Hämatom im Interview
: Wie macht man nach dem Tod eines Bandkollegen weiter?

InterviewIm August 2023 stirbt der Bassist von Hämatom. In Gedenken an ihn veröffentlicht die Metalband ein neues Album. Außerdem starten die Musiker ihre Jubiläumstour.
Von
Jessica Wolf
Stuttgart
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Die Metalband Hämatom spielt am 25 Januar in Stuttgart. Ihre Jubiläumstour ist die erste ohne ihren verstorbenen Bassisten Peter "West" Haag, dafür mit ihrem neuen Mitglied Annika "Rose" Jascke.

Die Metalband Hämatom spielt am 25. Januar in Stuttgart. Ihre Jubiläumstour ist die erste ohne ihren verstorbenen Bassisten Peter „West“ Haag, dafür mit ihrem neuen Mitglied Annika „Rose“ Jaschke. Jacek „Ost“ Zyla (rechts) spricht im Interview über die Tour.

Nico Scholl

Die oberfränkische Metalband Hämatom startet mit einer Tour ins neue Jahr: Am 23. Januar spielen sie die erste Show ihrer „20 Jahre Für Euch Jubiläumstour“. Und nur einen Tag später erscheint das Album „Für Dich“. Dieses haben sie ihrem Bassisten und langjährigen Freund Peter Haag alias West gewidmet, der im August 2023 plötzlich verstarb. Wie die Neue-Deutsche-Härte-Band mit diesem Verlust umgeht, erzählt Jacek Zyla alias Ost im Interview. Zwischen den Tourproben nimmt er sich Zeit für einen Videoanruf.

Am 24. Januar erscheint Ihr neues Album. Wie viel West steckt darin?
Jacek „Ost“ Zyla: 
Wir haben das Album „Für Dich“ genannt, um es West ganz persönlich zu widmen. Es gibt keinen Song auf diesem Album, bei dem wir beim Schreiben nicht an West gedacht haben. Und wir haben ihn aufs Cover gepackt. Dafür haben wir die Fans gebeten, uns Bilder zu schicken, die sie mit ihm gemacht haben. Da kamen, glaube ich, 5000 Einsendungen. Und aus diesen Einzelbildern haben wir dann das Cover wie ein Mosaik gebastelt. Das ist wirklich sehr schön geworden.

Es sind auf dem Album ja sogar Bass-Aufnahmen von ihm zu hören.
Wir hatten den Wunsch, dass er auch musikalisch vertreten ist. Wir haben die Bassspuren aus „Eva“ genommen, einem Alltime-Favorite von Hämatom, der bei keinem Konzert fehlen darf, und haben die passend gemacht für den Song „Ein‘ auf den Tod – Zwei auf das Leben“. In einem Teil hört man richtig deutlich West spielen und das ist ein ganz schöner Moment – für uns beim Anhören und auf der Bühne.

Ein letztes Andenken an Ihren Bandkollegen sozusagen?
Wir wollten ihm mit dem Album ein Denkmal setzen, das nicht vergessen wird. Wir waren 25 Jahre lang befreundet und es wäre schade, wenn er einfach so verschwinden würde. Wir lassen ihn nicht sterben, wir erzählen die Geschichte weiter. Die Position des Bassisten wird auch nicht mehr besetzt bei Hämatom.

Aber Sie haben im Mai 2024 mit Annika Jaschke alias Rose eine neue Gitarristin aufgenommen. Wie wurde sie von den Fans aufgenommen?
Ganz süß und rührend. Die Reaktion war unfassbar positiv und das hält bis heute an. Wir mussten sehr viele Entscheidungen treffen, als das damals passiert ist, wie alle Menschen, die jemanden verlieren. Und das mit Rose war für mich eine goldrichtige Entscheidung.

Haben Sie auch mal ans Aufhören gedacht?
Ehrlicherweise Nein. Diese Band war West so unfassbar wichtig, wir haben sie jeden Tag nach vorne gebracht, an ihr gearbeitet. Das war unser Lebensmittelpunkt neben unseren Familien. Und ich weiß hundertprozentig, dass West der Letzte gewesen wäre, der gesagt hätte: „Ihr müsst jetzt aufhören, weil ich nicht mehr da bin.“ Ne, im Gegenteil. Er hätte gesagt: „Schaut, dass ihr weitermacht und erfolgreicher denn je werdet.“ Nein, wir haben nie ernsthaft daran gedacht, aufzuhören. Wir haben eher gesagt: jetzt erst recht.

Diese Jetzt-Erst-Recht-Haltung kommt auch in Ihrem neuen Album raus. Es ist kein reines Traueralbum. Auch Partysongs wie „Diego Maradona“ sind darauf zu hören. Wieso war Ihnen diese Balance wichtig?
Spätestens nach dem dritten Song hätte West gesagt: „Leute, ich hab's verstanden. Ihr trauert um mich, aber jetzt reicht es auch.“ Ein ganzes Album voller trauriger Lieder, die nur davon handeln, wie schlimm die Welt ist und wie traurig und wütend wir sind – das hört sich niemand an. Aber wenn du solche Songs kombinierst mit anderen, die aus dieser Richtung ausbrechen, dann nehmen die Trauersongs eine ganz besondere Stellung ein. Wir wollten nicht das traurigste Hämatom-Album machen, sondern das beste.

Die Jubiläumstour wird die erste ohne Peter Haag, dafür mit Annika Jaschke. Mit welchem Gefühl starten Sie in die Tour?
Mit sehr, sehr viel Vorfreude. Ich bin mittlerweile 45, aber ich fühle mich wie ein Teenie, der einfach so aufgeregt ist und unglaublich Lust hat, dass es losgeht. Es gab bei den letzten Konzerten aber auch diesen intensiven Moment, so eine Stunde bevor die Show losgeht, in dem ich West wirklich vermisst und gemerkt habe: Es ist alles anders, er ist nicht da. Diese Momente werden bei dieser Tour auch kommen. Aber wir werden es trotzdem genießen, wir werden Spaß haben. Und wir haben West auf der Bühne dabei – in einer viereinhalb Meter großen, aufblasbaren Form, als Inflatable seiner Maske.

Die Jubiläumstour startet am 23. Januar

Die Metalband Hämatom besteht derzeit aus dem Sänger Thorsten „Nord“ Scharf, Jacek „Ost“ Zyla und Annika „Rose“ Jaschke an der Gitarre sowie dem Schlagzeuger Frank „Süd“ Jooss. Die vier Musiker starten am 23. Januar ihre Tour. Das sind die Shows:

23. Januar: Osnabrück, Hyde Park
24. Januar: Frankfurt, Batschkapp (ausverkauft)
25. Januar: Stuttgart, Wagenhallen (ausverkauft)
30. Januar: CZ-Prague, Palac Akropolis
31. Januar: Leipzig, Haus Auensee
1. Februar: Berlin, Columbiahalle
7. Februar: München, Tonhalle (ausverkauft)
8. Februar: CH-Pratteln, Z7
14. Februar: AT-Vienna, Simm City
15. Februar: Geiselwind, Eventhalle
21. Februar: Oberhausen, Turbinenhalle
22. Februar: Hamburg, Inselpark Arena

Tickets gibt's im offiziellen Hämatom-Shop.