Feiert sich für ein Desaster: Donald Trump.

Feiert sich für ein Desaster: Donald Trump.

Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Kann die Welt jetzt aufatmen?

8. April 2026

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

am Dienstag droht US-Präsident Donald Trump dem Iran mal eben mit Völkermord, am Mittwochmorgen läuft die Meldung über einen Waffenruhe-„Deal“ der US-Regierung mit dem Mullah-Regime über die Ticker – und man liest sie mit dem Gefühl: Es ist noch einmal halbwegs gut gegangen, weil immerhin die angekündigte Total-Eskalation ausgeblieben ist. Man sollte das bei aller Hektik der Nachrichtenlage für einen Moment ganz in Ruhe auf sich wirken lassen, denn es sagt sehr viel über den aktuellen Zustand der Welt aus. Und darüber, wie die – mit Verlaub – Shitshow des US-Präsidenten uns alle schon abgestumpft hat.

Nun aber zu den praktischen Folgen der jüngsten Wendung für die Welt: Die sind äußerst unklar. Trump versucht, den „Deal“ als Sieg zu verkaufen, in Wahrheit ist ihm sein Iran-Krieg nun endgültig um die Ohren geflogen, und das Regime in Teheran geht mit Maximalforderungen in die Verhandlungen um ein dauerhaftes Abkommen – „Deal-Maker“ Trumps Gespräche mit Putin, aus denen vor allem der russische Präsident als Gewinner herausging, lassen grüßen.

Das Atom-Programm des Irans ist vorerst nicht gestoppt, und die Entschlossenheit der Mullahs, Kernwaffen in ihrem Arsenal zu haben, dürfte eher noch gestiegen sein. Die Straße von Hormus, die vor wenigen Wochen noch frei passierbar war, will Teheran in eine Maut-Route verwandeln. Auf den Regime-Change im Iran, von dem Trump fabuliert, gibt es keine ernst zu nehmenden Hinweise. Und dass sich Trump mit seiner Völkermord-Drohung moralisch noch weiter als ohnehin schon ins Aus katapultiert hat, ist beinahe nur noch eine Fußnote – Stichwort: Abstumpfung.

Guido Bohsem und Ellen Hasenkamp aus unserer Hauptstadt-Redaktion ordnen ein, wo die USA, der Iran und die Welt jetzt stehen – und wie es weitergehen könnte.

Ich wünsche Ihnen – trotz allem – einen guten Start in den Tag!

Herzliche Grüße aus der Chefredaktion

Ihre Judith Conrady