Film "Was Marielle weiß": Wenn plötzlich alle Lügen auffliegen

Für Julia (Julia Jentzsch) und Tobias (Felix Kramer) wird es ernst: Ihre Tochter Marielle weiß alles, was sie denken.
Alexander Griesser- "Was Marielle weiß": deutscher Film über Lügen und Wahrheit.
- Marielle, 13, erkennt Gedanken ihrer Eltern, was ihre Welt auf den Kopf stellt.
- Premiere auf Berlinale, Kinostart am 17. April 2025.
- Film zeigt, wie Eltern mit Superkraft umgehen und sich in Lügen verstricken.
- Regie: Frédéric Hambalek, Darsteller: Julia Jentsch, Felix Kramer, Laenie Geiseler.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Lügen haben kurze Beine? Sagt man so, aber manchmal kommen Menschen ziemlich weit damit. Doch in dem Film „Was Marielle weiß“ klappt das für Julia und Tobias auf einen Schlag gar nicht mehr. Denn was die 13-jährige Marielle weiß, ist: alles, was ihren Eltern durch den Kopf geht. Und was sie treiben.
Der Film, der im Februar auf der Berlinale gefeiert wurde und jetzt am 17. April 2025 in die Kinos kommt, hält sich nicht lange mit seiner fantastisch anmutenden Prämisse auf, sondern legt rasch los: Das Mädchen besitzt nach einer Ohrfeige telepathische Fähigkeiten: Und für die Eltern, die sich eingerichtet haben in der langweiligen Ehe, ihren einträglichen Jobs, dem schicken Häuschen und dem Rotwein am Abend, wird es rasch ungemütlich.
Gehören Lügen zum Leben?
Der Papa muss in seiner Arbeit in einem Verlag gerade ziemlich einstecken. Aber zuhause beim Abendessen erzählt er, was für ein toller Hecht er im Job ist.
Die Mutter hab derweil einen Büroflirt und überlegt sich, ob man in der Pause nicht mal eine schnelle Nummer mit dem heißen Kollegen einschieben könnte.
Und die Tochter? Die sieht und hört und weiß das nun alles – und es kommt auf ziemlich schnell den Tisch. Mit heftigen Folgen.
Gehören Lügen zum Leben? Wie hoch ist der Preis, den wir für sie zahlen? Und wie hoch ist der Preis für die Wahrheit – ist der vielleicht noch höher? Ja, wollen wir überhaupt alles wissen?
Solch grundlegende Fragen exerziert Autor und Regisseur Frédéric Hambalek in seinem Film virtuos durch. Das schafft er in knapp eineinhalb Stunden – und wie das mit seinem wundervollen Ensemble tut, macht aus „Was Marielle weiß“ zugleich ein profundes Drama und eine herrlich komische schwarze Komödie. Selten schafft es ein deutscher Film, ein eigentlich gewichtiges Thema derart leicht zu erzählen.
Zum Fremdschämen - und sich selbst ertappt fühlen
Die Grundidee des Films ist so einfach wie brillant. Bestechend ist aber, wie Hambalek die Story von diesem Ausgangspunkt aus vorantreibt: in welche Richtungen und mit welcher Dynamik. Wie die Eltern erstes die Superkraft der Tochter nicht wahrhaben wollen. Wie sie sich dann in ihren Lügen verstricken. Wie sie schließlich mit durchaus harten Bandagen um die Sympathie ihrer Tochter kämpfen. Das alles ist zuweilen krass, abgründig und auch traurig, doch psychologisch doch stets plausibel. Der Zuschauer darf sich fremdschämen = und wird sich doch immer mal wieder selbst ertappt fühlen.
Inhaltlich soll an dieser Stelle nichts davon verraten werden, welche Wendungen das Spiel um Lüge und Wahrheit, das letztlich auch eines um Liebe ist, nimmt. Aber Hambalek geht dorthin, wo es mal wehtut und auch mal herrlich absurd wird. Und er weiß es bis zu einem guten Schlusspunkt zu erzählen.
Buch, Regie und Spiel halten dabei wunderbar die Balance zwischen Ernst und Komik, ihnen gelingt eine bewundernswerte tonale Gratwanderung. Man merkt Julia Jentsch und Felix Kramer als wahrheitsgeplagte Eltern geradezu an, welche Freude sie an diesen zugespitzten Situationen und knackigen Dialogen hatten.
Und Laenie Geiseler als Marielle ist der Fixpunkt, um denen sich die anderen Figuren drehen. Für das Mädchen ist diese Gabe kein Geschenk. Denn immer die Wahrheit zu wissen, kann schwer und schmerzhaft sein. Auch das ist eine der klugen Aussagen, die diese sehenswerte Film trifft.
