US-Vize-Präsident JD Vance in Islamabad, wo die Friedensgespräche mit dem Iran vorerst erfolglos endeten.

US-Vize-Präsident JD Vance in Islamabad, wo die Friedensgespräche mit dem Iran vorerst erfolglos endeten.

JACQUELYN MARTIN/AFP

Aus dem Bauch heraus ins Debakel

12. April 2026

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

leider mal wieder keine guten Nachrichten am Montagmorgen. Die Friedensverhandlungen zwischen dem Iran und den USA sind vorerst gescheitert. US-Vizepräsident JD Vance sah beim Verlassen des Tagungsorts in Islamabad aus, als habe er kurz zuvor auf eine Zitrone gebissen. Sein Chef Donald Trump besuchte zur gleichen Zeit einen Käfigkampf in Miami.

Was ist los auf dieser Welt? Es ist komplex. Auch wenn das Handeln des narzisstisch veranlagten US-Präsidenten banal ist. Er habe den Angriff auf den Iran aus dem Bauch heraus, oder genauer „auf Fakten beruhendem Gefühl“ befohlen, ließ Trump seine Regierungssprecherin ausrichten.

Das ist nicht weniger als eine Katastrophe, wenn man wie der US-Präsident auf Fakten, Erfahrungen anderer und die Wissenschaft pfeift. Die alternativen Wahrheiten Trumps, der Mix aus Selbstüberschätzung und Ignoranz im Weißen Haus, haben die Welt wieder einmal ein ganzes Stück schlechter gemacht: Die Wirtschaft schlingert in eine globale Krise, die USA stecken in einem politischen Debakel.

Das rasche Scheitern der Verhandlungen war absehbar, weil sowohl die USA als auch der Iran für die andere Seite jeweils unerfüllbare Forderungen stellten. Trump ist ein Meister der Vergeltung.  Er  verhängt Zölle, droht, protzt, setzt Truppen in Marsch und will weltweit „Deals“ zu seinen Konditionen erpressen. Doch jetzt hat er sich verzockt. Schon alleine wegen drastisch sinkender Zustimmungswerte in den USA muss er nun sehen, wie er das Desaster beenden kann. Erneut mit der militärischen Brechstange? Oder in quälenden Gesprächen mit den Iranern, die erfahrungsgemäß knallhart bleiben, oder allenfalls millimeterweise einlenken werden?

Der aktuelle Konflikt in Nahost und das Verhalten des US-Präsidenten, der jetzt seinerseits die Straße von Hormus blockieren will, sollten eigentlich geeignet sein, die letzten europäischen Bewunderer des Trumpismus eines Besseren zu belehren. Was wir sehen, ist weder schlau noch konsequent. Trump stümpert – zu Lasten der Menschen im Iran und der Region. Aber um die ging es dem US-Präsidenten sicher noch nie.

Kommen Sie dennoch gut in die neue Woche!