Bücherverrisse im Netz
: „In meinen Augen sehr teures Klopapier“

Literaturkritik von ganz unten: „100 Seiten sind genug“ ist eine amüsante Sammlung mieser Bücher-Bewertungen – geschrieben überwiegend von einer Gruppe.
Von
Marcus Golling
Ulm
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Elias Hirschl u.a.: 100 Seiten sind genug. Weltliteratur in 1-Stern-Bewertungen. Jung und Jung, 100 Seiten, 12 Euro.

Elias Hirschl u.a.: 100 Seiten sind genug. Weltliteratur in 1-Stern-Bewertungen. Jung und Jung, 100 Seiten, 12 Euro.

Jung und Jung
  • "100 Seiten sind genug" sammelt 1-Stern-Bewertungen von Klassikern.
  • Kritiken stammen oft von Schülern, die Schullektüren schlecht bewerten.
  • Bücher wie "Effi Briest" und "Der Besuch der alten Dame" werden hart kritisiert.
  • Amüsantes Buch, aber nach 100 Seiten ist der Witz vorbei.
  • Elias Hirschl schrieb das Vorwort; Verlag: Jung und Jung, 100 Seiten, 12 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wenn ihr absolut keine Freunde habt und auch nichts im Leben zu tun habt was euch glücklich stellen könnte und ihr schon alle anderen Bücher der Welt gelesen habt, erst dann würde ich euch empfehlen diesen Mist zu lesen.“ Man könnte, oft genug auch auf Bestseller-Listen, Bücher finden, über die sich so schimpfen ließe. Aber über „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt? Aber auch „Effi Briest“ ist ja ein „Bollwerk der Langeweile“, der gute „Homo faber“ nur „pervers und unnütz“, selbst Kafkas „Die Verwandlung“ leider „sehr teures Klopapier“. Die Wertung jeweils: einer von fünf Sternen, wahrscheinlich, weil null leider nicht möglich waren.

„100 Seiten sind genug. Weltliteratur in 1-Stern-Bewertungen“ heißt der amüsante Band, in dem Salzburger Verlag Jung und Jung eine Auswahl von dem zusammengetragen hat, was Menschen im Netz über Bücher schreiben, die andere für Meisterwerke halten: von Klassikern wie Büchners „Woyzeck“ („Es ist ein Fragment! Warum sollte man es also lesen?“) bis zu David Foster Wallace mit „Unendlicher Spaß“ („eine richtige Spaßbremse“). Hier stellt sie sich auf, die Amazon-Schattenarmee gegen die Denis Schecks dieser Welt.

Das Schöne am Internet ist ja: Jeder darf mitmachen. Leider machen auch fast alle mit, vor allem beim Bewerten. Ob man ein Hotel sucht oder einen neuen Küchenmixer: Bei und demselben Angebot kommentieren manchmal sowohl übergeschnappte Jubelperser als auch bösartige Scharfschützen, aus welchem Interesse auch immer.

Im Fall von „100 Seiten sind genug“ ist die Motivation hinter den Verrissen einfach erkennbar: Meistens kotzen sich Pennäler über Schullektüren aus, überwiegend rüpelhaft, manchmal auch sehr gymnasiastisch: Man könne „Theodor Fontane ein stilistisches und literarisches Können sondergleichen gar nicht absprechen“, schreibt einer gönnerhaft. „Die Räuber“ hingegen weisen „viele inhaltliche Diskrepanzen“ auf. Schiller wird es verkraften.

Es ist vergnüglich, durch die Tiraden zu A wie Auster bis Z wie Zweig zu blättern. Dieses Buch (für das Elias Hirschl ein Vorwort geschrieben hat) verdient statt einem eher drei bis vier Sterne: Nach 100 Seiten ist der Witz dann doch auserzählt. Wer aber noch mehr Schülerschimpfe braucht, kann die Google-Bewertungen des Stuttgarter Kultusministeriums („an Inkompetenz nicht zu überbieten“) durcharbeiten. Aber immerhin: 1,2 Sterne im Schnitt.