„klassisch!“ im Stadthaus Ulm: Erst zurückhaltend, dann aufwühlend –das Quatour Van Kuijk

Das Quatour Van Kuijk vor dem Auftritt im Stadthaus: (von links) Sylvain Favre-Bulle, Anthony Kondo, Nicolas Van Kuijk und Paul Zientara.
Jürgen Kanold- Quatuor Van Kuijk eröffnete „klassisch!“ im Stadthaus Ulm vor 270 Zuhörer*innen.
- Mozart Streichquartett Es-Dur: fein austariert, souverän-zurückhaltend gespielt.
- Germaine Tailleferres Quartett (1919): impressionistisch, von Moderne geprägt.
- Mendelssohn Nr. 6 f-Moll: schmerzhaft, zupackend – Bravo-Rufe, Standing Ovations.
- Zugabe: Kabalewski Quartett Nr. 2, 1. Satz (1945); nächste „klassisch!“: 27. Februar 2026.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Fast wäre man versucht, von französischer Leichtigkeit zu schreiben, wäre das nicht ein Klischee. Und das, was das Quatour Van Kuijk im Ulmer Stadthaus mit Wolfgang Amadeus Mozarts Streichquartett Es-Dur anstellt, ist das Gegenteil von klischeehaft. So fein austariert und souverän-zurückhaltend hört man das Werk selten. Ein so überraschender wie begeisternder Auftakt für das erste Konzert der Kammermusik-Reihe „klassisch!“ im neuen Jahr, zu dem am Mittwoch (28. Januar 2026) 270 Zuhörerinnen und Zuhörer gekommen waren.
Seinen Namen hat das 2012 in Paris gegründete Ensemble von seinem Primgeiger Nicolas Van Kuijk. Die Franzosen sind international gefragt, sie gastierten unter anderem im Concertgebouw Amsterdam und in der Hamburger Elbphilharmonie, dazu bei wichtigen Festivals. Ein gut eingespieltes Quartett, so gut, dass die Tatsache, dass derzeit mit Paul Zientara eine Vertretung die Bratsche streicht, beim Zuhören nicht einmal zu erahnen ist: ein weiterer exzellenter Instrumentalist, so wie die festen Mitglieder Van Kuijk, Sylvain Favre-Bulle (Violine) und Anthony Kondo (Cello).
Dem Freund Haydn gewidmet
Das Streichquartett Es-Dur von 1783, vom Komponisten „seinem lieben Freund Joseph Haydn“ gewidmet, hat für die Franzosen eine besondere Bedeutung, wie Favre-Bulle später verrät: Es war das erste Mozart-Werk des Komponisten überhaupt, das sie gemeinsam musizierten, es befindet sich auch auf der 2016 erschienenen CD „Mozart“. Das spieltechnisch anspruchsvolle Quartett mit seinen chromatischen Tonfolgen und dissonanten Akkorden zählt zu den experimentellsten Werken des Österreichers.
Die konzentrierte Subtilität des Vortrags und die brillante Dynamik setzt sich auch im 1919 vollendeten Streichquartett von Germaine Tailleferre fort. Die Französin, eine Schülerin von Erik Satie und Maurice Ravel, war das einzige weibliche Mitglied der berühmten „Groupe des Six“. Eine ganz andere Klangwelt, noch impressionistisch, aber schon von den Verwerfungen der Moderne geprägt: Im finalen der drei kurzen Sätze glaubt man, die marschierenden Heere des Weltkriegs zu hören. Musik als Spiegel ihrer Zeit.
Das gilt auch für das berühmteste Werk des Abends, Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Nr. 6 f-Moll, vollendet zwei Monate vor dessen frühem Tod in einer Phase der persönlichen Erschütterung über den Tod der geliebten Schwester Fanny. Das Quatour Van Kuijk gibt die vornehme Zurückhaltung auf und macht den Schmerz hörbar, immer noch differenziert und dynamisch, aber zupackend und vibrierend.
Ein atemberaubender Vortrag – vor allem kurz nach dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz: Bravo-Rufe und Standing Ovations. Und danach eine ebenso aufwühlende Zugabe: der erste Satz aus Dmitri Kabalewskis zweitem Streichquartett aus dem Jahr 1945.
Die Reihe „klassisch!“ im Stadthaus geht mit dem Ensemble Opus 13 am Freitag, 27. Februar 2026, 20 Uhr, weiter. Auf dem Programm stehen dann Werke von Mendelssohn, Byström und Schubert (das Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“). Karten gibt es auf swp.de/ticketshop und bei den bekannten Vorverkaufsstellen.

