Ausstellung in Ulm: Stefan Bircheneder versteckt in jedem Spind ein ganzes Leben

Alles gemalt: Dieser Dreier-Spind von Stefan Bircheneder und Sprayer CURT begrüßt die Besucher am Galerieeingang.
Galerie Tobias Schrade- Ausstellung „Letzte Schicht“ in der Galerie Tobias Schrade in Ulm zeigt Bircheneders Werke.
- Der 1974 geborene Illusionsmaler zeigt Spinde, Geräte und Fabrikdetails einer endenden Arbeitswelt.
- Fotorealistische Technik trifft auf erzählerische Motive – oft ohne Menschen, doch voller Hinweise.
- Spind-Serien mit CURT, Rolladenspinde, „Leitzkultur“, Fliesenstücke und Arbeitsschutzplakate sind zu sehen.
- Laufzeit bis 11. Juli 2026 – ein gleichnamiges Kunstbuch ist erschienen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Heute hat man das ja nicht mehr im Betrieb, so einen rostigen Spind. Die effiziente Büromaus arbeitet papier- und anspruchslos und schiebt ihren Laptop nach Feierabend platzsparend ins schlitzgroße Regalfach. Selbst in der Industrie schaut es allmählich so keimfrei aus, als hätte eine KI die Szenerie errechnet.
Stefan Bircheneder malt also eine im Untergang begriffene Welt, die von Menschen, die mit öligen Händen von zwei Wochen Jahresurlaubsglück in der Sonne tagträumen. Die Menschen selbst malt er aber nicht. „Letzte Schicht“ heißt die aktuelle Ausstellung des Künstlers in der Galerie Tobias Schrade in Ulm. Und für die müsste man den Niederbayern mindestens zum „Mitarbeiter des Monats“ küren.
Angsteinflößend fotorealistisch
Der 1974 geborene Bircheneder hat nicht nur Sammler, sondern Fans. Er ist ein brillanter Illusionsmaler, seine Darstellungen von bröckelnden Gebäuden sind angsteinflößend fotorealistisch, seine Fabrikuhren oder Wasserwaagen verblüffend. Doch er ist auch ein warmherziger Erzähler, und das kann er am besten mit seinen Spind-Bildern, die jetzt in der Ulmer Galerie (vor der passenderweise gerade eine Baustelle ist) im Zentrum stehen.
Von denen hat der regelmäßig in Museumsausstellungen vertretene Bircheneder mittlerweile mehr als 70 geschaffen, teils in Kooperation mit Sprayer Rayk Amelang alias CURT. In einem hängt ein „Superman“-Kostüm, die Prostata-Pillen im oberen Fach verraten, dass es mit den Superkräften nicht mehr weit her ist. Neu sind kleine Rolladenspinde. Da stecken im Fach der „Mutterherz“-Groschenroman und selbst bespielte Kassetten, „Pack Sony in den Walkman“ sagt ein Aufkleber.
Ergänzt wird die Auswahl um „Fliesenstücke“, „Leitzkultur“-Regalbretter, Notausgangsschilder und die neue Serie der Arbeitsschutzplakate nach Vorlagen von anno dazumal. „Prüft die Ketten“, steht auf einem. Achtung Gegenwart: Man könnte das auch politisch verstehen.
Bis 11. Juli 2026 (Mi-Fr 13-18, Sa 11-15 Uhr). Zur Ausstellung „Letzte Schicht“ ist ein gleichnamiges Kunstbuch erschienen (Amarto Verlag, 214 Seiten, 40 Euro).

