Polizeiautos versperren den Weg, schwer bewaffnete Einsatzkräfte beobachten vorbeilaufende Passanten: Ein Großeinsatz der Polizei in der Innenstadt von Ulm hat am Freitag viele Menschen verunsichert. An den Zufahrtsstraßen zur Fußgängerzone wurden Autos angehalten und kontrolliert. Unter anderem an der Blau, an der Wengengasse und am Stadthaus hatten Polizisten mit Maschinenpistolen im Anschlag Position bezogen. Polizeiautos mit Beamten in schweren Schutzwesten und mit automatischen Waffen im Anschlag blockieren alle Zugänge zur City. Eine Irrfahrt in der Essener Innenstadt hat den Einsatz ausgelöst.

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Passanten wurden aufgefordert, die Innenstadt zu verlassen. Eine SWP-Reporterin berichtete: „Uns wurde gesagt, dass wir die Innenstadt verlassen und meiden sollen.“

Ratlos und teils eingeschüchtert passieren sie die Polizeiposten ungehindert, wundern sich jedoch über die sichtbare Präsenz. Auf die Fragen von Hunderten nach dem Grund ihres Einsatzes antworten die Polizisten freundlich, aber wortkarg. Wer „keine dringenden Erledigungen“ in der Innenstadt zu machen habe, solle sie meiden. Mehr Informationen hat gegen 13 Uhr auch Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch nicht: „Es handelt sich wohl um eine Bedrohungslage. Mehr weiß ich noch nicht“, teilt er auf dem Weg ins Lagezentrum der Ulmer Polizei mit.

„Ich will nicht, dass ich auf Sie schießen muss“

Was bedrohlich ist, verraten auch die Beamten an den Straßensperren nicht. „Bitte halten Sie Abstand. Ich will nicht, dass ich auf Sie schießen muss, wenn etwas passiert“, erklärt ein Polizist am Münsterplatz höflich, als er angesprochen wird. So bereiten er und seine Kollegen den Boden für Spekulationen, die das Stadtgespräch dominieren. Zumindest bis sich herumgesprochen hat, dass es in Essen „einen Vorfall in der Innenstadt“ gegeben habe

Eine offizielle Mitteilung der Ulmer Polizei gibt es gegen 14.30 Uhr. Eine schlichte Erklärung: „Heute Vormittag fuhr in Essen ein Pkw mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Innenstadt. Um ähnliche Vorfälle zu verhindern und die Sicherheit zu gewährleisten, hat sich das Polizeipräsidium Ulm dazu entschlossen, die Präsenz in der Ulmer Innenstadt kurzzeitig zu erhöhen.“ Das schöne Wetter und die „stark besuchte“ City hätten die Entscheidung befördert.

Auf die Frage, ob es Hinweise gab, die den im Unterschied zu anderen Städten massiven Einsatz notwendig erscheinen ließen, antwortet der Polizeisprecher Joachim Schulz anschließend lediglich: „Unser Polizeiführer löste den Einsatz aus. Das wurde innerhalb von Ulm so entschieden.“

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Eine konkrete Gefahr habe in Ulm zu keiner Zeit bestanden, teilt die Polizei auf Anfrage mit. Die Frage, ob im Polizeipräsidium Ulm vor dem Einsatzbefehl für die Beamten über die psychologische Wirkung der Polizeipräsenz an einem sonnigen Einkaufstag gesprochen wurde, beantwortet das Präsidium nicht. Stattdessen ziehen die bewaffneten Posten gegen 14 Uhr aus der City ab. Sie lassen teils irritierte, teils gelassene Stadtbummlerinnen zurück.

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