Album „Sable, Fable“: Bon Iver hat das Licht gesehen

Links das Cover von "Sable, Fable", rechts Musiker Justin Vernon.
Jagjaguwar/Graham Tolbert- Bon Iver veröffentlicht neues Album "Sable, Fable".
- Justin Vernon umarmt die Möglichkeit des Glücks, trotz melancholischer Töne.
- Entstehungsgeschichte: Entstanden 2022 im eingeschneiten Studio mit Jim-E Stack und Danielle Haim.
- Musikalische Vielfalt: Softrock, Hip-Hop, Gospel-Soul und Country-Funk-Pop.
- Melancholie bleibt, aber jetzt die eines reifen Mannes.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Gefühle? Jetzt bitte nicht. Man kann Justin Vernons lyrisches Ich in „Things Behind Things Behind Things“ verstehen. Denn wenn der Musiker aus dem US-Bundesstaat Wisconsin von Emotionen singt, wird es meistens schmerzhaft, genau das machte ihn zu einem internationalen Indie-Star. Sein Debüt als Bon Iver, „For Emma, Forever Ago“ (2007), alleine in einer Waldhütte aufgenommen, ist das bewegendste Break-up- und Selbstanklage-Album seiner Generation. Doch trotz drei weiterer Erfolgsalben, trotz Kooperationen mit Stars wie Kanye West (bevor der durchknallte) und sogar Taylor Swift (auf „Folklore“ und „Evermore“): immer wieder Panikattacken, Depressionen, Schaffenskrisen.
Alles auf Anfang also, zurück in die traurige Hütte, so könnte man zu Beginn des neuen Langspielers „Sable, Fable“ (Jagjaguwar/Cargo) glauben, wenn der inzwischen 44-jährige Vernon etwa im rein akustischen „Speyside“ nicht etwa den Whisky aus der gleichnamigen Region rühmt, sondern die eigene Unzulänglichkeit beklagt.
Das wäre wunderbar, so kristallklar und warm sind die ersten Songs. Aber es ist nur der Prolog für ein Werk, das eben kein Vollbad in der inneren Finsternis ist, sondern von der Möglichkeit des Glücks handelt. Mit vielen Höhen und kleineren Tiefen, auch musikalisch.
Eingeschneit im Studio statt alleine in der Hütte
Auch zu „Sable, Fable“, das erste Bon-Iver-Werk seit sechs Jahren, gibt es eine Ursprungslegende: Die Idee entstand im Februar 2022, als Vernon mit seinem Produzenten Jim-E Stack und Duettpartnerin Danielle Haim mehrere Tage in seinem Studio eingeschneit war. „If Only I Could Wait“ heißt der gemeinsame Song, mit weichen Harmonien und jubilierender Talk-Box-Gitarre: Die Liebe ist es wert, manches in Kauf zu nehmen.
Der Wiedererkennungseffekt ist sofort da, nicht nur wegen Vernons Stimme, die sich purer präsentiert als in der Vergangenheit. Vieles, was man von Bon Iver schon in Finster kennt, kommt auf dem Album leuchtend zurück, im Softrock von „Everything Is Peaceful Love“, im verschleppten HipHop-Beat von „Walk Home“, im Gospel-Soul von „Day One“. Der lebenssatte Country-Funk-Pop von „From“ dürfte allerdings Radiohörern wohl besser gefallen als alten Fans.
Zu viel gute Gefühle? Am Ende, wie soll es auch anders sein, steht doch wieder die Melancholie. Aber jetzt die eines weise gewordenen, reifen Mannes.

