Menschheit im Geiste Martin Luther Kings: „Ich möchte dazu aufrufen, leidenschaftlich für Gemeinsinn zu kämpfen, für Verbundenheit, und ja, immer wieder und unbedingt, für eine Politik der Liebe.“ Wie diese in der Praxis aussehen könnte, das bleibt Schreiber schuldig. Aber einer muss ja den Anstoß geben.

