Christoph Müller ist tot
: Ex-Verleger und Chefredakteur des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs starb am Dienstag

Er wusste seine Freiheiten zu nutzen: Der ehemalige Verleger und Chefredakteur des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs Christoph Müller starb am Dienstag mit 86 Jahren.
Von
Ulrich Janßen
Berlin/Tübingen
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Christoph Müller, Chefredakteur und Mit-Verleger des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs. Foto: Ulrich Metz

Christoph Müller, Chefredakteur und Mit-Verleger des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs.

Ulrich Metz
  • Christoph Müller, Ex-Verleger und Chefredakteur des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs, starb mit 86 Jahren.
  • Müller prägte die Zeitung über 35 Jahre und machte sie zu einer bekannten Lokalzeitung.
  • Er führte die tägliche Kommentarspalte "Übrigens" ein und engagierte sich stark in der Stadt.
  • 2004 zog sich Müller zurück und widmete sich in Berlin der Kunstsammlung.
  • Er erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter den Verdienstorden Mecklenburg-Vorpommern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Über 35 Jahre prägte er diese Zeitung und ein bisschen auch die Stadt, in der sie erschien. Christoph Müller, Mitverleger und Chefredakteur des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs, ist am Dienstagmorgen in Berlin nach einem Schlaganfall friedlich gestorben. In seiner Zeit als Chefredakteur wurde das TAGBLATT zu einer der bekanntesten deutschen Lokalzeitungen. Er holte neue Leute, richtete das Blatt neu aus (der Name „Neckar Prawda“ rührt aus dieser Zeit) und trug mit vielen Artikeln zum Ruf des TAGBLATTS als einer unkonventionellen, anspruchsvollen und engagierten Lokalzeitung bei.

Müller war 1969, in der Hochzeit der Studentenbewegung, nach Tübingen gekommen. Grund war der Wunsch seines Vaters, der die Zeitung zusammen mit Will Hanns Hebsacker nach dem Krieg aufgebaut und lange geleitet hatte. Ernst Müller wollte, dass die Zeitung sich stärker öffnete für die politischen und kulturellen Entwicklungen im Gefolge der 68er und ernannte deshalb seinen gerade mal 30 Jahre alten Sohn zum Nachfolger.

Von Berlin zurück nach Tübingen

Christoph Müller, der damals als Redakteur beim Tagesspiegel die aufregenden Zeiten in Berlin hautnah mitbekam und genoss, zögerte zunächst, entschied sich dann aber, das väterliche Erbe anzunehmen. Das erste, was Christoph Müller als TAGBLATT-Chefredakteur einführte, war das „Übrigens“, die tägliche Kommentar- und Glossenspalte, die bis heute erhalten blieb, und die nicht zuletzt ihm selbst ein willkommenes Forum bot. Mit dem TAGBLATT mischte Müller fortan kräftig mit im politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt. Weil ihm die Zeitung zur Hälfte gehörte, konnte er sich dabei deutlich mehr Freiheiten herausnehmen als andere Chefredakteure.

In Müllers Zeit fiel unter anderem der durch einen TAGBLATT-Artikel ausgelöste Rücktritt von Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin. Seine große Liebe war aber immer das Theater, das er kritisch, kundig und mit großer Sympathie begleitete.

Leidenschaftlicher Kunstsammler und Stifter

2004 zog sich Müller zurück, verkaufte seine Anteile am Verlag und lebte fortan in Berlin, wo er sich besonders der Kunst widmete. Seine beeindruckende Sammlung alter niederländischer und dänischer Meister stiftete er 2013 und 2016 dem Staatlichen Museum in Schwerin, zuvor hatte er schon dem Kupferstichkabinett Berlin Hunderte von Zeichnungen und Grafiken aus dem 16. und 17. Jahrhundert übergeben.

2019 verlieh ihm Ministerpräsidentin Manuela Schwesig 2019 den Verdienstorden des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Im gleichen Jahr erhielt er aus der Hand von Boris Palmer die Uhland-Plakette der Stadt Tübingen.

Er wollte anders Zeitung machen als sein Vater

2004 verkaufte Christoph Müller seine Anteile am SCHWÄBISCHEN TAGBLATT. Wir dokumentieren hier den Artikel zu seinem Abschied im Wortlaut: „Bloß nicht wie der Vater Zeitung machen!