Neue Erkenntnisse zu dem brutalen Angriff auf eine Mitarbeiterin des Arbeitsamtes in Rottweil: Wie berichtet, hatte ein 58-jähriger Mann hat am Donnerstagvormittag gegen 11 Uhr im Jobcenter eine 50-jährige Mitarbeiterin mit einem Messer attackiert und dabei schwer verletzt. Laut der Polizei ereignete der Angriff sich in einem oberen Stockwerk des durch das Jobcenter in Rottweil genutzten Bürohochhauses an der Steig 27. Vermutlich hat der 58-Jährige die Tat geplant gehabt.

Mann soll Angriff im Jobcenter auf Twitter angekündigt haben

Nach Angaben von Bild und dem Münchner Merkur soll der mutmaßliche Täter den Angriff auf Twitter angekündigt haben. Demnach habe er auf Twitter geschrieben: „Ich werde morgen eine Person des Jobcenters töten.“ Der Twitter-Post sei aber nicht mehr auf dem Profil des mutmaßlichen Täters zu finden, möglicherweise sei er gelöscht worden. „Bild“ zeigt einen Screenshot, auf dem zu lesen ist: „Drei Stiche warte auf Polizei“. Die Polizei berichtete am Freitag, dass die Twitter-Posts des Mannes bereits Teil der Ermittlungen seien.

Opfer in Krankenhaus notoperiert

Die Polizei hatte den mutmaßlichen Täter noch am Tatort festgenommen, sagte ein Sprecher. Die schwer verletzte Frau wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Dort wurde sie notoperiert, wie es am Freitag hieß. Laut Staatsanwaltschaft konnte sie aber noch nicht zu dem Angriff befragt werden. Das DRK war mit mehreren Einsatzfahrzeugen angerückt, die Polizei hatte das Gelände zeitweilig abgesperrt

Nürtingen

Weitere Details zu dem Angriff, etwa zur genauen Identität des Mannes, wurden nicht genannt. Auf Twitter berichtet das Polizeipräsidium in Konstanz, dass es sich um einen Deutschen handle. „Bild“ berichtet, der 58-jährige Mann habe an dem Morgen einen Beratungstermin im Jobcenter gehabt.

Das 50-jährige Opfer erlitt schwere Verletzungen und wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen.
© Foto: Peter Arnegger/Nrwz/dpa

Motiv für Messerstiche in Rottweil noch unklar

Das Motiv für den Angriff des Kunden auf die Mitarbeiterin im so genannten „Telekom-Hochhaus“ ist immer noch unklar. Sicher ist nur: Im Büro der 50-Jährigen soll der Mann die Frau sehr unvermittelt angegriffen und auf sie eingestochen haben. Nach dem Angriff ist der 58-Jährige der Polizei zufolge ins Erdgeschoss des Bürogebäudes gegangen. Dort habe er sich ohne Widerstand festnehmen lassen.

Zuvor habe er den übrigen Mitarbeitern des Jobcenters gesagt, dass man die Polizei verständigen könne. Die Tatwaffe wurde sichergestellt.

Ermittlungen wegen versuchten Mordes

Der Tatverdächtige wurde – ebenso wie Zeugen des Vorfalls – umgehend vernommen. Er habe sich aber bisher nicht zur Tat geäußert. Die Staatsanwaltschaft Rottweil wertet die Messerstiche als „versuchten Mord in Tateinheit mit vollendeter gefährlicher Körperverletzung durch lebensgefährdende Behandlung“. Das Gericht hat einen Haftbefehl erlassen, der Verdächtige wurde inzwischen in eine JVA gebracht und sitzt in Untersuchungshaft.

Statistik: Zahl der Messerangriffe nimmt zu

Die Zahl der Messerangriffe in Deutschland nimmt offenbar deutlich zu. Dazu einige Fakten: In Baden-Württemberg gab es laut dem Sicherheitsbericht im Jahre 2018 insgesamt

  • 1763 Fälle, in denen ein Messer die Tatwaffe war.
  • In 1222 Fällen handelte es sich um gefährliche Körperverletzung
  • In 136 Fällen handelte es sich um Mord und Totschlag
  • Von den 1757 Tatverdächtigen handelte es sich bei 1052 um nichtdeutsche Tatverdächtige.
  • Seit 2014 stieg die Zahl der Fälle, in denen ein Messer die Tatwaffe war, von 1421 kontinuierlich auf 1810 im Jahr 2017. Erst 2018 sank sie wieder um 2,5 Prozent.

Im Sicherheitsbericht Baden-Württemberg heißt es dazu: „Bei schweren Gewaltstraftaten ist festzustellen, dass häufig Messer zum Einsatz kommen.“ Und: „Im Bereich der Gewaltkriminalität ist jedes sechste schwerverletzte Opfer im Zusammenhang mit einem Messer verletzt worden, unter den tödlich Verletzten ist bei jedem dritten Opfer ein Messer im Spiel.“

Aktuelle Zahlen für 2019 aus Nordrhein-Westfalen

Aktuelle Zahlen für 2019 gibt es derzeit nur aus Nordrhein-Westfalen. Mehrere Medien zufolge gab es in NRW 2019

  • 6827 Angriffe mit einem Messer
  • 6736 Tatverdächtige wurden erfasst
  • 88 Prozent waren Männer
  • Meist sind die Angreifer jung

Dem ZDF zufolge besaßen laut der PKS des vergangenen Jahres von den 6736 erfassten Tatverdächtigen 2645 nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Anteil der Zuwanderer an den Nichtdeutschen habe 39,8 Prozent (1052) betragen.

Innenminister Herbert Reul (CDU) bestätigte der Bild online, dass die Zahl der Messerangriffe noch einmal deutlich zugenommen habe. Er sagte auch, dass es sich bei den Angreifern vorrangig um deutsche Täter handle. Die Roheit bei Streitereien nehme zu.