Fassungslosigkeit machte sich am Samstag im Killertal breit, als die Nachricht die Runde machte, dass es im Deutschen Peitschenmuseum im alten Killermer Bahnhöfle innerhalb von nur 30 Stunden zum zweiten Mal gebrannt hat. An einen bösen Zufall will niemand glauben, an ein unentdecktes Glutnest, das den ersten Brand wieder aufflammen ließ, auch nicht. Alles deutet darauf hin: Im Killertal geht ein Feuerteufel um. Auch die Polizei sucht seit Samstag nach einem Brandstifter.

Rätselraten über das Motiv

Aber was könnte das Motiv sein? Hat da jemand etwas gegen das Deutsche Peitschenmuseum, das vom Heimatverein Killer mit viel Engagement ehrenamtlich verwaltet wird und ein überregional wirksames Aushängeschild des Dorfes Killer und der Stadt Burladingen ist? Oder will jemand dem Museumsleiter Oliver Simmendinger eins auswischen – dem Mann, der just vergangene Woche sein neues Amt als Bürgermeister in der Nachbargemeinde Jungingen angetreten hat? Oder sind da jugendliche Tunichtgute am Zündeln, die sich der Corona-Verordnung widersetzen und sich heimlich am Bahnhof zum Rauchen und Trinken treffen?

Fragen über Fragen. Und Angst.

„Man macht sich jetzt schon so seine Gedanken: Geht das gegen mich persönlich?“ denkt sich Oliver Simmendinger, der in beiden Brandnächten persönlich vor Ort war und kopfschüttelnd vor seiner mittlerweile komplett zerstörten Museums-Cafeteria stand. Während die Polizei den durch die beiden Brände angerichteten Sachschaden auf rund 60 000 Euro schätzt, geht der Museumsleiter selbst von mindestens 100 000 Euro aus.

Abbruch und Neubau nötig – und das ohne eigene Versicherung

Die Cafeteria, die der Heimatverein einst selbst an das eigentliche Museumsgebäude angebaut hat, müsse schließlich jetzt abgebrochen und entsorgt werden. „Und dann“, so Simmendinger, „braucht es Planung, Baugesuch, Statik usw.“

Wer Abriss und Neubau bezahlen soll, weiß der Vereinschef übrigens noch nicht. Schon nach dem ersten Brand hatte Simmendinger feststellen müssen, dass der Heimatverein selbst keine Gebäudeversicherung hat. Die Hoffnung ruht nun auf der SWEG in Lahr, der neuen Muttergesellschaft der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL), die nach wie vor im Besitz des Bahnhofsgebäudes ist. Aber ob sich eine eventuell vorhandene Versicherung auch auf den Anbau erstreckt? Eine der vielen Sorgen, die Oliver Simmendinger umtreiben – von der Angst um seine persönliche Sicherheit (und die seiner Familie) mal ganz abgesehen.

Wenigstens die Sammlung ist unversehrt

Die Museumssaison, die wegen der Corona-Lage ohnehin in den Sternen stand, kann der Heimatverein Killer wohl knicken. Denn ohne die Einkehrmöglichkeit in der Cafeteria ergeben Öffnungstage wenig Sinn.

Ein Trost, wenn auch ein schwacher, ist es für Oliver Simmendinger, dass das Museumsgebäude selbst, die wertvolle Peitschensammlung und die Maschinen und Geräte der alten Peitschenmacher von Killer abermals unversehrt geblieben sind - wenn man von der Verschmutzung durch Feuerrauch absieht.

Die Chronologie der beiden Brandnächte

Am Donnerstagabend gegen 21.15 Uhr beobachtete ein Passant den ersten Brand in der Museums-Cafeteria. Die Feuerwehr Killer löschte, die Polizei schätzte den Sachschaden auf 30 000 Euro. Als Brandursache wurde eine weggeworfene Zigarettenkippe vermutet.

Samstagfrüh gegen 3.50 Uhr wurde am selben Ort erneut ein Brand gemeldet. Ein Zeitungsausträger hatte durch die Scheiben der Cafeteria kleine Flammen gesehen, und abermals rückte die Feuerwehr Killer unter dem Kommando von Daniel Petznik aus. Als die sieben Einsatzkräfte am Brandort eintrafen, gab es nur noch zwei kleine Flämmchen zu löschen. Das Bild, das sich den Floriansjüngern bot, war aber deutlich schlimmer als in der Nacht zuvor. Diesmal mussten sie keine Scheibe mehr einschlagen, um an den Brandort vorzudringen. Das hatte schon das Feuer erledigt: Die komplette Rückwand der Cafeteria, die an das Museum angebaut ist, war zerstört – und drinnen waren das Gebälk, der Boden und das Mobiliar stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die Polizei aus Burladingen ermittelt nun wegen Brandstiftung und prüft einen möglichen Zusammenhang der beiden Fälle. Hinweise aus der Bevölkerung werden unter Telefon 07471/98800 erbeten.

Was bisher geschah:

Weggeworfene Zigarettenkippe als Brandursache? 30.000 Euro Schaden im Deutschen Peitschenmuseum in Killer

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