Kleine Windanlagen: Windkraft für zuhause: Welche Möglichkeiten gibt es?

Eine kleine Windkraftanlage auf dem Hausdach.
Shutterstock/PetairWindräder gehören schon lange zum Landschaftsbild und liefern einen wichtigen Teil des Stroms aus erneuerbaren Energien. Dass Windkraft auch im Kleinen funktioniert, ist allerdings den wenigsten Menschen bekannt. Für Haus- und/oder Gartenbesitzer gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Energie des Windes selbst zu nutzen - vom kleinen Windgenerator auf dem Dach oder dem Balkon bis zur freistehenden Kleinwindanlage im Garten.
Kleinwindanlagen: Windstrom zuhause
Kleinwindanlagen sind deutlich kleiner als die bekannten Windräder aus Windparks und können, je nach Modell, auf Hausdächern, an Masten oder im Garten installiert werden.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Horizontalachsenanlagen und Vertikalachsenanlagen. Bei den Horizontalachsenanlagen drehen sich die Rotorblätter wie bei den großen Windrädern um eine waaerechte Achse. Vertikalachsenwindräder haben dagegen eine senkrechte Drehachse und können aus verschiedenen Windrichtungen arbeiten.
Auf Privatgrundstücken spielt vor allem der Standort der Anlage die entscheidende Rolle. Denn ein Windrad erzeugt nicht direkt viel Strom, nur weil es sich dreht. Gebäude, Bäume und andere Hindernisse können den Wind stark abbremsen oder verwirbeln.
Windkraft auf dem Dach
Die optisch komfortabelste Variante einer privaten Windanlage ist die Montage auf dem Hausdach. Technisch ist das grundsätzlich möglich - sofern einige Punkte beachtet werden.
Auf Dächern herrschen oft eher turbulente Windverhältnisse. Das kann die Leistung einer Windanlage verringern, und gleichzeitig zu Vibrationen führen. Hier ist es wichtig, die Statik des Hauses zu beachten, bevor etwas installiert wird. Zusätzlich kann es möglicherweise zu einer störenden Geräuschkulisse führen, und je nach Gemeinde müssen Genehmigungen dafür eingeholt werden.
Windrad im Garten
Auf Privatgrundstücken mit einer ausreichenden Größe kann eine Kleinwindanlage auch auf einem eigenen Mast installiert werden. Der Vorteil hierbei ist, dass der Rotor höher über dem Boden angebracht werden kann und somit eher in einer Zone mit einem gleichmäßigeren Wind stehen kann.
In besonderes dicht bebauten Wohngebieten ist der Wind allerdings häufig durch Häuser, Bäume und Hecken verwirbelt. Hier ist ein solches Windrad eher suboptimal. Auf freier Fläche, beispielsweise am Ortsrand oder in exponierter Lage herrschen für gewöhnlich deutlich bessere Windbedingungen.
Vor einer Anschaffung sollte deshalb nicht nur die Nennleistung des Windrads beachtet werden. Entscheidend ist, wie viel Strom die Anlage tatsächlich am eigenen Standort erzeugen kann.
Vertikale Windräder: Die kompakte Alternative
Eine andere Option sind vertikale Windkraftanlagen. Die Rotoren einer vertikalen Anlage drehen sich um eine senkrechte Achse. Dadurch können sie komplett unabhängig von der Windrichtung arbeiten. Meist kommen sie ebenfalls mit einer kompakteren Bauweise und vergleichsweise geringerer Geräuschkulisse aus. Die tatsächliche Leistung ist aber ebenfalls stark von den jeweiligen Windverhältnissen abhängig.
Kombination mit Photovoltaik
Besonders interessant wird es, wenn man sich Kombinationen aus Windkraft und Photovoltaik anschaut.Während eine reine Solaranlage vor allem tagsüber und in den sonnenreichsten Monaten Strom produziert, kann eine Windkraftanlage unabhängig von der Jahreszeit und auch nachts Energie liefern.
Daher ergänzen sich die beiden Anlagen oft optimal. Ein Batteriespeicher kann zusätzlich dazu beitragen, den selbst erzeugten Strom einzuspeichern und ermöglicht eine zeitversetzte Nutzung.
Genehmigungen und Nachbarschaft nicht vergessen
Neben der richtigen Technik spielt natürlich auch das jeweilige Baurecht eine wichtige Rolle. Welche Vorgaben für eine Kleinwindanlage gelten, hängt unter anderem vom Bundesland, Standort, Größe und Bauart der Anlage ab. Auch Abstände zu Nachbargrundstücken, Denkmalschutz, Naturschutz oder örtliche Bauvorschriften können individuell relevant sein.
Vor einer Installation sollte deshalb unbedingt geklärt werden, welche Anforderungen am konkreten Standort gelten.
Auch die direkte Nachbarschaft kann eine Rolle spielen. Geräusche, Schattenwurf und die optische Wirkung einer Windkraftanlage können Nachbarn stören und zu Streitigkeiten führen.
Wann lohnt sich Windkraft für zuhause?
Eine pauschale Antwort gibt es leider nicht. Entscheidend sind vor allem die Windgeschwindigkeit am Standort, die Höhe der Anlage, die mögliche Stromausbeute, die Anschaffungskosten und die rechtlichen Rahmenbedingungen.
Eine kleine Anlage mit hoher Nennleistung ist nicht automatisch wirtschaftlich. Die Nennleistung wird nämlich nur unter bestimmten Windbedingungen erreicht. Für die tatsächliche Stromproduktion ist deshalb das sogenannte Windangebot vor Ort wichtiger, als eine möglichst große Leistungsangabe am Gerät.
Eine individuelle Standortanalyse kann im ersten Schritt dabei helfen, die Stromproduktion mittels Windkraftanlage realistischer einzuschätzen. Im selben Zuge sollte ebenfalls geprüft werden, ob eine Photovoltaikanlage oder eine Kombination aus mehreren Technologien am jeweiligen Standort sinnvoller wäre.