Ein Tempolimit würde Energie sparen - auch, wenn es  nur für eine begrenzte Zeit gelten würde.

Ein Tempolimit würde Energie sparen - auch, wenn es  nur für eine begrenzte Zeit gelten würde.

Carsten Rehder/dpa

Auto-Tempo runter, Reform-Tempo rauf!

4. April 2026

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

Veronika Grimm gilt nicht gerade als eine Freundin oder gar Anhängerin der Grünen. Wenn die marktliberale „Wirtschaftsweise“ ihre Stimme erhebt und sich für ein allgemeines Tempolimit einsetzt, sollte man deshalb genau hinhören. Im Interview mit der „Rheinischen Post“ begründet sie dies gar nicht so sehr mit der möglichen Energieersparnis. Es sei vielmehr ein „kluges Signal“, damit die „Menschen die Situation ernst nehmen“. Nun kann man mit Blick auf die Preise an den Zapfsäulen nicht mehr sagen, dass die Situation nicht dramatisch sei, doch das Argument von Veronika Grimm trifft einen viel wichtigeren Punkt: Deutschland hat sich zum Vogel Strauß der internationalen Politik entwickelt. Wir stecken bei Krisen den Kopf in den Sand und hoffen, dass wir alles einfach unbeschadet überstehen. So war es lange Zeit in Fragen der Verteidigungsbereitschaft, so war es auch, bevor der Ukraine-Krieg uns in die Gaskrise stürzte, und so ist es auch beim Umbau unseres Sozialstaats. Die Bereitschaft zur Veränderung ist in diesem Land – gelinde gesagt – unterausgeprägt. Alle wissen zwar, dass sich etwas ändern muss – aber bloß nicht bei mir und schon gar nicht auf meine Kosten. Da ist der Vorschlag von Veronika Grimm nur ein laues Reformlüftchen, nicht mehr. Und angesichts der Verkehrslage (wie viele Osterurlauber sicher bestätigen können) nur eine Angleichung an die schleichende Realität auf Deutschlands Straßen. Hier lesen Sie mehr. Aber lassen Sie nach der Lektüre dieses wieder einmal unerquicklichen Morning Briefings die Sorgen für ein Wochenende einfach hinter sich. Genießen Sie die freien Feiertage, genießen Sie die Sonne, die uns endlich den Frühling beschert.

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

Ihr Ulrich Becker