Ernste Sache: Landtagspräsident Thomas Strobl (links) nimmt dem neuen Ministerpräsidenten Cem Özdemir den Amtseid ab.

Ernste Sache: Landtagspräsident Thomas Strobl (links) nimmt dem neuen Ministerpräsidenten Cem Özdemir den Amtseid ab.

Bernd Weißbrod/dpa

Nicht alle für einen

14. Mai 2026

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

gestern war der Landtag in Feierlaune. Um 12.06 Uhr legte der neue Ministerpräsident Cem Özdemir seinen Amtseid ab. Alles hat geklappt, das grün-schwarze Bündnis hat einen Koalitionsvertrag vereinbart, der selbst die Wirtschaft in Verzückung versetzt. Stefan Roell, Präsident der IHK in Baden-Württemberg, hatte bei einem Empfang in Weingarten am Abend zuvor über das Vertragswerk geschwärmt, das aus seiner Sicht ein großer Wurf sei. Das ist es auch – wenn dann das, was die beiden Pragmatiker ihren Parteien zumuten, auch in die Realität umgesetzt wird. Und das könnte – bei allen Vorschusslorbeeren – gelegentlich schwierig werden. Denn statt der 112 möglichen Stimmen bekam Özdemir gestern nur 93. Man muss kein Wahrsager sein, um zu vermuten, dass die Verweigerer aus dem CDU-Lager kamen. Noch immer sitzt unter den Abgeordneten der Frust tief, dass ihnen auf den letzten Metern der sicher geglaubte Sieg noch entrissen wurde. Alles wird das konservative Lager nicht geschlossen mittragen. Man sieht sich auf Augenhöhe und nicht als Mehrheitsbeschaffer der Grünen und ihres neuen Ministerpräsidenten. Doch die Mehrheit ist üppig, und zurzeit herrscht überall eitel Sonnenschein. Von schlechter Stimmung war gestern nichts zu spüren. Mal sehen, wie lange das grün-schwarze Hoch hält. Dem Land wäre zu wünschen, dass es die nächsten fünf Jahre stabil ist. Hier lesen Sie mehr.

Genießen Sie den Vatertag!

Ihr Ulrich Becker