Kunstmuseum Stuttgart
: Rekord im Jubiläumsjahr – und bald monatelang geschlossen

Im „Kubus“ am Schlossplatz beginnt im April 2026 eine umfassende Sanierung. Bis dahin läuft die sehenswerte Ausstellung „Prägungen und Entfaltungen“.
Von
Marcus Golling
Stuttgart
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Ein Hauptwerk von Rolf Nesch: "Der heilige Sebastian" von 1941/42.

Ein Hauptwerk von Rolf Nesch: "Der heilige Sebastian" von 1941/42.

Frank Kleinbach
  • Kunstmuseum Stuttgart verzeichnet 2025 mit 805.000 Besuchern einen Rekord – unterstützt durch freien Eintritt.
  • Ab April 2026 bleibt das Museum für Sanierungsarbeiten bis voraussichtlich Anfang 2027 geschlossen.
  • Sicherheits- und Beleuchtungstechnik werden erneuert, Parkett und Entwässerung instandgesetzt.
  • Während der Schließung zeigt das Museum „Das kalte Herz“ im Kunstgebäude am Schlossplatz (April–Oktober 2026).
  • Aktuelle Ausstellung „Prägungen und Entfaltungen“ beleuchtet Migration in der Kunst, u. a. Werke von Rolf Nesch.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine Bestmarke im Jubiläumsjahr: 2025 haben rund 805.000 Menschen das Kunstmuseum Stuttgart besucht – so viele wie noch nie. Zum Rekord habe auch der freie Eintritt beigetragen, teilte das Museum mit. Dieses hatte im vergangenen Jahr „20 Jahre Kubus“ am Schlossplatz und dazu 100 Jahre Museumsgeschichte gefeiert. Herzstück des Doppeljubiläums war die Ausstellung „Doppelkäseplatte“, die sieben Monate neue Einblicke in die städtische Kunstsammlung gab.

Die Feierlichkeiten sind vorbei, doch von einer Rückkehr zum Normalbetrieb keine Spur: Nur noch bis 12. April 2026 hat das Kunstmuseum geöffnet, danach wird es für Sanierungsmaßnahmen voraussichtlich bis zum ersten Quartal 2027 geschlossen. In dieser Zeit wird unter anderem die Sicherheitstechnik erneuert, das Parkett repariert und die Beleuchtung auf LED umgestellt. Auch die Entwässerungsleitungen des Kleinen Schlossplatzes, die teilweise durch das Haus verlaufen, müssen instandgesetzt werden.

„Erhebliche Lärm- und Staubbelastungen“

Schon in der Vergangenheit konnte man in den Ausstellungsräumen Eimer für tropfendes Wasser erspähen: für die Kunst alles andere als perfekte Bedingungen. Dasselbe gilt für die Zeit der Renovierungsarbeiten: Diese würden „erhebliche Lärm- und Staubbelastungen verursachen, weshalb eine vollständige temporäre Schließung unumgänglich ist“, heißt es aus dem Kubus.

Nach der Schließung zieht das Kunstmuseum vorübergehend in das Kunstgebäude an der gegenüberliegenden Ecke des Schlossplatzes und zeigt dort vom 17. April bis 4. Oktober die Ausstellung „Das kalte Herz“. Diese stellt das bekannte Märchen des romantischen Dichters Wilhelm Hauff (1802-1827) in den Kontext zeitgenössischer Kunst.

Bis 12. April laufen die Ausstellungen im Kubus weiter. Auf den drei oberen Ebenen im Kubus sind aktuell „Prägungen und Entfaltungen“ von Rolf Nesch (1893-1975), Nadira Husain (*1980) und Ahmed Umar (*1988) zu sehen. Die drei Positionen zeigen, wie die Erfahrung von Migration und kultureller Reibung zur Ausbildung einer individuellen Kunstsprache führen kann. Husain, die aus einer französisch-baskisch-indischen Familie stammt, und der im Sudan aufgewachsene Umar verbinden Bilder und Praktiken aus verschiedenen Welten, sie mit Druck und Textilien, er in hochfragilen Objekten aus Glas und Holz. In seinem Geburtsland hätte sich der queere Künstler nicht entfalten können. Er kam 2008 als Flüchtling nach Norwegen.

90 Werke von Rolf Nesch in der Sammlung

Dort ist auch Rolf Nesch ein großer Name. Der in Oberesslingen geborene Künstler, der vor den Nazis nach Norden floh, ist in Deutschland nahezu vergessen – dabei hat das Kunstmuseum 90 Werke in seinem Bestand. Der Documenta-Teilnehmer experimentierte, lötete Metallstücke und Lochbleche auf Druckplatten, die dadurch auch zu eigenständigen Kunstwerken wurden. Sein Hauptwerk „Der heilige Sebastian“ (1941/42) überführt diese Idee ins Großformat: Das Materialbild mit Metall und Mosaiksteinen ist drei Meter breit.

Vielleicht bekommt es ja bald einen festen Platz im Kubus: Die Sanierungspause will das Museum für eine Erneuerung der Dauerausstellung nutzen.