Konzert in Ulm: Wunderbar wabernder Popnebel in der Kradhalle

Besuch aus den USA: Packaging live in der Kradhalle.
Marcus GollingDie sozialen Medien überfluten einen beim Durchscrollen mit Schleichwerbung, Hassrede und KI-Schrott. Aber hin und wieder bekommt man als Musikfan wieder eine Band in die Timeline gespült, die man sonst vielleicht nie kennengelernt hätte. Packaging wurden Ende 2025 von den Bescheidwissern in den USA entdeckt und dann mit der Welt geteilt. Immer noch ein Geheimtipp, aber eben ein globaler. Die Sorte Band also, die sonst einen Bogen um Städte wie Ulm macht.
Aber die Kradhalle hat Packaging an einem Off-Day ihrer Europa-Tour, auf dem Weg von San Sebastián und Berlin, für ein intimes Konzert engagiert. Gut 50 Zuhörerinnen und Zuhörer waren gekommen, ein Fan reiste offenbar sogar aus Dortmund an. Durchaus nachvollziehbar: Denn die Musik von Packaging, ein Projekt der beiden davor und parallel in anderen Bands aktiven Musiker Daniel Lyon (Vocals, Gitarre) aus Seattle und Connor Birch (Synthesizer) aus Denver, triggert den „Sweet Spot“ vieler Indie-Nerds.
Weiche Klangwolken, maschinelle Drums
Die Mischung: weiche Dreampop- und Shoegaze-Klangwolken, die sicher gut zu süßen Rauchwolken passen, Ambient-Psychedelik, maschinelle Krautrock-Beats der Neu!-Schule. Etwas für Fans von Slow Dive, Beach House, Grizzly Bear oder der Seitenarme der Notwist-Galaxie.
Live sind Packaging zu viert, zu Lyon und Birch kommen Drummer Nick Berlin und Bassistin Bridget Hartman, die in die verhuschten Songs vereinzelt ein paar Querflöten-Funken sprüht. Lyon schickt seine Vocals und seine Gitarre durch seine Effektbatterie, alles bleibt ein wunderbar wabernder Popnebel, aus dem Birchs Synthie-Flächen wie Sternschnuppen aufblitzen. Doch dann holt einen wieder einer dieser Kraut-Grooves aus der Space-Melancholie.
Als man sich gerade in den Packaging-Kosmos versenkt hat, ist das Konzert allerdings schon wieder vorbei: rund eine Stunde Musik, mehr Songs hat die junge Band noch nicht im Repertoire. Wäre schön, wenn da noch mehr käme in der Zukunft.

