„Aurora“ von Yes
: Konsequent gegen den Streaming-Zeitgeist

Renaissance-Fanfaren, Beach-Boys-Gesang und Hardrock: Die Prog-Helden Yes bewegen sich auf ihrem neuen Album selbstbewusst durch die Musikgeschichte.
Von
Christoph Alexander Schmidberger
Ulm
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Yes: "Aurora" (InsideOutMusic/Sony)

Yes: „Aurora“ (InsideOutMusic/Sony)

InsideOutMusic
  • Yes veröffentlichen „Aurora“, ihr 24. Studioalbum seit Bandgründung 1968.
  • Die Band vereint Elemente aller Phasen – ohne bloße Kopie einzelner Abschnitte.
  • Steve Howe führt ein stabiles Line-up mit Folk- bis Hardrock-Gitarren und verspielten Synths.
  • Geoff Downes teilt sich Räume mit Orchesterparts; „Ariadne“ eröffnet mit Fanfaren.
  • Langer Track „Countermovement“ und Beach-Boys-Anklänge – produziert gegen Streaming-Zeitgeist.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ist man wie Yes ein Fixstern am Himmel des Progressive Rocks, verkraftet man eine mehr als zehnjährige Aufnahmepause (2000 bis 2011) mit dem Weggang des eigentlich unersetzbaren Jon Anderson (81) genauso wie den krankheitsbedingten Verlust von Gesangsnachfolger Benoît David oder den Wandel musikalischer Trends. Nun folgt mit „Aurora“ (InsideOut/Sony Music) das sage und schreibe 24. Studioalbum seit Bandgründung 1968, nunmehr das dritte Album in weniger als fünf Jahren, das eine Band mit neu gewonnenem Selbstbewusstsein zeigt.

Zu diesem Selbstbewusstsein gehört das Wissen um die eigene Vergangenheit, in der man mit ausufernden Prog-Platten wie „Tales From Topographic Oceans“ 1973 in England, wo man sowieso regelmäßig in den Top-10 zu Gast war, die Spitze der Hitparade stürmte, was dann 1983 mit der Single „Owner Of A Lonely Heart“ auch in den USA gelang. Elemente aller Bandphasen finden sich auch auf „Aurora“, ohne einen bestimmten Abschnitt bloß zu kopieren.

Bewusst vertrackte Rhythmen

Gitarrist und Produzent Steve Howe (79) hat ein stabiles Line-up gefunden, das Yes nach wie vor wie kaum eine andere Band klingen lässt: Gitarren zwischen Folk, Western und Hard Rock, dazwischen verspielte Synthiekleckse, ein pumpender Bass (Billy Sherwood) und mitunter bewusst vertrackte Schlagzeugrhythmen (Jay Schellen), über denen die ätherische Stimme von Jon Davison schwebt. Und alles konsequent wider den musikalischen Zeitgeist der Streaming-Algorithmen produziert.

Für die betörende Himmelfahrt des Titelstücks und das mit Renaissance-Fanfaren eröffnete „Ariadne“ muss sich Tastenkünstler Geoff Downes (73) den Platz mit filmischen Orchesterparts des Czech National Symphony Orchestra teilen, Letzteres greift die Geschichte von Theseus‘ Kampf gegen den Minotaurus auf. Dazu Gesangsmelodien im Stil der Beach Boys („Outside The Box“) und mit „Countermovement“ ein fast 14-minütiges Epos – Yes hissen schon mal die Segel für die nächsten 50 Jahre.