Am Freitagnachmittag gegen 17 Uhr hat in Neu-Ulm eine große Razzia stattgefunden. Insgesamt rückten 150 Einsatzkräfte in die Asylbewerberunterkunft in der Reuttier Straße aus. Der Grund: Drogen und Diebstahl. Die Ermittlungen begangen bereits 2019.

Razzia in Neu-Ulm mit 150 Polizeibeamten aus Bayern war geplant

Die Großdurchsuchung war geplant, wie Polizeikommissar und Pressesprecher, Holger Stabik, bestätigte. Im Einsatz sind ausschließlich bayerische Beamte. Die Polizei Ulm ist nicht an der Aktion beteiligt.
150 Polizei Beamte aus Bayern sind am Freitag bei einer Drogen-Razzia in der Asylbewerberunterkunft in Neu-Ulm in der Reuttier Straße im Einsatz.
150 Polizei Beamte aus Bayern sind am Freitag bei einer Drogen-Razzia in der Asylbewerberunterkunft in Neu-Ulm in der Reuttier Straße im Einsatz.
© Foto: Jannis Kajerski

Drogen und Diebesgut sichergestellt, eine Person verhaftet

Update, 9. Oktober 2020, 20.10 Uhr: In den Ermittlungen der vergangenen Monate konnte die Polizei diverse Straftaten, wie Rauschgift- und Eigentumsdelikte, feststellen. Diese Fälle im Zusammenhang mit Drogen und Diebstahl konnten alle mit der Asylbewerberunterkunft in Verbindung gebracht werden. Mehrere gestohlene Fahrräder wurden bei Kontrollen im Stadtgebiet Neu-Ulm sichergestellt. Dabei stellte sich heraus, dass einige der Fahrer die Räder in der Unterkunft in der Reuttier Straße gekauft hatten.

Was war der Anlass für die Razzia in der Asylbewerberunterkunft in Neu-Ulm?

Ausschlaggebend für die große Durchsuchungsaktion in Neu-Ulm waren Rauschgift- und Gewaltdelikte. Die Polizei Neu-Ulm gründete eine Ermittlungsgruppe. Diese konnte insgesamt mehr als 30 Ermittlungsverfahren in örtlichem Zusammenhang mit der Asylbewerberunterkunft feststellen. Wobei die Verdächtigen und Täter nicht alle Asylbewerber waren und nicht alle aus dieser Unterkunft stammten - häufig wurde die Unterkunft als Umschlagplatz verwendet.
Vor Beginn der Razzia, gab es insgesamt sechs Durchsuchungsbeschlüsse und einen offenen Haftbefehl. „Insgesamt wurden also sechs Wohnungen beziehungsweise Zimmer durchsucht und der Haftbefehl konnte vollzogen werden“, erklärte Stabik. Bei dem Haftbefehl waren vorrangig Drogen der Anlass.

Das hat die Polizei bei der Razzia in Neu-Ulm am 09.10.2020 sichergestellt

Die Polizei konnte insgesamt folgendes sicherstellen:
  • etwa 100 Gramm Marihuana
  • eine kleine Menge Kokain
  • eine kleine Menge Ecstasy
  • ein gestohlenes Fahrrad
  • weitere verdächtige Fahrräder, die überprüft werden müssen.
  • Zudem leiteten die Beamten 18 Verfahren ein, darunter fünf wegen des Verdachts des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln, fünf wegen des Verdachts des Fahrraddiebstahls und eines wegen des Verdachts des Diebstahls eines Mobiltelefons.
  • Elf Personen wurden vorläufig festgenommen
  • Mitarbeiter des Landratsamtes Neu-Ulm sprachen weiteren 16 Personen Hausverbote aus, da diese sich widerrechtlich in der Unterkunft aufhielten.

150 Polizeibeamte und 100 Gramm Marihuana - Ziel der Razzia in Neu-Ulm

Ist der Einsatz von insgesamt 150 Polizeibeamten nicht unverhältnismäßig, wenn lediglich 100 Gramm Marihuana plus geringe Mengen weiterer Drogen sowie ein gestohlenes Rad sichergestellt werden konnten? Hier betont Stabik, dass die Aktion ein Erfolg war und die Polizei nicht erwartet hat, dort große Mengen an Drogen zu finden. In erster Linie sei die diese geplante Razzia eine gezielte Kontrolle mit großer Präsenz gewesen, die unter anderem auch der Abschreckung diente. Vielmehr erhoffen sich die Ermittler durch Auswertungen sichergestellter Handys, weitere Verbindungen aufzuklären und so bisher unbekannte Hintermänner aufzudecken.

Zahlreiche Beschwerden aus der Nachbarschaft bekräftigen geplante Razzia

Die Stadt Neu-Ulm meldete zudem zahlreiche Beschwerden aus der Nachbarschaft. Es handelte sich dabei überwiegend um Ruhestörung und Belästigung, die vom Umfeld der Unterkunft in der Reuttier Straße ausgingen. Die Durchsuchungen sollen Sicherheitsstörungen durch „offensive Maßnahmen der Polizei in Zukunft zu reduzieren“, heißt es in einer Pressemitteilung. Dazu sind weitere Maßnahmen in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden geplant.

Drohen weitere Razzien und Maßnahmen der Polizei in Neu-Ulm?

Die Razzia dauerte noch bis in die späten Abendstunden andauern und die Ermittlungen laufen weiter. Bis her ist die Polizei bereits sehr zufrieden: die gesuchte Person wurde angetroffen und konnte verhaftet werden und es wurden alleine am Freitag bis etwa 20 Uhr weitere fünf Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Falls sich die Situation dort nach der Durchsuchungsaktion wieder verschärfen sollte, werden definitiv Maßnahmen ergriffen und weitere Aktionen durchgeführt. „Wir haben ein Auge auf die Szene und wollen eine dauerhafte Lösung“, betonte Stabik abschließend.