Altes Theater Ulm
: Aus dem Leuchtrahmen der Geschichte gestiegen

Was würde der ukrainische Nationalheld Taras Schewtschenko zur Entwicklung seines Landes sagen? Eine Theaterproduktion versuchte diese Fragen im Alten Theater zu beantworten.
Von
Marcus Golling
Ulm
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Dmytro Balashov (links) und Oleksandr Palamarchuk beschäftigten sich im Theaterstück „Shevchenko in da House" höchst lebendig mit der verdammt bitteren Wahrheit in der Ukraine.

Dmytro Balashov (links) und Oleksandr Palamarchuk beschäftigten sich im Theaterstück „Shevchenko in da House" höchst lebendig mit der verdammt bitteren Wahrheit in der Ukraine.

Udo Eberl
  • "Shevchenko in da House" thematisiert bittere Wahrheiten über die Ukraine.
  • Theaterstück von Olga Annenko im Alten Theater Ulm.
  • Schewtschenko wird mit modernen Realitäten konfrontiert.
  • Stück zeigt Einfluss von Schewtschenkos Werk "Kobsar".
  • Publikumsreaktion und Beifall betonten die emotionale Tiefe.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Shevchenko in da House – Diese verdammt bittere Wahrheit“. So der Titel des multimedialen Theaterstücks, das an zwei Abenden im Alten Theater in der Originalfassung der Autorin Olga Annenko zu erleben war. Und bittere Wahrheiten gab es in dieser Inszenierung, die von der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm e.V. nach Ulm geholt worden war, jede Menge. Man konnte so einiges über die Seelenlage eines Landes erfahren, dass nicht erst seit dem Angriffskrieg Russlands um seine unverrückbare Unabhängigkeit und Freiheit kämpft — und dies auf der Bühne und wegen der Reaktionen im Publikum.

Wer des Ukrainischen nicht mächtig war, musste sich wegen der selten zum szenischen Verlauf passenden und inhaltlich extrem reduzierten Übersetzungen via Bildschirm allerdings an einer Sprachbarriere entlanghangeln. Einblicke in den Wortwitz und satirische Zuspitzungen im Dialog der beiden Schauspieler blieben so leider auf der Strecke. Die große Liebe zum Volksdichter Taras Schewtschenko, der selbst heute noch Schülerinnen und Schülern zum Vorbild gereicht, weil er mit seiner bildhaften Poesie als Sinnbild des Widerstands und des Kampfes für die eigene Identität gilt, ließ sich allerdings leicht nachvollziehen.

Unermüdlicher Kämpfer für die Identität der Ukraine

Schewtschenko, als Leibeigener geboren und letztendlich von Sankt Petersburger Freunden freigekauft, war Dichter, Maler und selbst im Exil und als Rebell Inhaftierter ein unermüdlicher Kämpfer für die Identität der Ukraine. In der Inszenierung von Tetiana Hubrii vom Left Bank Theatre Kiew steigt Schewtschenko aus dem Leuchtrahmen der Geschichte und wird von einem Blogger zunächst mit Realitäten wie Selfies, veganem Essen und gewollter Kinderlosigkeit konfrontiert. Vor allem aber erfährt er, gespielt von Dmytro Balashov, welch kraftvollen Einfluss die Zeilen seines in der „bäuerlichen“ ukrainischen Sprache verfasstes Erstlingswerk „Kobsar“ bis heute haben sollen.

Das als Interview angelegte Stück, in dem Oleksandr Palamarchuk den befragenden Blogger und Fan gibt, ist eine auch projizierte Zeitreise durch die Geschichte Schewtschenkos und einer immer wieder unterjochten und besetzten Nation, die sich an den Gedichten Schewtschenkos aufgerichtet hat: „Wie fühlt sich ein ukrainisches Herz in einem fremden Land? Als ob es gestorben wäre.“ Der Beifall des überschaubaren Publikums ist groß, die Seele aufgewühlt, und da ist wieder der kollektive Ruf: „Ruhm der Ukraine.“