Kaffkiez im Ulmer Zelt
: „Danke, Ulm, das hier tut unglaublich gut!“

Die Rosenheimer Band Kaffkiez verliebt sich zum zweiten Mal in die Stadt: Ihr Konzert im ausverkauften Ulmer Zelt strotzt vor mitreißender Musik und purer Lebensfreude.
Von
Valerie Zöllner
Ulm
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Ulmer Zelt: Kaffkiez

Die fünfköpfige Band Kaffkiez spielte ein energiegeladenes Konzert im ausverkauften Ulmer Zelt. Zu sehen sind Johannes Gottwald, Johannes Eisner und Niklas Mayer (v. links).

Matthias Kessler

Kaffkiez sind in Ulm verliebt. Und das schon länger, wie Sänger und Gitarrist Johannes Eisner im ausverkauften Ulmer Zelt erzählt. „Bei unserer letzten Tour haben wir in Ulm im Roxy gespielt, erstes Konzert und unser Management wollte kommen.“ Sie wussten, jetzt müssen sie abliefern. „Wir wollten dem Roxy zeigen, wie es geht, aber verdammt: Das Roxy hat uns gezeigt, wie es geht!“ Und im Zelt geht es auch schon gut los: Der Bassdrum lässt den Brustkorb vibrieren. Unwillkürlich wippt der Fuß im Takt. Das Publikum johlt, allerdings noch etwas verhalten. Eisner reicht das noch nicht.

Die Motivation der fünfköpfigen Band ist ansteckend, denn es dauert nicht lange, bis selbst die Besucherinnen und Besucher in den letzten Reihen mittanzen. Kaffkiez verstehen, das Publikum in ihren Bann zu ziehen, zu animieren und ihm ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. Kurzerhand mischt sich Keyboarder Johannes Gottwald unters Publikum. In der Mitte bildet sich ein kleiner Moshpit. Gottwald ist groß, sein blonder Kopf ragt aus der pogenden Menge.

Auf Streamingdiensten oder Platte ist die Musik von Kaffkiez unterhaltsam, live sind die Oberbayern eine ganz andere Nummer: Sie kreieren ganz ohne große Bühnenshow einen sorgenfreien und zeitlosen Raum. Sänger Eisner schwört die Fans ein: „Lasst das hier einen schönen Abend für alle werden. Lasst eure Finger bei euch und achtet aufeinander. Wir wollen, dass jede Person hier im Zelt einen schönen Abend hat.“

Der Sound von Kaffkiez glich nicht immer dem heutigen festivaltauglichen Deutsch-Indie-Rock. Bereits seit 2012 machten Sänger und Gitarrist Eisner und Keyboarder Gottwald unter dem Namen „Maybe“ gemeinsam Musik. Über die Jahre hinweg gesellten sich Niklas Mayer (Schlagzeug), Florian Weinberger (Gitarre) und Benedikt Vodermaier (Bass) zur Band. Aus Maybe wurde im Jahr 2020 Kaffkiez, aus englischen Texten wurden deutsche. Ihre Musik: nahbar, mitreißend, leidenschaftlich.

Tiefgehende Texte, tanzbare Beats

Kaffkiez singen von Herzschmerz, Sehnsucht und davon, wie es ist, Mitte 20 zu sein. Über Urlaub am Meer, das Scheitern, den Wunsch nach mehr Mut, wer die Schuld an diesem verhexten Leben hat und darüber, ob eigentlich alles gut werden wird. Es sind Texte, die tief gehen – auf Beats, die die schweren Themen tanzend abschütteln.

Nach anderthalb Stunden steht Eisner schwitzend und glücklich am Mikrofon: „Danke Ulm, das hier tut unglaublich gut.“ Dann kündigt der Sänger den nächsten Song an und gesteht, sich ein zweites Mal in Ulm verliebt zu haben. „Und deshalb gibt es ein Liebeslied zum Abschluss“. Seine markant-rauchige Stimme singt die ersten Worte des Lieds „Scheissegal“: „Seine Eltern hassen dich, und deine Freunde packen's nicht, wieso ist es nicht egal, wen du liebst und wen du magst?“ Die Menschenmasse springt, pogt, grölt mit. Und das Lachen, die Freude auf den Gesichtern von Kaffkiez will gar nicht mehr verschwinden.