Konzert in Ulm
: Joshua Idehen predigt im Aegis Café Liebe und Rhythmus

Zu dieser Poesie muss man tanzen: Der britisch-nigerianische Spoken-Word-Künstler verbreitet positive Vibes und aktiviert mit seiner Musik Kopf und Beine.
Von
Marcus Golling
Ulm
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Aegis Café: Joshua Idehen

Die Sonnenbrille täuscht: Joshua Idehen spielte im Aegis Café nicht den Coolen.

Matthias Kessler
  • Joshua Idehen, britisch-nigerianischer Spoken-Word-Künstler, tritt im Aegis Café Ulm auf.
  • Idehen fordert das Publikum zum Friedensgruß "You are good" auf.
  • Seine Musik kombiniert Dance-Tracks von Ludvig Parment mit kraftvoller Lyrik.
  • Idehen verbreitet positive Energie und Humor, inspiriert das Publikum.
  • Konzert war ausverkauft, Idehen bleibt ein Geheimtipp in Deutschland.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In diesem Moment, sagt Joshua Idehen, solle man alles vergessen, was man über die Römisch-Katholische Kirche wisse. Aber diese eine Sache habe er von Gottesdienstbesuchen als Kind in Nigeria noch in guter Erinnerung: den Friedensgruß, den man seinen Sitz- oder Stehnachbarn in der Kirche erbietet. Das wolle er jetzt auch auf seinem Konzert sehen. Und so geben sich die Menschen an diesem Abend im Ulmer Aegis Café die Hand, blicken einander in die Augen und sagen dabei: „You are good.“ Mittendrin natürlich: der charismatische Poet und Musiker, der auch das Zeug zum Prediger hätte. Wären seine spirituellen Orte nicht Clubs, Konzerthallen und, naja, Cafés.

Joshua Idehen breitete seine kraftvolle Lyrik schon über Jazz von Londoner Combos wie den Sons of Kemet aus. In Deutschland ist der britisch-nigerianische Wahl-Schwede allerdings noch ein Geheimtipp. Aber auch das Aegis Café war schon Wochen vor dem Auftritt ausverkauft.

Das Publikum bekommt zu Idehens Spoken-Word-Performance aber keinen Jazz, sondern knackige Dance-Tracks zwischen Deep House, UK Garage und Breakbeats vom schwedischen Elektro-Produzenten Ludvig Parment. Zwei Pole: „Love“ und „Rhythm“, eine gute Kombination. Zu dieser Poesie muss man tanzen.

Das erinnert nicht selten an die frühen Stücke von The Streets, doch anders als der englische Kollege ist Idehen kein verkiffter „geezer“, der ironisch auf seine Umgebung blickt, sondern ein Wachrüttler, eine positiv geladene Energiequelle. Seine Verse sind wie ein reißender Strom – und immer wieder geht es darum, die turbulente Welt zu einem besseren Ort zu machen: „We are all we have“ ist so etwas wie sein Mantra. Nur zusammen können wir bestehen.

Das könnte naiv und pathetisch sein, aber bei Idehen ist es ansteckend. Weil Idehen ein strahlender Performer ist, der das Publikum wie einen Gospel-Chor dirigiert, sich zum Zwecke der Euphorieverstärkung als „Multiverse African Taylor Swift“ ankündigt und auch sonst Humor hat. Es gibt viel zu lachen, wenn er in „Mum Does The Washing“ die Folgen verschiedener Ideologien auf die Wäsche durchdekliniert. Natürlich: Die Arbeit bleibt trotzdem fast immer bei Mama hängen.