Benno Schachtner und Catalina Bertucci: Erst Passionen, dann Ostereier – ein Sängerehepaar in der Karwoche

Hier gemeinsam bei Diademus n Schießen, derzeit an verschiedenen Orten im Einsatz: Catalina Bertucci und Benno Schachtner.
Stephanie Watin- Zwei Sänger aus Dietenheim in der Karwoche unterwegs – beide mit Bach-Passionen.
- Benno Schachtner tourt mit Philippe Herreweghe und Collegium Vocale Gent durch Europa.
- Start in Gent mit Kofferverwechslung und nächtlichem Rücktausch nach Paris per Taxi.
- Große Stationen u. a. Amsterdam, Madrid, Elbphilharmonie, Isarphilharmonie am Karfreitag.
- Catalina Bertucci singt die Johannespassion mit dem Thomanerchor in der Leipziger Thomaskirche.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Benno Schachtner kennt das Tourneeleben, aber so etwas ist ihm noch nicht passiert. Frisch im Hotel im belgischen Gent angekommen, öffnete er sein Gepäck – und fand darin Frauenkleidung. Der Countertenor hatte beim Umstieg den falschen Koffer mitgenommen. Den einer Frau, die nun in Paris auf einen schnellen Rücktausch hoffte. Der erfolgte mit Verspätung um zwei Uhr nachts: Wegen einer Bahnhofsräumung in Brüssel wurde Schachtner mit anderen Gestrandeten mit dem Taxi in die französische Hauptstadt gekarrt.
Der Aufenthalt in Flandern hätte besser beginnen können, aber bei dieser Produktion der Matthäuspassion nimmt er gerne Hürden in Kauf. Der Dietenheimer arbeitet erstmals mit Philippe Herreweghe, einem der führenden Experten für Alte Musik, und dessen Collegium Vocale Gent zusammen. Nach den Proben und einem ersten Konzert startet eine Europatour mit Stationen unter anderem in Amsterdam, Madrid, der Hamburger Elbphilharmonie und – am Karfreitag – der Münchner Isarphilharmonie.
„Immer auch eine Präsentation“
„Für mich ist das sehr spannend“, sagt Schachtner, der zwar „nur“ zweiter Altus der Produktion ist, aber die Chance bekommt, von Herreweghe für seine eigene Arbeit als Dirigent und Chorleiter (vor allem bei seinem Diademus-Festival in Roggenburg) zu lernen. „Wie er das macht, ist sensationell. Er geht sehr tief und geht stark vom Text aus.“ Die großen Auditorien der Konzertreise machen Schachtner indes nicht nervös, er hat in fast allen schon gesungen. Anders sei in großen Sälen vor allem, sagt er, dass man wenig vom Publikum mitbekomme und in diesem häufiger prominente Kollegen und Entscheidungsträger säßen. „So ein Auftritt ist immer auch eine Präsentation.“
Für Konzertsängerinnen und -sänger ist die Passionszeit enorm wichtig, künstlerisch und finanziell. Auch für Schachtners Ehefrau, die Sopranistin Catalina Bertucci. Die singt in der Karwoche ebenfalls Bach, allerdings die Johannespassion, mit dem Thomanerchor unter Leitung von Andreas Reize in der Leipziger Thomaskirche, „dem Arbeitsplatz meines Lieblingskomponisten“, wie sich Bertucci freut. Sie kennt diesen von früheren Auftritten, „aber für eine Chilenin, die wegen der Musik nach Deutschland gekommen ist, ist das eine sehr emotionale Geschichte“.
Für Bertucci und Schachtner sind die gleichzeitigen Engagements eine Herausforderung: Rund eine Woche lang müssen die Großeltern auf die Kinder des Künstlerpaars aufpassen, mit Babysitter-Unterstützung. „Das ist eine Ausnahmesituation, das ist uns schon lange nicht mehr passiert“, sagt die Sopranistin. Ostern ist die Familie dann aber wieder vereint, Schachtner kehrt am Ostersonntag zurück, Bertucci bereits am Karsamstag: „rechtzeitig, um mit den Kindern Schokoeier zu suchen“.

