Ausstellung: Madonna, Merkel, Milchpumpe

"Mama", Kinderstar Heintje besingt 1967 seine Mutter. Im Düsseldorfer Kunstpalast ist die Ausstellung "Mama. Von Maria bis Merkel" zu sehen.
Hans-Juergen Bauer/epd- Die Ausstellung "Mama. Von Maria bis Merkel" im Düsseldorfer Kunstpalast zeigt Mutterbilder in Kunst und Kultur.
- Werke von Paula Modersohn-Becker bis zu popkulturellen Exponaten wie Heintjes Lied "Mama" sind zu sehen.
- Die Schau umfasst acht Themenräume, darunter historische Babyflaschen und eine Brustpumpe aus den 1950er Jahren.
- Geöffnet bis 3. August. Ziel: Vielfalt und Wandelbarkeit von Mutterbildern darzustellen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Lediglich eine Minute und 42 Sekunden dauert der Zusammenschnitt von Auszügen aus Dankesreden bei Oscar-Verleihungen, doch wird unmissverständlich klar, wer für die Schauspieler und Schauspielerinnen die wichtigste Person in ihrem Leben ist. Tief bewegt und tränenreich bedankt man sich bei der Mom.
Auch der Künstler Aldo Giannotti hat seiner vermeintlichen Mutterliebe Ausdruck verliehen. Er gab ihr ein Schild mit dem Schriftzug „Mom“ in die Hände, dann ließ er sie an den Füßen aufgehängt von der Decke baumeln – und siehe da: Jetzt liest man „Wow“ auf dem Schild. Nicht immer ist die Beziehung zur eigenen Mutter von so eindeutiger Emotionalität und zum Glück ist die künstlerische Beschäftigung nur selten von so bemühter Originalität. „Die Mutterrolle zerfällt schnell in verschiedene, sehr individuelle Perspektiven, die jedoch in der Kulturgeschichte tief verbunden sind.“ Diese nicht überraschende These leitet die Ausstellung „Mama – Von Maria bis Merkel“ ein, die der Düsseldorfer Kunstpalast zusammengestellt hat.
Kunst und Kulturgeschichte werden in acht kunterbunten Kapiteln so eng geführt, dass neben Bildern von Paula Modersohn-Becker, in denen die jung verstorbene Künstlerin das Muttersein behandelt, Babyflaschen aus verschiedenen Jahrhunderten bestaunt werden dürfen. In diesem „Care-Arbeit“ genannten Themenraum, sieht man auch eine vielgestaltige Geburt Marias aus dem Florenz des 16. Jahrhunderts, bei der der Vater eine Randerscheinung bleibt. Einen Schritt weiter dokumentiert die Brustpumpe die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Der Einsatz der Maschine ermöglichte die Lagerung der Muttermilch, was zu größerer Mobilität führte.

Der Sessel „La Mamma“ von Gaetano Pesce, Fotografien von Leigh Ledares und das Bild „Hemmung: Deine Mutter anrufen und aufegen“ von Lara Jordan (oben) sind in der Ausstellung „Mama. Von Maria bis Merkel“ im Museum Kunstpalast zu sehen.
Rolf Vennenbernd/dpaWarum sich die drei Kuratorinnen nicht auf Kunst fokussierten, sondern kulturgeschichtliche Exponate, zu denen auch Puppenküche, Gebärstuhl und Kinderleine gehören, dazu gruppierten? Nach mehreren Ausstellungen, die sich dem Thema Mutter in den letzten Jahren gewidmet hatten, wollten sie offensichtlich den Blickwinkel erweitern. Was dazu führt, dass man beim Bummel durch Themen und Jahrhunderte – das älteste Exponat, eine Muttergottes, stammt aus dem 14. Jahrhundert – den Eindruck gewinnt, als wäre die Ausstellung für (jüngere) Menschen gemacht, deren Aufmerksamkeitsgrenze schnell erreicht ist und die möglichst viel Abwechslung brauchen. Nur: Ein Museum ist kein Handy.
„Unbeschreiblich weiblich“
Popkulturell startet der Rundgang, Heintje schnulzt „Mama“, und wer nicht die Flucht ergreift, erfährt, dass das Lied, in dem sich ein Sohn von seiner Mutter verabschiedet, im Zweiten Weltkrieg Titelsong eines deutsch-italienischen Films war. Dann hat die kinderlose „Mutti“ Angela Merkel in der Rubrik „Die gute Mutter“ einen großen Auftritt. Man passiert ein raumhohes Regal mit Ratgeber-Literatur und den halbdunklen Saal mit 267 aufgebrochenen Eiern an der Decke. Sie sollen die ungenutzten Möglichkeiten einer Frau, Mutter zu werden, symbolisieren. Die Installation von Marta Jovanović ist Auftakt zum Themenraum „(K)Ein Kind bekommen“.
Hier reicht die Spannweite der Exponate von Dürers Zyklus „Marienleben“ bis zum „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“, im Volksmund „Karnickelkreuz“ genannt, das die Nationalsozialisten in Gold, Silber und Bronze an Frauen mit mindestens vier Kinder verliehen haben. In „Unbeschreiblich weiblich“ (1978) singt Nina Hagen: „Ich wollt’s nicht haben, musste gar nicht erst nach fragen.“ Dagegen diagnostiziert Barbara Kruger 1989 in ihrem Plakat für legale Abtreibung und Frauenrechte: „Your body is a battleground“. Das gilt leider auch heute noch. Selbstbestimmung und Ohnmacht liegen oft nah beieinander.
Vom mütterlichen Ideal der Hausfrau, das sich im 19. Jahrhundert etabliert hatte und aktuell ein Comeback erfährt, bis zum Feminismus, von „Nähe“ zu „Mutterseelenallein“, wie zwei weitere Sektionen betitelt sind – die Schau ist fast so vielschichtig wie die Mutterbilder in Vergangenheit und Gegenwart. Hier eine innige Familie von Käthe Kollwitz, daneben eine trauernde „Kindesmörderin“ aus dem späten 19. Jahrhundert von Gabriel von Max sowie Egon Schieles „Tote Mutter“ mit Neugeborenem.
Sumi Anjumans, Künstlerin aus Bangladesch, zeigt einen Landsmann, der ein Baby in den Händen wiegt. Die Fotografie „I am the mother too“ erzählt vom Kinderwunsch queerer Menschen. Es bedarf keiner Schwangerschaft, um mütterlich zu sein. Maria mit Kind, das christliche Ideal von Mutterschaft, war der Ausgangspunkt. Heute zeigt Elina Brotherus im Selbstbildnis mit Dackel im Arm diesen Erwartungen den ausgestrecktem Mittelfinger.
Von Malerei bis Fotografie
Der Kunstpalast Düsseldorf widmet sich in einer umfassenden Ausstellung den vielfältigen Vorstellungen davon, was es heißt, eine Mutter zu haben, zu werden oder zu sein. Die Ausstellung Von Maria bis Merkel“ läuft bis 3. August. Das Spektrum der Schau umfasst neben Malerei und Skulptur, Videoinstallationen und Fotografie auch Dinge des täglichen Gebrauchs sowie Musik und kommerzielle Bildwelten. Bezüge zwischen den Werken offenbaren Kontinuitäten, aber auch die Wandlungsfähigkeit von Mutterbildern, die immer wieder angeeignet, neu interpretiert, umkämpft und gefeiert werden.
