Buchpreis für Ulmerin
: Frieda Paris in Wien für Debüt „Nachwasser“ ausgezeichnet

Überraschung in Wien: Die gebürtige Ulmerin hat den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises gewonnen. Die Jury nennt ihr erstes Buch ein „Wagnis“.
Von
Marcus Golling
Wien/Ulm
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Die Schriftstellerin Frieda Paris wurde in Ulm geboren und ist in Wien zuhause.

Die Schriftstellerin Frieda Paris wurde in Ulm geboren und ist in Wien zuhause.

El Menges
  • Frieda Paris gewinnt den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises für „Nachwasser“.
  • Preisverleihung am 18. November 2024 im Wiener Odeon Theater.
  • „Nachwasser“ ist ein Langgedicht und eine Mischung aus Erinnerungen und Recherchen.
  • Jury lobt Paris' Mut und experimentellen Stil.
  • Der Hauptpreis ging an Reinhard Kaiser-Mühlecker für „Brennende Felder“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Ziel des Österreichischen Buchpreises sei es, so heißt es auf der Website, „die Qualität und Eigenständigkeit der österreichischen Literatur zu würdigen und ihr im gesamten deutschsprachigen Raum die gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen“. Der Ausweis der Nominierten wird dabei aber nicht geprüft, denn in diesem Jahr ging der mit 10.000 Euro dotierte Debütpreis an die gebürtige Ulmerin Frieda Paris für „Nachwasser“. Am Montagabend (18. November 2024) fand die Verleihung vor rund 300 geladenen Gästen im Wiener Odeon Theater statt.

Die 38-Jährige Schriftstellerin lebt selbst seit vielen Jahren in der Donaumetropole und fühlt auch der dortigen Szene zugehörig. „Mein literarisches Schaffen hat erst in Österreich richtig begonnen und dort Wurzeln geschlagen“, sagt sie im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE am Morgen nach der Gala. Der Abend, zu dem auch ihre Eltern angereist seien, sei „fantastisch“ gewesen. Sie habe gemeinsam mit dem übrigen Publikum von ihrem Erfolg erfahren.

Frieda Paris, mit bürgerlichem Namen Friederike Schempp, war eine von drei Nominierten. Sie war in den vergangenen Jahren bereits durch Gedichte sowie mehrere Hörspiele für den „Deutschlandfunk Kultur“ aufgefallen. Im Frühjahr 2024 erschien mit „Nachwasser“ (Edition Azur bei Voland & Quist, 136 Seiten, 22 Seiten) ihr erstes Buch, ein Langgedicht, eine Mischung aus Erinnerungen, Notizen, und Recherchen, vor allem über ihre „Wortmutter“, die Dichterin Friedrike Mayröcker.

Dieses „Wagnis“ lobte die Buchpreis-Jury in ihrer Begründung: „Wer schon traut sich mit dem Debüt auf die spiegelglatte Fläche autopoetischer Lyrik und poetologischer Reflexion, setzt sich ungeschützt aus? Paris. Sie erkundet das Schreiben beim Schreiben, zieht uns in diesen Prozess hinein, hält auf uns zu und stürzt – nicht.“ Der Text entstamme einem „Eintauchen in viele Quellen“, das Ich finde reichhaltiges Wortmaterial, das am „poetischen Schneidetisch“ montiere: „Erinnerungsspuren von Liebe und Verlust werden gekonnt versetzt mit Fundstücken einzelner Wortväter (…) vor allem aber vieler Wortmütter (…) – und eine poetische Antwort auf die Frage gegeben: Was darf ein Gedicht? Alles.“

2025 geht es wieder an den „Schneidetisch“

Die so gelobte Autorin sieht in der Auszeichnung nicht nur ein Statement für ihr Buch, sondern auch für die Arbeit eines unabhängigen Verlages. Sie freue sich über die „Hinwendung zur experimentelleren Formen“. Das Preisgeld gebe ihr die Möglichkeit weiterzuarbeiten. Dieses Jahr stünden noch einige Lesungen an, im nächsten Jahr werde sich sich dann wieder an den „Schneidetisch“ setzen. „Nachwasser“, das Frieda Paris auch schon mit einer Lesung beim Internationalen Donaufest 2024 in Ulm präsentierte, ist der Autorin zufolge bereits nachgedruckt worden, die zweite Auflage befinde sich in der Auslieferung.

Der mit 20.000 Euro dotierte Hauptpreis beim Österreichischem Bundespreis, der seit 2016 vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und der Arbeiterkammer Wien ausgerichtet wird, ging an Reinhard Kaiser-Mühlecker für den Roman „Brennende Felder“.