
Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.
Bernd Weißbrod/dpaGanz Deutschland? Nein!
3. Mai 2026
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
die schwarz-roten Koalitionäre fetzen sich in Berlin, in den Sozialen Netzwerken geht man immer hemmungsloser aufeinander los, die Gräben zwischen den politischen Lagern sind tiefer denn je – ganz Deutschland ist zerstritten, könnte man meinen. Deprimierend.
Aber: Ganz Deutschland? Nein! Denn in Baden-Württemberg machen die Koalitionäre gerade vor, wie es anders geht. Trotz des erbitterten Streits in der Schlussphase des Wahlkampfes (Stichwort: Rehaugen-Video) hat man sich im Ländle zusammengerauft. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel hat die herbe (weil unerwartete) Niederlage zumindest nach außen hin in Rekordzeit verkraftet und eine konstruktive Rolle eingenommen, Grüne und CDU haben ohne große Störgeräusche einen Koalitionsvertrag verhandelt. Klar: Dieses Bündnis muss sich erst noch beweisen. Zum Start der Legislaturperiode gemeinsam in die Kameras zu lächeln, ist das eine, die Mühen einer gemeinsamen Regierung sind das andere.
Aber vielleicht kann Deutschland vom gallischen Dorf Baden-Württemberg in diesen Zeiten etwas lernen: Es bringt niemanden weiter, die Gegenseite zum Feindbild zu stilisieren. Unterschiedlicher Meinung zu sein, heißt nicht, dass man vom anderen nur das Schlechteste erwarten muss. Und maßlose Unterstellungen muss man in beiden Lagern nicht lange suchen (ein beliebiges Soziales Netzwerk aufzurufen, reicht bereits): Da werden Hagel aus einem anti-konservativen Reflex heraus Sympathien mit der AfD nachgesagt, obwohl er sich so konsequent und glaubhaft von der Partei abgrenzt, wie man es nur kann. Und was an Hass und Schwachsinn über den Grünen ausgekübelt wird, passt ohnehin auf keine Wildschwein-Haut (um unsere Gallier noch einmal zu bemühen).
Mit baden-württembergischer Bodenständigkeit ist derlei Unsinn nicht zu vereinbaren, findet
Ihre Judith Conrady





