„KlangHaus“ im Stadthaus Ulm: Klänge für eine andere Welt – Festival wird 30 Jahre alt

Sängerin Anna Clementi gehört zu den Stammkünstlern des Festivals.
Udo Eberl- „KlangHaus“ im Stadthaus Ulm wird 30 Jahre alt – Festival läuft vom 16. bis 19. April 2026.
- Programm blickt zurück und nach vorn, kein Thema mehr seit 2022, alle zwei Jahre geplant.
- Eröffnungsabend „Human Endeavor“ mit David Langs „MEN“, Werken von Anna Korsun und Olga Neuwirth.
- „Temple of Rhythm“ folgt mit Christian Benning Percussion Group und Jürgen Grözinger am Gong.
- Abschluss „Palace of Sound“: Rei Nakamura spielt Feldman und Blecharz, Publikum platziert Boxen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Beim Durchblättern alter Fotoalben lässt es sich in Erinnerungen schwelgen. Beim Durchsehen alter Festival-Flyer auch. Jürgen Grözinger hat für das Pressegespräch über 30 Jahre Neue Musik im Stadthaus ins Archiv gegriffen. Da ist der Flyer der allerersten Ausgabe 1996, die mit John Cage einem Giganten der Nachkriegsmoderne gewidmet war. Da ist die Werbung für die Ausgaben „Orient Okzident“ (2003) und „Drumming“ (2005). „Da war richtig viel los“, erinnert sich Stadthaus-Chefin Karla Nieraad. Da sind aber auch die für weniger erfolgreichen Ausgaben „RaumZeit – ZeitRaum“ (1999) oder „Konstellationen“ (2004). So schlau ist man heute: Manchmal hat es offenbar an den Titeln gelegen.
An der Qualität des musikalischen Programms allerdings nie. Aber klar: Mit der zeitgenössischen Musik, die von vielen Klassikfreunden gefürchtet und von vermutlich noch mehr Menschen ignoriert wird, hat man es nie leicht. Umso bemerkenswerter, dass Nieraad und der künstlerische Leiter Grözinger nun 30 Jahre „Neue Musik im Stadthaus“ feiern können, wobei das Festival seit 2022 als „KlangHaus“ firmiert – und jeweils kein spezielles Thema mehr hat. Seit gut zehn Jahren gibt es das Festival nur noch alle zwei Jahre, in den Anfangsjahren gab es noch zweimal pro Jahr Neue Musik im Stadthaus. Doch Grözinger sieht darin keine Schrumpfung, sondern eine „Anpassung an die Möglichkeiten“.
„Für jetzt, für heute und für den Ausblick“
In seinem künstlerischen Bereich lernt man Demut und Dankbarkeit. Letztere spürt man auch beim Blick auf das Programm der „KlangHaus“-Ausgabe von 16. bis 19. April 2026. Auf den ersten Blick biete das Festival dieses Mal ein Best-of, sagt Stadthaus-Leiterin Nieraad. „Aber dafür bräuchte es noch wesentlich mehr Künstlerinnen und Künstler, weil wir so viele tolle Konzerte erlebt haben in diesen 30 Jahren.“ Dem in Ulm geborenen Perkussionisten Grözinger gefällt die Best-of-Idee sowieso nicht: Es sei nie um seinen persönlichen Geschmack gegangen, sondern um ein Programm, das zur Stadt und zur Zeit passe. „KlangHaus“ sei 2026 „für jetzt, für heute und für den Ausblick gedacht“.

Festivalleiter Jürgen Grözinger und Stadthaus-Chefin Karla Nieraad mit dem Flyern aus 30 Jahren Neue Musik.
Marcus GollingEin bisschen Rückblick ist aber okay, schließlich hatten die drei Jahrzehnte Konstanten und Höhepunkte. Zu Ersteren gehört Grözingers European Music Project, das Festivalensemble, das heute etwa zehn Personen umfasst, darunter die Sängerin Anna Clementi oder der Pianist Antonis Anissegos. Dieser feste Musikerstamm hat das Festival überlebensfähig gemacht. Das Stadthaus erlebte dazu Schwergewichte der Avantgarde wie Klaus Huber oder Dieter Schnebel, aber auch Künstler mit größerer Breitenwirkung, wie die für Filmmusik bekannten Michael Nyman („Das Piano“) oder David Lang („La Grande Bellezza“).
Der New Yorker Lang komponierte 2001 für das Stadthaus „MEN“ für Soloposaune und Ensemble. Dieses Werk erklingt, neben „Tollers Zelle“ der Ukrainerin Anna Korsun und Olga Neuwirths „Hommage à Klaus Nomi“ am Eröffnungsabend „Human Endeavor“ (Donnerstag, 16. April, 19 Uhr): ein Rückblick auf eine Sternstunde des Festivals. Tags darauf geht es dann in den „Temple of Rhythm“, mit Werken von Wolfgang Rihm, Steve Reich, James Tenney und Samir Odeh-Tamimi, dargeboten von der Christian Benning Percussion Group und Grözinger am Solo-Gong (Freitag, 17. April, 19 Uhr).
„Transformations“ ist der dritte Abend (Samstag, 18. April, 19 Uhr) überschrieben, doch eigentlich handelt er vom Wasser: angefangen von Maurice Ravels „Jeux d'eau“ aus dem Jahr 1901 bis zu „Grammar of Water“ von Grözinger und Saxofonist Hayden Chisholm. „Er hat mich darum gebeten, wieder nach Ulm kommen zu können“, sagt der Festivalleiter. Zur Musik gibt es Tanz von Ichi Go. Mit ruhigen Klängen im „Palace of Sound“ (Sonntag, 19. April, 18 Uhr) schließt das „KlangHaus“ für 2026: Pianistin Rei Nakamura spielt Musik von Morton Feldman und Wojtek Blecharz. Bei der Komposition des Polen kann das Publikum Bluetooth-Lautsprecher im Raum platzieren.
Dieser interaktive Zugriff passt zu Grözingers Maxime: „Wenn wir anders hören, beginnen wir vielleicht auch anders miteinander umzugehen“, hofft der in Berlin lebende Kurator. Das „KlangHaus“ soll ein Ort sein, an dem nicht nur wiederholt und nachgeplappert wird, ein Ort für Musik, die „sich nicht sofort erschließt, sondern Zeit braucht und Zeit entstehen lässt“, die einen „sozialen und ästhetischen Möglichkeitsraum“ schafft. Erinnerungen sind gut, aber Utopien braucht die Gegenwart gerade dringender.

Ein Bild aus dem Jahr 2006: Karla Nieraad und Jürgen Grözinger mit dem Komponisten Michael Nyman (Mitte).
Stadthaus UlmZahlen und Karten
Rund 55.000 Euro Budget stehen dieses Jahr für das „KlangHaus“ zur Verfügung – mehr als zuletzt. Grund dafür ist der Beitrag des Fördervereins: Die „Freunde der neuen Musik im Stadthaus Ulm“ geben 13.000 Euro dazu. „Das ist richtig viel“, sagt Leiterin Karla Nieraad.
Tickets für die vier Abende des Festivals gibt es im Stadthaus oder online auf ulmtickets.de.

