„Double Infinity“
: Big Thief finden Geborgenheit in der Unendlichkeit

Die US-Indie-Folk-Band klingt auf ihrem neuen Album „Double Infinity“ nebulös und schwebend, dabei menschlich und nahbar.
Von
Marcus Golling
Ulm
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Big Thief haben ihr neues Album "Double Infinity" (4AD/Beggars/Indigo) veröffentlicht.

Big Thief haben ihr neues Album „Double Infinity“ (4AD/Beggars/Indigo) veröffentlicht.

4AD/Genesis Baéz
  • Big Thief veröffentlicht das Album „Double Infinity“ mit neun Songs und neuem New-Age-Vibe.
  • Aufnahme in New York: tägliches Jammen und Zusammenarbeit mit Gastmusiker*innen prägen den Sound.
  • Adrianne Lenkers Stimme bleibt das Markenzeichen – zärtlich, kraftvoll, nahbar.
  • Songs variieren stark: Von afrikanischem Groove („Words“) bis zu Soundmeditation („No Fear“).
  • Das Album vermittelt Geborgenheit, als wäre man Ohrenzeuge einzigartiger Studio-Momente.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Unendlichkeit überfordert den normalen Menschen. Die US-Indie-Folk-Band Big Thief hingegen versucht sogar, die doppelte Unendlichkeit zu verstehen oder zumindest ihrem Geheimnis nahezukommen. „Double Infinity“ (4AD/Beggars/Indigo) heißt das sechste Studioalbum der in New York gegründeten Gruppe, die wie keine andere den Zwischenraum zwischen ländlicher Folk-Tradition und urbanem Freigeist erkundet – und auf ihrem neuen Werk wieder zu dem wunderbaren Schwebezustand zurückkehrt, der ihr mit „U.F.O.F.“ (2019) den Durchbruch gebracht hatte.

Big Thief haben seit damals eine Veränderung durchlaufen. Bassist Max Oleartchik hat die Band verlassen, es gab nicht näher definierte zwischenmenschliche Differenzen. Geblieben sind Adrianne Lenker (Gesang, Gitarre), Buck Meek (Gitarre) und James Krivchenia (Drums). Das Trio scharte für die dreiwöchigen Aufnahmen in Manhattan in Hippie-Manier ein ganzes Rudel von Mitmusikerinnen und -musikern um sich. Neun Stunden Jammen, Improvisieren und Spielen am Tag.

Ein Werk aus einem Guss

Man hört dem Album die Entstehung an, den kollektiven Prozess, aber auch den Ort: Nach dem nicht nur titelmäßig überlangen Vorgänger „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“, der an verschiedenen Orten aufgenommen wurde und zwischen Heuschober und „outer space“ oszillierte, ist „Double Infinity“ wieder eine New-York-Platte und ein Werk aus einem Guss. Weniger Americana-Gefühl, fast keine Rock-Ausbrüche, dafür ein verbindender New-Age-Vibe.

Variation steckt trotzdem in den neun Songs: „Words“ hat einen beinahe afrikanischen Groove, „No Fear“ ist eher Soundmeditation als Lied, das Classic-Rock-infizierte „Grandmother“ überrascht mit Gesangsarabesken des 82-jährigen Brian-Eno-Weggefährten Laraaji. Doch natürlich bleiben die Vocals von Adrianne Lenker das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von Big Thief: wie sie mit ihrer unverwechselbaren Stimme von Liebe und Leben singt, mal leise und zärtlich, mal überschwänglich und kraftvoll.

„Double Infinity“ ist dabei so warm und nahbar im Sound, als hätte jemand bei den Sessions heimlich mitgeschnitten. Beim Zuhören ist es, als wäre man Ohrenzeuge nicht wiederholbarer Momente. Unendlichkeit und Geborgenheit sind für Big Thief kein Widerspruch.