klassisch! im Stadthaus Ulm
: Das Nightingale String Quartet bringt den dänischen Sommer mit

Das Nightingale String Quartet aus Kopenhagen reist zum Saisonfinale der Kammermusikreihe „klassisch!“ am 24. April im Stadthaus an: Ein Gespräch über Kinder und ein nordisches Programm.
Von
Burkhard Schäfer
Ulm
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Am 24. April, 20 Uhr, im Stadthaus Ulm: Das Nightingale String Quartet.

Julia Severinsen

Ein Wiederhören nach zehn Jahren: Das Nightingale String Quartet aus Kopenhagen spielt am Mittwoch, 24. April, 20 Uhr, das Saisonfinale der „klassisch!“-Konzerte im Stadthaus. Die Musikerinnen haben ein nordisches Programm im Gepäck: Streichquartette von Edvard Grieg und den dänischen Komponisten Carl Nielsen und Vagn Holmboe. Ein Gespräch mit Gunvor Sihm, der Primaria der „Nachtigallen“.

Seit Sie das letzte Mal in Ulm waren, ist viel Zeit vergangen. Was hat sich bei Ihnen allen verändert?

Gunvor Sihm: Was das Persönliche anbelangt: Wir sind alle Mutter geworden und haben insgesamt acht Kinder – ein Oktett!

Wie haben Sie sich musikalisch weiterentwickelt?

Wir haben das Projekt, alle Streichquartette von Rued Langgard aufzunehmen, abgeschlossen und vor vier Jahren damit begonnen, alle Quartette von Vagn Holmboe einzuspielen. Auch sind wir alle Mitglieder eines Orchesters. Somit besteht unser Leben aus dem Mix, sowohl im Quartett als auch im Orchester zu spielen – und Mutter zu sein.

Hat die dänische Musik eine bestimmte  „Seelenlage“?

Für mich erklingt etwas von der nordischen Melancholie, die auch ein bisschen mit dem Wetter verknüpft ist (lacht). Wie Sie wissen, leben wir in einer Gegend, in der es öfter neblig und bewölkt ist. Und ich denke, man kann in der Musik einiges davon erfühlen, was auf die eine oder andere Weise mit der Natur korreliert. Die Landschaft Dänemarks  ist flach,  ohne hohe Berge, die Emotionen sind – wenn du genauer hinsiehst – unter der Oberfläche verborgen.

Wie macht sich dies in den Kompositionen bemerkbar?

In Carl Nielsens Streichquartett etwa findet sich innerhalb kurzer Abstände viel Spiel mit Dur und Moll. Und ich persönlich empfinde dies emotional als eine musikalische Sprache für den dänischen Sommer: Wenn es sonnig ist, kann trotzdem schnell eine Regenwolke aufziehen, die aber zügig abregnet, und so scheint anschließend wieder die Sonne.

In Deutschland ist Carl Nielsen vor allem für seine Sinfonien bekannt.

In Dänemark aber kennt  jedes Kind die wunderbaren Lieder von Nielsen. Damit wurde er berühmt, und ich denke, damit hat er auch Menschen dazu gebracht, überhaupt klassische Musik zu hören. Die beliebtesten Kinderlieder, die in Kindertagesstätten, als Schlaflieder oder auch in den Schulen gesungen werden, sind von Nielsen.

Das zweite Werk des Abends stammt aus der Feder von Vagn Holmboe, sein Streichquartett Nr. 2. Neben Nielsen ist das einer der ganz großen dänischen Komponisten?

Ja, was die klassische Grundausrichtung seiner Quartette und auch das durchweg hohe Niveau seiner Werke betrifft, kann man ihn mit Haydn vergleichen. Von der Tonsprache her erinnern die Quartette manchmal an die von Schostakowitsch. Es ist ein guter Mix von beidem. Holmboes Schreibweise verfügt über Rigorosität und sehr klare Gedanken. Es klingt kühl, fast eisig, aber man erkennt die Emotionen unter dieser manchmal sehr kalten Oberfläche sofort. Da Holmboes Frau aus Rumänien stammte, gibt es auch immer Einflüsse zu hören von der Kultur des Balkans, der rhythmisch sehr prägnanten Volksmusik.

Hatte Holmboe denn auch ein Verhältnis zur Natur?

Die Natur lag Holmboe nicht nur in seiner musikalischen Sprache sehr am Herzen. Er lebte im nördlichen Teil von Seeland, dort pflanzte er ein ganzes Waldstück. Er wollte für die Erde tatsächlich Verantwortung übernehmen. So ist es interessant zu sehen, dass er dies nicht nur in seiner Musik initiierte, sondern leibhaftig auch im Alltag.

Und Sie spielen das Streichquartett des Norwegers Edvard Grieg.

Es gibt da viele Ähnlichkeiten zu Nielsen, auch bei Grieg sind die Einflüsse der Volksmusik sehr deutlich zu hören. Dazu kommt die explosive Energie – diese Musik erzählt eine spannende Story, dieses herausfordernde Streichquartett reißt das Publikum mit.

Werke von Nielsen, Homboe und Grieg

Mit einem nordischen Programm gastiert das Nightingale String Quartet am Mittwoch, 24. April, im Stadthaus: mit Streichquartetten von Carl Nielsen (1856-1931), Vagn Holmboe (1909-1996) und Edvard Grieg (1843-1907). Karten gibt es im Stadthaus (Ebene 3) sowie online bei Reservix und auf swp.de/ticketshop.