„Cats“ am Broadway
: Das Kult-Musical jetzt neu – statt Katzen queere Performer

Viele Millionen Menschen haben das Musical von Andrew Llyod Webber gesehen. Jetzt hat in New York eine Neuinszenierung Premiere. Wieder ein Publikumsmagnet?
Von
Anne Pollmann, dpa
New York
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Das Musical „Cats: The Jellicle Ball“

Schillernde Performer: Das Musical „Cats: The Jellicle Ball“

Matthey Murphy/Evan Zimmerman/dpa
  • Broadway-Neuinszenierung „Cats: The Jellicle Ball“ rückt Ballroom- und Queer-Kultur ins Zentrum.
  • Statt Katzen treten Performer auf, der Schrottplatz wird zum Laufsteg – mit Webbers Zustimmung.
  • Originaltexte nach T. S. Eliot bleiben, Kostüme zitieren Fell, Krallen und Schwänze nur noch dezent.
  • Die Show versteht sich als Hommage und betont Ballroom als Kunstform neben der Hochkultur.
  • Premiere im Broadhurst Theatre am 7. April – zuvor als Off-Broadway-Produktion gefeiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Kaum ein Broadway-Start wurde zuletzt so heiß erwartet: In New York feiert eine Neuinszenierung des Musical-Hits „Cats“ Premiere – und rückt statt Katzen queere Kultur in den Mittelpunkt. In „Cats: The Jellicle Ball“ treten schillernde Performer an die Stelle der Tiere, der Schrottplatz wird durch einen Laufsteg ersetzt – alles mit dem Segen von Musical-Papst Andrew Lloyd Webber.

Das Stück hat das Kultmusical auf die sogenannte Ballroom-Kultur umgemünzt – eine ab den 1960er Jahren in New York entstandene, queere Subkultur der afro- und lateinamerikanischen LGBTQIA+-Community. In Wettkämpfen wird hier über Outfits und Tanz gerichtet und um Trophäen gerungen. Die sogenannten Balls waren ursprünglich ein Ort für Menschen, die anderswo nicht willkommen waren. Die Parallele zum Plot des Original-Stücks, in dem Straßenkatzen um die Wiedergeburt in ein neues, besseres Leben in einem Wettbewerb antreten, ist dabei unübersehbar.​

Die Original-Skripte wurden übernommen, wie sie sind – und hätten perfekt auf die Ballroom-Kultur gepasst, sagte Chasity Moore, die die Glamourkatze Grizabella spielt, in einem Podcast. Die Charaktere sind geblieben, auch wenn man in den Kostümen nur noch Referenzen zum Original findet – Fellöhrchen, Krallen und ein paar Schwänze. Die Texte basieren auf den Gedichten von T. S. Eliot in „Old Possums Katzenbuch“.​

Eine Hommage an das Original

„Cats“ kam 1982 auf die Bühne in New York. Die Ballroom-Szene stand damals in voller Blüte – unweit vom Broadway, aber weitab von jeglicher Anerkennung in der sogenannten Hochkultur. Das Stück sei darum nicht nur eine Hommage an das Original, sondern zeige auch, dass Ballroom einen Platz als Kunstform neben allen anderen verdiene, sagte Direktor Zhailon Levingston in einem Interview des Senders „NPR“.​

Die Ballroom-Kultur hat in den vergangenen Jahren verstärkt Anerkennung in der breiteren Öffentlichkeit gefunden – auch durch ihre Darstellung in Film und Fernsehen, etwa in der Serie „Pose“, die Ballroom einem globalen Publikum näherbrachte und ihre kulturelle Bedeutung neu ins Zentrum rückte. Auch der mit dem Ballroom verbundene Tanzstil Voguing hat es mittlerweile zu einer Art Bekanntheit im Mainstream gebracht. Die Dokumentation „Paris Is Burning“ hat die Szene bereits Anfang der 1990er Jahre im Film verewigt. Das Erbe hält auch die Broadway-Produktion in zahlreichen Referenzen an Milieu-Größen hoch.

Andrew Lloyd Webber

Der Schöpfer von „Cats“: Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber

Gustavo Valiente/EUROPA PRESS/dpa

Das Stück ist in vielerlei Hinsicht ein Stilbruch – unter anderem, weil es während der Vorführung auch mal zu einem spontanen Party-Ausbruch kommen kann. Das Publikum kommt vorbereitet, teilweise mit schrillen Outfits und allerlei Utensilien ausgestattet, wie zum Beispiel Fächern, die beim schnellen Auf- und Zuschlagen laute Klack-Geräusche produzieren. Das „Fan-Clacking“ ist fester Bestandteil der LGBTQ+-Ballroom- und Rave-Szene.

Die Adaption des Musicals „Cats“ reiht sich ein in eine Serie von Revivals des Werkes des erfolgreichen Musical-Schöpfers Andrew Lloyd Webber. Webber, auf dessen Genie auch „Jesus Christ Superstar“, „Starlight Express“ und das „Phantom der Oper“ zurückgehen, hat mit seinen Shows über Jahre die großen Bühnen am Broadway und im Londoner West End bespielt.

Die Verfilmung war ein Flop

Dabei war es auch indirekt das Musical „Cats“, das dem Ansehen des Hit-Autors einen Knick einbrachte. Tom Hoopers missglückte „Cats“-Verfilmung 2019 legte einen Schatten über den jahrzehntelangen Kassenschlager. Er habe sich einen Hund anschaffen müssen, um über den Flop des Katzenmusicals hinwegzukommen, sagte Webber in einem Interview kürzlich scherzend.

Für die Neuinszenierung wird das wohl nicht nötig sein. Das Stück wurde bereits als Off-Broadway-Produktion gefeiert. „Selten habe ich erlebt, dass ein Publikum mit so viel Freude und Liebe reagiert“, sagte Webber damals laut einem von mehreren Medien zitierten Statement. „Die Atmosphäre war schlichtweg elektrisierend. „Cats“ und die Ballroom-Kultur entstanden beide in derselben Ära, und ich bin hocherfreut, dass sich ihre Wege all diese Jahre später nun erneut kreuzen.“

Das von Zhailon Levingston und Bill Rauch inszenierte Stück hat am 7. April seine offizielle Broadway-Premiere im Broadhurst Theatre.