Kunstprojekt in Ulm
: „Der öffentliche Raum ist aktiviert“, aber noch nicht für alle

Künstler aus Ulm und Belfast sammeln im „Büro für nicht-effiziente Entwicklung“ Ideen für urbane Plätze. Einen davon nutzten sie nun für eine Performance.
Von
Marcus Golling
Ulm
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Performance am Blaubeurer Tor: Was macht eigentlich das "Büro für nicht-effiziente Entwicklung"?

Performance an der B10: (von links) Paula McFetridge, Janina Schmid, Johanna Mangold, Clodagh Lavelle, Marty Coyle und Martin Leibinger.

Matthias Kessler
  • Künstler aus Ulm und Belfast testen Ideen für urbane Plätze im „Büro für nicht-effiziente Entwicklung“.
  • An der B10 führten sie eine Performance mit Geräuschen, Megafon und Alltagsobjekten auf.
  • Kaum Beachtung im Verkehr – zugleich Hinweis auf die Rückeroberung des öffentlichen Raums.
  • Die Gruppe arbeitet in der „Neuen 8“ am Ehinger Tor und sucht den Austausch mit Besucherinnen.
  • Bis 19. Juli geöffnet: Workshops, Kinderideen zu Stadt-Natur und weitere Aktionen in Ulm geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Fahrräder, Zapfen in einer Schachtel, Vogelpfeifen, eine Box mit Nägeln, ein Akkuschrauber, ein Trennschleifer. Eine seltsame Besetzung, die sich unter Bäumen an der B10 versammelt hat, am Rande des Ulmer Dichterviertels, wo sich zwei Fahrradwege kreuzen und eine Etage höher der Autoverkehr durchrauscht. Musiker Marty Coyle dirigiert mit einem Stock seine Künstlerkolleginnen und -kollegen. Es rasselt, rattert, pfeift, klingelt. Paula McFetridge und Janina Schmid plärren durch ein Megafon gegen den Verkehrslärm an: „Der öffentliche Raum ist aktiviert.“

Leider fast unbemerkt, denn alle Radler schießen eilig an der Kunstperformance vorbei, nicht einmal eine Polizeistreife hält an. Könnte man als Misserfolg sehen – oder als weiteren Beleg dafür, wie wichtig es ist, sich den öffentlichen Raum zurückzuholen von den Autos. Darum geht es ja auch bei den Bauarbeiten am Blaubeurer Tor mit Blick auf die Landesgartenschau 2030. Und genau damit beschäftigt sich das „Büro für nicht-effiziente Entwicklung“.

Bis 19. Juli in der „Neuen 8“

Coyle, der für seine Performance Geräusche in der Stadt sammelte, und seine Mitmusizierenden sind Teil des von Kurator Martin Leibinger initiierten Projekts. Noch bis 19. Juli 2026 arbeiten Künstlerinnen und Künstler aus Ulm und dem nordirischen Belfast in der „Neuen 8“ am Ehinger Tor an künstlerischen Ideen zu be- und entstehenden urbanen Freiräumen. Für sich, in internen Brainstormings, aber auch im Austausch mit Besucherinnen und Besuchern – oder Schulklassen.

In einem Workshop fragte Co-Kuratorin Giuliana Marmo bereits Kinder nach deren „Traum-Ort in der Stadt für die Zukunft“. Nur einige Vorschläge: eine Bibliothek im Grünen, ein Spielplatz für Hunde, ein Pool, in dem man mit Hasen schwimmen kann. Alle träumen von Natur in der Stadt.

Im „Büro für nicht-effiziente Entwicklung“ (geöffnet Do-Fr 19-23 Uhr, Sa 15-23, So 11-15 Uhr) kann man die Ideen der Kinder nachlesen und mit dem Team ins Gespräch kommen. Das geht aber auch hinaus in die Stadt: Der kleinen Performance an der B10 sollen weitere Aktionen folgen. Gibt noch viel Raum zu aktivieren in Ulm.