Baden-Württemberg
: Mit Solarcarport Stellplatzflächen sinnvoll nutzen

AnzeigeStrom tanken, wo andere nur parken. Wer Photovoltaik auf dem Dach seines Carports verbaut, nutzt die Energie der Sonne, um das E-Auto zu laden und Strom für den Haushalt zu erzeugen.
Von
leane
Baden-Württemberg
3D-Planung eines Carports mit Solarmodulen auf dem Dach.

3D-Planung eines Carports mit Solarmodulen auf dem Dach.

Shutterstock/KB_3

Wer sein Auto täglich draußen abstellt, nutzt eine Fläche, die meist nur einem Zweck dient. Dabei lässt sich genau dort ein Platz schaffen, der das Fahrzeug schützt und gleichzeitig zum kleinen Kraftwerk wird. Immer mehr Hausbesitzer interessieren sich für diese Idee, denn Energiepreise, Elektromobilität und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit treiben das Thema voran. Doch bevor der erste Pfosten gesetzt wird, gibt es einiges zu klären. Dieser Artikel erklärt, worauf es ankommt.

Was ist ein Solarcarport?

Ein Solarcarport vereint einen wetterfesten Fahrzeugunterstand mit einer PV-Anlage zur Stromerzeugung. In der Regel besteht er aus einer Tragkonstruktion, mehreren Photovoltaikmodulen, einem Wechselrichter, Batteriespeicher und Ladepunkten für E-Autos.

Es gibt verschiedene Varianten des Solarcarports. Klassischerweise wird er in der privaten Nutzung vorwiegend als Einzelcarport genutzt. Es gibt aber auch Doppelcarports oder größere Parkplatzüberdachungen, die aber meist im gewerblichen oder öffentlichen Rahmen vorkommen.

Info: In Baden-Württemberg gilt seit dem 1. Januar 2022 eine gesetzliche Photovoltaikpflicht für neu errichtete gewerbliche Parkplätze ab 35 Stellplätzen.

Wieso lohnt sich ein Solarcarport in Baden-Württemberg?

Ein Solarcarport ermöglicht die Nutzung bereits versiegelter Flächen zur Stromerzeugung durch Sonnenenergie. In Kombination mit E-Autos ermöglicht er einfaches Generieren von Solarstrom, der das direkte Laden des Fahrzeugs ermöglicht. So kann der Netzstromverbrauch erheblich gesenkt werden. Mit der Gewinnung von Solarstrom durch Sonnenenergie leisten Besitzer außerdem einen Beitrag zum Klimaschutz. Ein Carport spendet Fahrzeugen außerdem Schutz vor starker Sonne, Regen, Schnee oder Hagel.

Was sollte man bei der Planung eines Solarcarports beachten?

  • Ausrichtung des Carports
  • Neigungswinkel des Daches zur optimalen Nutzung des Sonnenlichts
  • Verschattung durch Gebäude, Bäume oder benachbarte Anlagen
  • Größe und Tragfähigkeit der vorhandenen Stellplatzfläche
  • Netzanschluss
  • Entfernung zum Gebäude
  • Ertragsprognose und Eigenverbrauchsprognose
  • Vorgesehene Ladeleistung
  • Leitungswege und Kabelschutz
  • Entwässerungsmöglichkeiten über Dachrinnen und Fallrohre
  • Anschluss an Versickerungsmulde, Entwässerungsanlage oder gezielte Ableitung in Grünflächen

Braucht man für einen Solarcarport eine Baugenehmigung?

Grundsätzlich sind Carports und Solarcarports bauliche Maßnahmen für die eine Genehmigung vorliegen müssen. In der Regel benötigt man für einen Solarcarport für den privaten Gebrauch keine Baugenehmigung, solange die Fläche nicht die Obergrenze von 40 Quadratmetern, beziehungsweise 20 Quadratmetern im Außenbereich und die Bauhöhe nicht die maximale Höhe von drei Metern überschreitet, sollte keine Genehmigung erforderlich sein. Solange der Bebauungsplan der jeweiligen Gemeinde keine abweichenden Regelungen vorsieht. Ein Bebauungsplan kann festlegen:

  • Wo Carports errichtet werden dürfen.
  • Welche Höhen und Dachformen zugelassen sind.
  • Wie weit der Carport von den Grundstücksgrenzen entfernt stehen muss.
  • Ob Stellplätze oder Zufahrten begrenzt sind.
  • Welche Materialien und Farben für den Carport verwendet werden dürfen.

Gemäß der Landesbauordnung Baden-Württemberg Paragraf Sechs ist auch die Grenzbebauung zulässig, wenn die Gesamtlänge an der Grundstücksgrenze neun Meter nicht überschreitet. An allen Grenzen dürfen zusammengerechnet nicht mehr als 15 Meter bebaut sein. In jedem Fall sollten Grundstückseigentümer eine Anfrage beim Bauamt stellen und ihr Bauvorhaben prüfen lassen.

Besonders problematisch kann es werden, wenn das eigene Grundstück vom Denkmalschutz betroffen ist und in einem historischen Ortskern steht. Hier ist ebenfalls die Abstimmung mit der Gemeinde nötig.

Überkopf-Zertifizierung für Solarcarpot-Module

Wer einen Solarcarport installieren möchte, sollte bei der Planung beachten, dass Solarmodule unter denen man hindurchlaufen kann, besondere Auflagen erfüllen müssen. Laut dem Deutschen Institut für Bautechnik und der DIN 18008 müssen solche Solarmodule über eine Überkopf-Zertifizierung verfügen. Solche Module sind häufig kostenintensiver. Eine Alternative ist ein Sicherheitsnetz. Dieses fängt im Schadendfall Bruchstücke auf und erlaubt die Nutzung der meisten gängigen Solarmodule.

Ein Solarcarport kann mehr sein als ein Unterstand: Er ist eine clevere Möglichkeit, Platz doppelt zu nutzen und die eigene Energieversorgung ein Stück weit selbst in die Hand zu nehmen. Entscheidend ist eine gute Vorbereitung. Wer Standort, Technik und rechtliche Fragen frühzeitig klärt und sich im Zweifel beim Bauamt oder einem Fachbetrieb absichert, vermeidet böse Überraschungen. Dann steht dem Strom vom eigenen Dach nichts mehr im Weg.